Gesamtaussage des Vorstands zum Risikoprofil

Die Allianz Gruppe

Das Management der Allianz Gruppe hält das Risikoprofil der Gruppe insgesamt für angemessen und vertraut der Wirksamkeit des Konzern-Risikomanagementsystems im Hinblick auf schnelle Veränderungen des Umfelds und die Erfordernisse des laufenden Geschäfts. Dieses Vertrauen gründet auf verschiedenen Faktoren, die in den nachstehenden Abschnitten genauer beschrieben und in der Gesamtaussage des Vorstands zusammengefasst sind:

Die Allianz Gruppe ist gut kapitalisiert und übererfüllt zum 31. Dezember 2011 seine internen und aufsichtsrechtlichen Solvabilitätsziele. Standard & Poor’s hat unser AA-Rating im Januar 2012 bestätigt, den Ausblick angesichts der Auswirkung der Kapitalmarktentwicklungen in der zweite Jahreshälfte 2011 jedoch auf „negativ” herabgestuft. Mit diesem Rating verfügt die Allianz nach wie vor über eine der besten Bonitätsbewertungen vergleichbarer Versicherungsgruppen.

Das Management der Gruppe hält die Allianz für gut positioniert, um mögliche künftige widrige Ereignisse bewältigen zu können – unter anderem auch aufgrund unseres internen Limitsystems, durch das die Auswirkungen ungünstiger Marktentwicklungen auf unsere aufsichtsrechtlichen und ökonomischen Solvabilitätsquoten beherrschbar bleiben. Das Nettorisiko der Gruppe hinsichtlich Naturkatastrophen ist ebenfalls begrenzt und entspricht unserer Risikoneigung. Das Konzernmanagement ist davon überzeugt, dass es damit ein angemessenes Gleichgewicht zwischen dem potenziellen Ertrag, Ertragsschwankungen und Solvabilität erreicht hat.

Im Hinblick auf den Wettbewerb in der Versicherungsbranche verfügt die Gruppe zusätzlich über den wesentlichen Vorteil, international diversifiziert zu sein, mit einem konservativen Kapitalanlageprofil und disziplinierten Geschäftspraktiken in den Segmenten Schaden- und Unfallversicherung, Lebens- und Krankenversicherung und Asset Management.

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Markt- und Geschäftsumfeld

Die Staatsschuldenkrise in Europa

Unsere Grundannahme für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist ein Szenario moderaten Wachstums. Allerdings sind jedoch auch ungünstigere Szenarien denkbar, die von den Unwägbarkeiten um die europäische Staatsschuldenkrise ausgelöst werden könnten.

Eines dieser Szenarien könnte zum Beispiel die ungeordnete Umschuldung griechischer Staatsanleihen sein, verbunden mit der Gefahr, andere Märkte anzustecken, falls die Auswirkungen einer solchen Umschuldung nicht eingedämmt werden könnten. Sollten derlei Ereignisse tatsächlich eintreten, dürfte es kaum überraschen, wenn die Volatilität an den Finanzmärkten – besonders an den Aktien- und Devisenmärkten – wieder steigt. Die Zentralbanken würden dann mit Zinssenkungen reagieren und der Bankensektor stünde vor neuen Herausforderungen. Risikobehaftete Anleihen müssten Wertminderungen und höhere Risikoaufschläge aufgrund der Flucht in sichere Anlagen hinnehmen – zusätzlich zu anderen, nur schwer kalkulierbaren Begleiterscheinungen. Nicht zuletzt wäre zudem voraussichtlich die Realwirtschaft in der Eurozone und in anderen Wirtschaftsräumen betroffen, auch soziale Unruhen wären denkbar.

In der Diskussion, die derzeit in Politik und Wirtschaft geführt wird, gehen die Meinungen über die Eintrittswahrscheinlichkeiten derartiger Szenarien auseinander und sind Gegenstand zahlreicher Kontroversen und persönlicher Mutmaßungen. Als eine der größten Versicherungsgesellschaften in Europa müssen wir jedoch auf unterschiedlichste Szenarien vorbereitet sein. In der folgenden Tabelle zeigen wir – unter Zugrundelegung verschiedener Kenngrößen – unser direktes Engagement in einigen der potenziell betroffenen Märkte.

Engagement der Allianz in ausgewählten Europäischen Märkten

  Griechenland Irland Italien Portugal Spanien
  Mrd € Mrd € Mrd € Mrd € Mrd €
Versicherungsgeschäft          
2011 Bruttobeiträge 0,2 0,7 10,9 0,5 3,0
davon Schaden-Unfall 0,1 0,7 4,0 0,3 2,0
davon Leben/Kranken 0,1 0,0 6,9 0,2 1,0
  Griechenland Irland Italien Portugal Spanien
  Mrd € Mrd € Mrd € Mrd € Mrd €
Staatsanleihen (Zeitwerte) 0,3 0,4 26,9 0,6 4,9
davon Schaden-Unfall 0,1 0,1 3,7 0,2 1,1
davon Leben/Kranken 0,2 0,3 22,0 0,4 3,8
davon im Heimatmarkt gehalten 24,7 % 41,3 % 74,6 % 38,8 % 63,1%

Angesichts der möglichen Risiken haben wir verschiedene Maßnahmen ergriffen, um potenzielle Effekte zu begrenzen. Dazu gehört die Einrichtung einer Task Force, die für die Überwachung und Analyse der Gesamtlage verantwortlich ist und konkrete Maßnahmen für verschiedene Szenarien vorschlägt. Zudem haben wir unser Engagement bei Staatsemittenten, die in den Sog der Krise geraten könnten, selektiv abgebaut und unser verbleibendes Engagement vornehmlich auf die jeweiligen Inlandsbilanzen konzentriert. Ebenso haben wir unsere Höchstgrenzen für Engagements bei potenziell betroffenen Emittenten von Unternehmensanleihen und Geschäftsbanken herabgesetzt. Außerdem wird in potenziell betroffenen Ländern unsere Preisgestaltung im Neugeschäft fortlaufend überwacht.

Weitere relevante Faktoren

Obwohl allmählich mehr Klarheit über die kommenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen herrscht – insbesondere in Bezug auf Solvency II und systemrelevante Finanzinstitute – gibt es diesbezüglich noch keine abschließende Regelung. Dies birgt einen gewissen Grad an Unsicherheit im Hinblick auf die endgültigen Kapitalanforderungen und Auswirkungen auf unser Geschäft. Absehbar ist jedoch, dass die Solvency-II-Regelung aufgrund der „marktgerechten“ Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten zu einer – gegenüber Solvency I – erhöhten Volatilität in den aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen führen wird, insbesondere bei Produkten der langfristigen Vermögensbildung und Sparprodukten im Lebensversicherungsgeschäft. Produkte, Anlage- und Absicherungsstrategien dürften allmählich in der gesamten Branche entsprechend angepasst werden, um diese Volatilität zu mindern.

Je nach individueller Anlagestrategie könnten anhaltend niedrige Zinsen bei einigen Lebensversicherungsgesellschaften zu Problemen führen, besonders bei der Erwirtschaftung ausreichender Erträge, die den Erwartungen der Versicherungsnehmer und den in ihren Lebensversicherungsprodukten enthaltenen Garantien genügen. Gleichzeitig sieht die Branche wegen der steigenden Inflationsgefahr ein Risiko höherer Zinssätze, was zu einem gefährlichen Balanceakt im Zinsbereich führt.

Außerdem sehen sich die Versicherungsunternehmen dem anhaltenden Trend zum Verbraucherschutz, speziell im Rahmen von Transparenz, Vertriebspraktiken und der Eignung von Lebensversicherungsprodukten, gegenüber.

In den folgenden Abschnitten geben wir einen Überblick über das Kapital- und Risikomanagementsystem der Allianz, mit dem wir in der Lage sind, Risiken effektiv zu beherrschen.

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