Geschäftsumfeld 2011: Versicherungsbranche

Neben dem Abschwung der Weltwirtschaft hatte die Versicherungsbranche 2011 zwei wesentliche Herausforderungen zu meistern: erstens das permanent niedrige Zinsumfeld infolge der Staatsschuldenkrise und zweitens die Schäden durch Naturkatastrophen, die sich auf über 100 Mrd US-Dollar erhöhten. Doch selbst angesichts dieser enormen Herausforderungen hat die Versicherungsbranche ihre starke Kapitalposition behauptet.

Zinssätze und Anleiherenditen verharrten auch 2011 auf ihren niedrigen Niveaus, während ausufernde Staatsschulden, Kreditverknappung und die schwache Konjunktur den Währungshütern zu schaffen machten. Im Dezember senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins zum zweiten Mal im Jahr 2011; er notierte danach wieder nur noch bei 1 %. Die Renditen auf 10-jährige deutsche Bundesanleihen, die in der ersten Jahreshälfte zugelegt hatten, gingen sogar noch stärker zurück – zum Jahresende lagen sie bei rund 2 % und damit deutlich unter ihrem 20-jährigen Durchschnitt von 5,5 %.

Das Jahr 2011 wurde zudem erneut stark von Naturkatastrophen belastet: Das Aufkommen der versicherten Schäden war mit mehr als 100 Mrd US-Dollar das zweithöchste seit 1980; im Vergleich zum Jahr 2010 hat sich das Schadenniveau damit in etwa verdoppelt. Schwerwiegende Ereignisse waren unter anderem die Überschwemmungen in Australien und Thailand, das Erdbeben und der Tsunami in Japan, die Erdbeben in Neuseeland sowie die Orkane in den USA. Immerhin richteten die berüchtigten Hurrikane in den USA 2011 nur relativ wenig Schäden an: Nur ein Hurrikan – Irene – verursachte dort Schäden von über 1 Mrd US-Dollar.

Die Attraktivität des Versicherungssektors litt auch im vergangenen Jahr unter der Unsicherheit um die Einführung der Solvency-II-Richtlinie. Die konservativen Kapitalanforderungen und die Risikobewertung des Gesetzgebers sind unseres Erachtens eher hinderlich als konstruktiv. In einigen Fällen sind sie sogar mit bewährten Geschäftsmodellen unvereinbar.

In der Schaden- und Unfallversicherung haben sich die Bedingungen in einigen unserer wichtigsten Märkte ein wenig verbessert. Das Prämienwachstum blieb zwar moderat, hat sich in den meisten gesättigten Märkten – wie Deutschland und Frankreich – jedoch leicht erhöht. In den USA wurde erstmals seit der Finanzkrise wieder Wachstum verzeichnet. Als besonders attraktiv erwiesen sich die Märkte in den Schwellenländern: Hier konnte die Allianz Gruppe zweistellige Wachstumsraten erzielen. Nach wie vor ist Asien die Region mit der stärksten Dynamik; doch auch Osteuropa und besonders Lateinamerika wuchsen 2011 zunehmend schnell und deutlich.

In Westeuropa, den USA und in Australien – also Regionen, in denen die Allianz Präsenz besonders stark ist – haben wir höhere Preise durchgesetzt, vorwiegend im Privatkundengeschäft. Im Verlauf des Jahres 2011 waren erste Anzeichen für ein verbessertes Preisniveau jedoch teilweise auch im Firmenkundengeschäft erkennbar. Dessen ungeachtet sind jedoch noch weitere erhebliche Preissteigerungen notwendig, um die technische Preisgestaltung wieder auf ein angemessenes Niveau zu bringen. Die Erträge in der Schaden- und Unfallversicherung wurden insgesamt durch hohe Schäden aus Naturkatastrophen beeinträchtigt; darüber hinaus wirkten sich auch die niedrigeren Investmenterträge negativ aus. Doch von diesen Faktoren abgesehen haben sich die Margen dort, wo Preissteigerungen durchgesetzt werden konnten, grundlegend verbessert. Eine Verbesserung gab es auch – in geringerem Maße – für die Basisschadenlast.

In der Lebensversicherung entwickelten sich die weltweiten Beitragseinnahmen 2011 in Summe rückläufig. Während die meisten Schwellenmärkte nach wie vor gesunde Wachstumsraten aufwiesen – die lateinamerikanischen Märkte bestimmten dabei das Tempo –, kam das Prämienwachstum in China zum Stillstand: 2011 war dort sogar ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen, da neue Bankassurance-Bestimmungen zu Buche schlugen. Darüber hinaus stagnierte das Prämienwachstum in einigen der gesättigten Märkte, darunter Deutschland, Frankreich und Italien. Hier litt das Geschäft mit Lebensversicherungsprodukten stark unter dem Vertrauensverlust der Anleger wegen des schwierigen Marktumfeldes. Gleichzeitig war der Wettbewerbsdruck sehr hoch, da Banken mit neuen Sparprodukten auf den Markt drängten.

Positiv entwickelte sich hingegen der US-Markt, der 2011 die Kehrtwende schaffte: Zum ersten Mal seit Jahren hat die Allianz Gruppe dort mit neuen Annuitäten prozentuale Umsatzsteigerungen im zweistelligen Bereich erzielt. Gleichzeitig haben wir den Umsatz mit Individuallebensversicherungen im mittleren einstelligen Bereich gesteigert. Traditionelle Lebensversicherer verbuchten aufgrund des niedrigeren Zinsniveaus im vergangenen Jahr auch niedrigere Ergebnisse. Dadurch verengten sich zum einen die Gewinnspannen, zum anderen mussten die für Garantien benötigten Rückstellungen erhöht werden. Im Vergleich dazu haben Provisionsgeschäfte relativ gut abgeschnitten.

Für das Asset Management war 2011 ein schwieriges Jahr, das durch die anhaltende Staatsschuldenkrise in den Industrieländern, eine steigende Marktvolatilität in der zweiten Jahreshälfte und zunehmend belastende aufsichtsrechtliche Erfordernisse bestimmt wurde. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte unser Asset Management 2011 sowohl den Kapitalanlagebestand als auch das operative Ergebnis steigern, wenn auch weniger stark als im herausragenden Vorjahr.

Eine der bemerkenswerten Entwicklungen in der Vermögensverwaltungsbranche im Jahr 2011 sind die unterschiedlichen Muster, die die Kapitalflüsse für die Investmentfonds in den verschiedenen Anlageregionen zeigten: Europäische Fonds mussten insgesamt in verschiedenen Anlageklassen erhebliche Kapitalabflüsse hinnehmen. In den USA machten die Anleger massiv von ihrem Recht auf Liquidierung ihrer Geldmarktfondsanteile Gebrauch; bei Rentenfonds hingegen kam es zu starken Zuflüssen. In Asien verzeichneten sowohl Renten- als auch Aktienfonds starke Zuflüsse. Die dominierende Anlageklasse weltweit blieben Rentenfonds, in die rund 80 % der Gesamtzuflüsse für langfristige Investmentfonds eingingen.

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