Einschätzung künftiger Chancen und Herausforderungen durch den Vorstand

Bitte lesen Sie unseren Vorbehalt bei Zukunftsaussagen.

Die Pflege und Stärkung des Vertrauens, das uns von Kunden, Mitarbeitern und Investoren sowie der Öffentlichkeit entgegengebracht wird, sind für uns sehr wichtig. Durch die konsequente Verfolgung unserer Strategie sind wir zuversichtlich, dass sich die Allianz Gruppe in einer privilegierten Position befindet, um auf diesem Vertrauen aufzubauen sowie die zahlreichen künftigen Herausforderungen zu meistern und Chancen zu nutzen.

Viele Herausforderungen und Chancen sind segment-, geschäftsbereich- oder marktspezifisch. Andere haben dagegen globale und bereichsübergreifende Bedeutung. Allianz bewertet die potenziellen Auswirkungen und wechselseitigen Abhängigkeiten, da diese Trends nicht isoliert betrachtet werden können. Die nach unserer Auffassung wichtigsten Punkte werden im Folgenden dargestellt.

Makroökonomisches Umfeld und Finanzmarktstabilität

Während die gegenwärtigen Finanzturbulenzen möglicherweise vor allem durch die europäische Staatsschulden- und Bankenkrise verursacht wurden, erhöht sich der Druck auf den Versicherungssektor insgesamt aufgrund der viel strengeren Regulierung für Versicherer. Niedrige Zinssätze wirken sich in erster Linie auf den Lebensversicherungssektor aus (wegen der gegenüber den Kunden übernommenen Garantien). Dagegen stellen die anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und hohen Marktvolatilitäten allgemeine Herausforderungen dar. Wir gehen deshalb davon aus, dass der Druck auf die Bilanzen der Versicherer auch künftig anhalten wird.

In Zeiten hoher Unsicherheit spielt das Versicherungsgeschäft eine besonders wichtige Rolle in der Gesellschaft: Die Allianz kann Geschäftsaktivitäten absichern, Einzelpersonen und Familien Schutz bieten sowie zur Stabilität auf den Kapitalmärkten beitragen, indem langfristige Anlagestrategien verfolgt sowie Risiken effizient gesteuert und übertragen werden. Außerdem werden wir uns auch weiterhin bei Bildungsinitiativen engagieren, um das Verständnis für Finanzthemen und das Risikobewusstsein zu verbessern sowie die Entwicklung finanziell unabhängiger Personen zu fördern.

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Umweltveränderungen

In den vergangenen zwanzig Jahren haben wir eine Zunahme der Häufigkeit, Stärke und wirtschaftlichen Auswirkungen von Naturkatastrophen festgestellt. Voraussichtlich wird diese Entwicklung weiter anhalten. Die Gründe dafür liegen in den Klimaveränderungen sowie der zunehmenden Verstädterung und Konzentration von Werten in Gebieten, die Naturkatastrophen stärker ausgesetzt sind. Durch die ständige Aktualisierung und Weiterentwicklung unserer Risikomodelle sowie ein aktives Kumulierungsmanagement befinden wir uns in einer guten Position, um auf diese Entwicklungen zu reagieren. So können wir auch weiterhin ein bewährter und zuverlässiger Partner für unsere Kunden bleiben – in Zeiten, in denen sie uns am meisten brauchen.

Bis heute hat die Allianz Gruppe über 80 Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die zur Milderung des Klimawandels beitragen oder dessen Auswirkungen auf die Umwelt dämpfen. Da das Bewusstsein für die durch den Menschen verursachten Einflüsse auf den Klimawandel weltweit zunimmt, dürften die wachsende Popularität der erneuerbaren Energien und anderer „grüner“ Anlageprodukte weiter an Boden gewinnen. Unsere Asset-Management-Produkte umfassen bereits Investmentfonds, die in erneuerbare Energien, grüne Technologien und Unternehmen mit nachhaltigem Management investieren. Neben der Umsetzung einer nachhaltigen und langfristigen Neutralisierungsstrategie für Kohlendioxid (CO2) sowie unserer internen Maßnahmen zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes sind CO2-Investments nicht nur ein Instrument zur freiwilligen Neutralisierung, sondern auch ein rentables Geschäftsmodell für uns.

Wir haben beschlossen, uns ab dem Jahr 2012 klimaneutral aufzustellen und eher direkt in CO2-Projekte zu investieren, als einfach nur CO2-Zertifikate zu kaufen. Nur einige der aus einem Projekt erlangten Zertifikate werden zur Neutralisierung der Eigenemissionen der Allianz erforderlich sein, wohingegen der Rest verkauft wird und somit einen finanziellen Ertrag für die Anteilseigner des Projektes erzielt. Durch die weitere interne Reduktion der künftigen CO2-Emissionen werden ferner weniger Zertifikate für Neutralisierungszwecke benötigt und können stattdessen verkauft werden. Dies schafft einen direkten Anreiz für die Allianz, ihre Anstrengungen zur Verringerung der Emissionen zu verstärken.

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Gesellschaftliche Veränderungen

Verhalten/Erwartungen der Kunden: In den vergangenen zwei Jahrzehnten vollzog sich die starke Ausbreitung von Mobiltelefonen, Laptops, Breitband-Internetverbindungen sowie der E-Mail-Nutzung. Diese Prozesse wurden hauptsächlich von jüngeren Personen mit gehobenem Einkommen und gutem Bildungsabschluss, in den sogenannten „entwickelten Gesellschaften” vorangetrieben. Soziale Netzwerke und andere Online-Kanäle spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Marktforschung und in der Beratung. Wir sind in ein Zeitalter eingetreten, in dem die Beherrschung und Nutzung der Informationstechnologien und -geräte ein typisches Merkmal all unserer Anteilseigner ist (unabhängig davon, wo sich der jeweilige Wohnort beziehungsweise Arbeitsplatz befindet und wie der Kontakt zur Allianz aufgenommen wird). Heute wollen unsere Kunden, Investoren und Partner ihre eigenen Entscheidungen treffen und sie erwarten einen einfachen, benutzerfreundlichen Informationszugang – wann immer sie das möchten, wo immer sie sich befinden. Wir werden weiterhin in elektronische Lösungen für das Front- und Back-Office investieren, um die Automatisierung und Effizienz zu verbessern.

Alternde Gesellschaften: Der demografische Wandel schafft nicht nur neue Herausforderungen für Finanzdienstleistungsanbieter wie die Allianz, sondern sorgt auch für neue Chancen. Im Zuge des Alterungsprozesses von Gesellschaften verändert sich das Nachfrageverhalten. Unsere gute Marktposition in Kontinentaleuropa und den USA sowie unsere starke Marke, ausgezeichneten Ratings und das diversifizierte Produktportfolio versetzen uns jedoch in eine hervorragende Lage, um auch künftig von Alters- und Gesundheitsvorsorgemöglichkeiten sowie dem Angebot von Assistance-Produkten zu profitieren.

Zugriff auf Finanzierungsquellen: Wir beobachten auch eine kontinuierliche Verschiebung der Wirtschaftskraft hin zu den Schwellenländern, wobei China, Indien und andere asiatische Volkswirtschaften derzeit das Weltwirtschaftswachstum vorantreiben. Für die Allianz wird dadurch die Anziehungskraft dieser Märkte erhöht. Schätzungsweise 2,6 Mrd Menschen leben von einem Tageseinkommen zwischen 1,25 und 4 US-Dollar. Arme Menschen sind stärker von Naturkatastrophen, Unfällen und Krankheiten betroffen. Diese Menschen haben auch keine Möglichkeit, Ersparnisse zu bilden oder Versicherungen abzuschließen, um sich gegen diese Gefahren zu schützen. Allianz bietet über zwei Millionen Kunden eine Reihe von Mikroversicherungsprodukten an. Mikroversicherungsprodukte können rentabel sein, wenn auch mit einer geringeren Marge als im traditionellen Geschäft. Die Heranführung von Kunden mit niedrigem Einkommen an das Versicherungskonzept dürfte sich über die Jahre auszahlen, wenn diese Kunden wirtschaftlich aufsteigen.

Aufstieg der Mittelklasse: Eine wachsende Mittelklasse in Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und Indonesien sorgt auch für Wachstumschancen in allen Geschäftssegmenten. Mit einer starken Präsenz und großer Erfahrung in diesen Märkten sowie durch Unterstützung unserer weltweit geschätzten Marke dürfte die Allianz Gruppe auch künftig von diesem wachsenden Pool potenzieller Kunden profitieren.

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Die Versicherungsbranche ist einer zunehmenden Regulierung in den Industrieländern ausgesetzt, die zu stärkerer Kontrolle und weniger unternehmerischer Freiheit führt. Strengere Anforderungen an das Risikomanagement werden den Kapitalbedarf verändern und die Verwaltungskosten erhöhen. Außerdem werden neue Rechnungslegungsvorschriften die Investments in ertragsstärkere Anlageklassen wie Aktien weniger attraktiv machen. Dies wird die Rolle der Versicherer als Kapitalgeber schwächen und könnte zu geringeren Anlageerträgen führen. Diese aufsichtsrechtlichen und gesetzlichen Entwicklungen könnten jedoch auch Chancen eröffnen, da ein größerer Kapitalbedarf und die Regulierung zu einer Konsolidierung des Sektors führen werden, die nur finanziell solide Versicherungsunternehmen überleben dürften.

Die zunehmende aufsichtsrechtliche Harmonisierung auf internationaler Ebene wird jedoch auch ein gleiches Spielfeld für alle schaffen; dies wird den Zugang zu neuen Märkten und Geschäftssegmenten ermöglichen, auch wenn die Auswirkungen erst langfristig spürbar sein dürften.

Risikomanagement und -kontrolle: Da diese gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Entwicklungen von wesentlicher Bedeutung für die Geschäftsaktivitäten der Allianz sind, hat sich der Konzern dazu verpflichtet, sich bei wichtigen Themen wirtschaftlicher, ökologischer, gesellschaftlicher und politischer Art einzubringen. Die zunehmende Haftung unterstreicht die noch größere Bedeutung des Risikomanagements, die sich für Unternehmen mit einem diversifizierten Ansatz zum Risikomanagement als vorteilhaft erweisen wird. Schließlich sind die Prognose, Überwachung und Bewertung globaler Fragestellungen ein grundlegender Aspekt unseres umfassenden Risikomanagements, das uns auf diese Fragestellungen gut vorbereitet.

Kostenmanagement: Wir entwickeln unser Geschäftsmodell weltweit weiter und stehen dabei stärkeren Herausforderungen gegenüber, um unsere Leistung in den traditionellen, aber gesättigten Märkten zu halten und zu verbessern. Wir erkennen die gestiegene Notwendigkeit, unsere operativen Kosten in einer vernünftigen und nachhaltigen Weise zu steuern, dass die Beiträge und der Wert unserer Mitarbeiter in der ganzen Welt zum Tragen kommt.

Komplexitätsverringerung: Ebenfalls aufgrund der zunehmenden Regulierung und Anforderungen an die Berichterstattung werden wir die Komplexität unseres Geschäfts weiter reduzieren. Dies wird durch das Allianz Operating Model (Betriebsmodell) unterstützt, das die Geschäftsprozesse und Organisationsstrukturen im Versicherungsgeschäft standardisiert. Parallel dazu bekämpfen wir die Entropie durch eine auf Gruppenebene angestoßene Initiative zur Verminderung der Anzahl der juristischen Einheiten, insbesondere der Versicherungsträger, in Westeuropa.

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