Aktionärsbrief

Michael Diekmann
Michael Diekmann,
Vorsitzender des Vorstands

Sehr geehrte Investoren,

die Welt ist in Aufruhr. Fukushima. Staatsschuldenkrise. Eurokrise. Politischer Stillstand in den USA. Arabischer Frühling. Banken im Stress. Pausenlos. 2011 war hart für die Allianz, hart für die Politik, hart für die Wirtschaft, die sich nach nur einem guten Jahr wieder auf einen Abschwung einstellen muss. Wie berührt es Sie, unsere Investoren?

Der Geschäftsabschluss 2011 bestätigt, wie fest Ihre Allianz steht. Unsere Kapitalstärke ist mit einer Solvabilitätsquote von 179 % ungebrochen, obwohl die Marktbedingungen ausgesprochen nachteilig waren.

Mit 7,9 Mrd € erreichten wir unser veröffentlichtes operatives Ergebnisziel. Einmal mehr trug das Asset Management wesentlich zu Umsatz und Wertschaffung bei. Im letzten Jahr war sein Beitrag zum operativen Ergebnis fast so hoch wie der unserer Lebensversicherung.

Gerade die operativen Geschäftszahlen in einem so fordernden Marktumfeld sind ein beeindruckender Erfolg für unsere exzellenten Mitarbeiter und Vertriebspartner. Ich denke, ich handele auch in Ihrem Namen, wenn ich unseren rund 142 000 Mitarbeitern und unseren mehreren hunderttausend Vertriebspartnern herzlich für ihren Einsatz danke.

Wir mussten freilich auch Rückschläge verkraften. Die Leistungen an Kunden nach Naturkatastrophen übertrafen bei Weitem unsere Erwartungen und summierten sich zu einer Nettobelastung von 1,8 Mrd €. In Neuseeland, der Türkei und Japan bebte die Erde; Japan wurde ferner von einem starken Tsunami und darauf folgend von der Atomkatastrophe in Fukushima heimgesucht. Tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen verheerten Teile Australiens, der USA und Thailands. Außergewöhnlich hoch waren auch die Schäden durch Stürme und Hagelschlag in Deutschland.

Zusätzlich haben makroökonomische Faktoren unsere Ergebnisse nachteilig beeinflusst. Die europäische Staatsschuldenkrise erzwang erhebliche Abschreibungen auf unsere griechischen Staatsanleihen und unser Aktienportfolio. Außerdem erhöhte sich unsere Steuerquote erheblich, weil die Abschreibungen auf Aktienanlagen zu großen Teilen nicht abzugsfähig waren.

Extreme Marktschwankungen scheinen neuerdings zum „Normalzustand“ der Weltwirtschaft zu gehören. Um allen damit verbundenen Risiken schnell begegnen zu können, haben wir neben der Einführung zusätzlicher Absicherungsmechanismen und einer Schärfung des Risikomanagements eine Sondergruppe eingesetzt, die Risikopositionen laufend analysiert und bereits vorbeschlossene Gegenmaßnahmen zeitnah umsetzen kann.

Einige unserer großen Tochtergesellschaften legten Resultate vor, die nicht unseren Erwartungen entsprachen. Letztes Jahr hatte ich Ihnen geschrieben, dass die Ertragswende in unseren Einheiten in Deutschland, Frankreich, Italien und den USA deutlich sichtbare Ergebnisse zeigen soll. Leider haben wir dieses Ziel in einem höchst unruhigen Marktumfeld nicht überall erreicht. In Frankreich und in Italien besserte sich das operative Ergebnis der Schaden- und Unfallversicherung merklich. In den Vereinigten Staaten und in Deutschland sank die operative Profitabilität jedoch weiter ab, hauptsächlich wegen einer nachteiligen Entwicklung der Schaden-Kostenquote infolge ungewöhnlich starker Belastungen aus Naturkatastrophen und Großschäden. Diese Verzögerungen bei der Ertragswende erfordern zusätzliche Maßnahmen. In Deutschland hat das Managementteam in der Sachversicherung einen Plan entwickelt, der Wachstum und Ertrag 2012 und in den Folgejahren deutlich nach vorne schieben wird. Auch in den USA wurden die Weichen neu gestellt; allerdings rechnen wir dort im Jahr 2012 noch nicht mit einem kräftigen Schub aus dem Markt.

Insgesamt betrachtet versetzten die ungewöhnlich schadenträchtigen Naturkatastrophen und das Kapitalmarktumfeld unserem Jahresüberschuss einen erheblichen Dämpfer; er fiel im Vergleich zum Vorjahreswert um 46,2 % auf 2,8 Mrd €.

Der Wert der Allianz Aktie minderte sich im Berichtsjahr um 16,9 %, ein Kursabschlag vergleichbar dem des Branchenindex STOXX Europe 600 Insurance, der in dieser Zeit 13,7 % verlor. Auch wenn die Wertentwicklung unseres Papiers besser war als die des breit angelegten Index EURO STOXX 50 – diese Kursentwicklung ist für Sie wie auch für mich unbefriedigend.

Doch denken Sie bitte einmal so über Ihr Investment nach: Die Allianz ist ein global aufgestellter Finanzdienstleister mit Einheiten in großen Teilen der Welt. Darunter gibt es solche, die kräftig wachsen, wie Indien oder Brasilien. Andere wachsen verhalten, tragen aber gewaltig zum Umsatz und Ertrag bei, wie unsere Versicherer in Deutschland, Frankreich und Italien. Wieder andere Einheiten befinden sich erst am Anfang eines langen Wachstumsbogens, der weit in die Zukunft reicht, beispielsweise in Indonesien, Russland und China. Zusätzlich treibt etwa unser Geschäftsfeld Global Automotive weltweit das Versicherungsgeschäft in enger Kooperation mit führenden Automobilherstellern voran. Wir handeln schnell und konsequent, wenn Risiken überhandnehmen, beispielsweise in Japan, wo wir das Rentengeschäft 2011 aufgaben, weil das anhaltend niedrige Zinsniveau die Profitabilität nachhaltig beeinträchtigt. Zusammengenommen ist die Allianz Aktie ein Investment, das ein erhebliches Wachstumspotenzial abdeckt und selbst in turbulenten Zeiten solide Ergebnisse liefert.

Das gute operative Ergebnis 2011 und die Gewissheit, dass unsere klare Linie sich auch im kommenden Geschäftsjahr unter schwierigen Marktbedingungen bewähren wird, erlauben es, der Hauptversammlung eine stabile Dividende von 4,50 € je Aktie vorzuschlagen. Damit wollen wir Ihnen signalisieren, wie überzeugt wir von der fundamentalen Kraft unseres Geschäfts sind, und Sie an dieser Stärke und Zuverlässigkeit teilhaben lassen.

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, drei hochverdiente Vorstandskollegen zu würdigen, die zum Jahreswechsel aus der Allianz ausgeschieden sind oder unmittelbar vor diesem Schritt stehen. Dr. Joachim Faber trat nach zwölf Jahren im Vorstand Ihres Unternehmens und nach dem erfolgreichen Aufbau des Segments Asset Management in den Ruhestand. Herr Enrico Cucchiani übernahm die Leitung der italienischen Intesa San Paolo Bank. Und Dr. Paul Achleitner wurde gebeten, an die Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Bank zu treten. Herrn Dr. Achleitners und Herrn Cucchianis neue berufliche Herausforderung sind für sie persönlich eine verdiente Anerkennung ihrer Leistung. Für die Allianz ist die Tatsache, dass die Wahl auf sie gefallen ist, ein Verlust, mehr noch aber eine Auszeichnung. Meine Kollegen und ich haben mit den Herren Dr. Achleitner, Cucchiani und Dr. Faber ausgezeichnet zusammengearbeitet. Sie scheuten keine Mühe, Ihre Allianz voranzubringen. Dafür danke ich ihnen persönlich und in Ihrem Namen herzlich und wünsche ihnen in ihrem neuen Wirkungskreis Erfolg, Glück und Zufriedenheit.

Bitte heißen Sie unsere neuen Vorstände Dr. Helga Jung, Herrn Gary Bhojwani, Dr. Dieter Wemmer und Dr. Maximilian Zimmerer herzlich willkommen. Ihr Leistungsausweis ist exzellent. Mit diesen Berufungen hat der Aufsichtsrat ein starkes Team zusammengestellt, bestehend aus älteren und jüngeren Vorstandskollegen mit einem beeindruckenden Erfahrungshorizont. Ich freue mich sehr, mit diesem Team Ihre Allianz weiter voranzutreiben.

Auch im Aufsichtsrat selbst steht ein Wechsel an. Herr Dr. Schulte-Noelle, der Aufsichtsratsvorsitzende, stellt sich nach Erreichen der Altersgrenze nicht mehr zur Wahl. Mit Herrn Dr. Schulte-Noelle verliert die Allianz einen langjährigen Fahrensmann, der die Allianz und ihr Geschäft wie kaum ein Zweiter kennt. Er hat mit viel Umsicht, Diplomatie und großem Sachverstand die Aufsichtsratsarbeit organisiert und modernisiert. Der Vorstand und ich verdanken ihm klugen Rat und die stets kritisch-wohlwollende Unterstützung, die ein Unternehmen und sein Vorstand für den Erfolg brauchen. Ich danke in Ihrem Namen Herrn Dr. Schulte-Noelle herzlich für sein Wirken zum Wohle Ihrer Allianz und wünsche ihm für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit und Glück.

Was haben wir uns im laufenden Jahr 2012 konkret vorgenommen?

In der Schaden- und Unfallversicherung rechnen wir mit einem soliden Wachstum, das insbesondere von positiven Preiseffekten in vielen Märkten getragen wird, sowie einem verbesserten operativen Ergebnis. Für die Lebens- und Krankenversicherung erwarten wir stabile Erlöse und einen leichten Anstieg des Ergebnisses trotz des andauernden schwierigen Kapitalmarktumfelds. Im Asset Management wollen wir das exzellente Ergebnisniveau halten.

Insgesamt sind wir zuversichtlich, dass Ihre Allianz mit ihrem starken und ausgeglichenen Portfolio das operative Ergebnis auf 8,2 Mrd € steigern kann, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus
500 Mio €.

Das neue Geschäftsjahr wird nicht weniger fordernd sein als das Berichtsjahr. Ich bin aber guter Dinge, mit unserem robusten Geschäftsmodell, unserem Managementteam und unserer Mitarbeiterschaft nicht nur die Herausforderungen zu meistern, sondern auch die sich bietenden Chancen wahrzunehmen. Es sollte sich weiter für Sie lohnen, Teil der Allianz, einer der größten Finanzgemeinschaften, zu sein. Bitte schenken Sie uns weiter Ihr Vertrauen.

mit freundlichem Gruß, Ihr M. Diekmann

ShareThis: