Kapitalisierung

Im Interesse unserer Aktionäre und unserer Versicherungskunden ist es unser Ziel sicherzustellen, dass die Allianz Gruppe jederzeit angemessen kapitalisiert ist und dass unsere gesamten operativen Einheiten ihre jeweiligen Kapitalanforderungen erfüllen. Risikokapital und Kapitalkosten sind zudem wichtige Aspekte bei Geschäftsentscheidungen.

Unser internes Risikokapitalmodell nimmt eine wichtige Rolle im Management des ökonomischen Kapitals ein. Darüber hinaus berücksichtigen wir die externen Anforderungen der Aufsichtsbehörden und der Rating-Agenturen. Die Kapitalanforderungen der Aufsichtsbehörden sind dabei bindend – die Kapitalanforderungen der Rating-Agenturen einzuhalten und starke Credit Ratings zu wahren, gehört hingegen zu unseren strategischen Geschäftszielen. Die gesetzlichen Anforderungen an die Mindestkapitalausstattung gelten sowohl für die operativen Einheiten der Allianz Gruppe als auch für die Allianz Gruppe insgesamt.

Sowohl auf Ebene des Konzerns als auch der operativen Einheiten überwachen wir unsere Kapitalpositionen genau. Dabei führen wir regelmäßig Stresstests auf Basis standardisierter Risikoszenarien durch. So können wir angemessene Maßnahmen ergreifen, um die Stärke unserer Kapital- und Solvabilitätspositionen dauerhaft zu gewährleisten.

Unser effektives Kapitalmanagement hat dazu geführt, dass die Allianz Gruppe zum 31. Dezember 2011 gut kapitalisiert ist und alle internen und aufsichtsrechtlichen Solvabilitätsziele erreicht hat.

Das Kapitalmanagementsystem wird durch ein wirkungsvolles Liquiditätsmanagementsystem ergänzt. Dieses ist darauf ausgerichtet, unseren finanziellen Spielraum durch die Wahrung einer starken Liquiditätsposition und des Zugangs zu diversen Kapitalmärkten zu erhalten.1

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Gesetzliche Kapitalanforderungen

Bei der Allianz Gruppe handelt es sich – der EU-Finanzkonglomeraterichtlinie und den betreffenden deutschen Gesetzen entsprechend – um ein Finanzkonglomerat. Das Gesetz verlangt, dass ein Finanzkonglomerat die verfügbaren Eigenmittel zur Erfüllung der Solvabilitätsanforderung auf konsolidierter Basis berechnet. Derzeit ermitteln wir die Anforderungen und die verfügbaren Eigenmittel unseres Versicherungsgeschäfts für Finanzkonglomerate auf Basis von Solvency I. Die Kapitalanforderungen und die Definition der verfügbaren Eigenmittel werden durch die Solvency-II-Bestimmungen ersetzt, sobald Solvency II rechtsverbindlich wird. Ebenso wird sich das Verfahren zur Berechnung der verfügbaren Eigenmittel für die Finanzkonglomerate-Solvabilität nach Einführung von Solvency II ändern.

Finanzkonglomerate-Solvabilität2 in Mrd €


Finanzkonglomerate-Solvabilität<sup>2</sup>
2Solvabilität gemäß der EU-Richtlinie über Finanzkonglomerate. Außerbilanzielle Bewertungsreserven werden im Rahmen der Berichterstattung an die Aufsichtsbehörden nur auf Antrag als verfügbare Eigenmittel angesetzt. Die Allianz SE hat bisher keinen Antrag auf Anerkennung gestellt. Ohne die außerbilanziellen Bewertungsreserven beläuft sich die Solvabilitätsquote auf 170 % (2010: 164 %, 2009: 155 %).

Der Anstieg des verfügbaren Kapitals resultierte vor allem aus der Ausgabe neuer, nachrangiger Anleihen. Durch eine Zunahme der Deckungsrückstellungen im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft erhöhte sich auch unsere Solvabilitätsanforderung.

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Externe Kapitalanforderungen von Rating-Agenturen

Rating-Agenturen haben ihre eigenen Modelle, um das Verhältnis zwischen dem erforderlichen Risikokapital und der verfügbaren Kapitalausstattung eines Unternehmens zu beurteilen. Die Bewertung der Kapitalausstattung ist üblicherweise ein wesentlicher Bestandteil des Rating-Prozesses. Es gehört zu den strategischen Geschäftszielen der Allianz Gruppe, die Kapitalanforderungen der Rating-Agenturen zu erfüllen und ein starkes Kreditrating aufrechtzuerhalten.

Aufgrund der Ratingmaßnahmen gegen zahlreiche Staaten der Eurozone im Dezember 2011 stellte Standard & Poor’s die Kreditratings verschiedener europäischer Versicherer, darunter das der Allianz Gruppe, unter Beobachtung mit negativen Implikationen (Credit Watch Negative). Nach einer Überprüfung im Januar 2012 wurde das AA-Rating der Allianz Gruppe bestätigt, der Ausblick jedoch auf „negativ“ geändert. Infolge der europäischen Staatsschuldenkrise stellte auch A.M. Best unser A+ Rating unter Beobachtung mit negativen Implikationen. Trotz dieser Ratingmaßnahmen verfügt die Allianz Gruppe nach wie vor über eine der besten Bonitätsbewertungen vergleichbarer Versicherungsgruppen. In der folgenden Tabelle sind Nachweise der nachhaltigen Finanzstärke der Allianz SE und unserer Fähigkeit, laufende Verbindlichkeiten zu bedienen, zusammengefasst:

Finanzkraft-Rating der Allianz SE

  Standard  & Poor’s Moody’s A.M. Best
2012 AA Ausblick negativ Aa3 Ausblick negativ A+ unter Beobachtung mit negativen Implikationen
2011 AA unter Beobachtung mit negativen Implikationen Aa3 Ausblick stabil A+ unter Beobachtung mit negativen Implikationen
2007 bis 2010 AA Ausblick stabil Aa3 Ausblick stabil A+ Ausblick stabil
2006 AA– Ausblick positiv Aa3 Ausblick stabil A+ Ausblick stabil

Zusätzlich zur Bonitätseinstufung auf der Grundlage langfristiger finanzieller Stabilität stellt Standard & Poor’s ein separates Rating für Enterprise Risk Management (ERM) fest. Im September 2011 bewertete die Agentur das ERM im Allianz Versicherungsgeschäft mit der Note „strong“. Diesem Rating entsprechend hielt es Standard & Poor’s für „unwahrscheinlich, dass die Allianz Gruppe wesentliche Verluste außerhalb ihrer Risikotoleranz erleiden wird“. Die Rating-Agentur bezog sich dabei nach eigenen Angaben auf unsere starke Risikomanagementkultur, unsere umfassende Überwachung der wichtigsten Risiken und unser ausgeprägtes strategisches Risikomanagement.

Die folgende Tabelle zeigt die Bonitätseinstufungen der Allianz SE durch führende Rating-Agenturen:

Ratings1 Standard  & Poor’s Moody’s A.M. Best
1einschließlich der Ratings für Wertpapiere, die von der Allianz Finance II B.V. und Allianz Finance Corporation emittiert werden. 2Ratings variieren letztlich auf der Grundlage der jeweiligen Bedingungen.
Insurer financial strength rating (Finanzkraft-Rating) AA
Ausblick negativ
(Ausblick am 27.1.2012 geändert)
Aa3
Ausblick negativ
(Ausblick am 16.2.2012 geändert)
A+
unter Beobachtung mit negativen Implikationen
(geändert am 14.12.2011)
Counterparty credit rating (Emittenten-Rating) AA
Ausblick negativ
(Ausblick am 27.1.2012 geändert)
kein Rating aa–
unter Beobachtung mit negativen
Implikationen
(geändert am 14.12.2011)
Senior unsecured debt rating
(Rating für vorrangige unbesicherte Anleihen)
AA
Ausblick negativ
(Ausblick am 27.1.2012 geändert)
Aa3
Ausblick negativ
(Ausblick am 16.2.2012 geändert)
aa–
unter Beobachtung mit negativen
Implikationen
(geändert am 14.12.2011)
Subordinated debt rating
(Rating für nachrangige Anleihen)
A+/A2
Ausblick negativ
(Ausblick am 27.1.2012 geändert)
A2/A32
Ausblick negativ
(Ausblick am 16.2.2012 geändert)
a+ 2
unter Beobachtung mit negativen
Implikationen
(geändert am 14.12.2011)
Commercial paper (short-term) rating
(Kurzfristiges Rating)
A–1+
(bestätigt 26.9.2011)
Prime –1
(bestätigt 22.12.2011)
kein Rating
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Interne Kapitalausstattung

Das verfügbare Kapital der Allianz baut auf dem Eigenkapital der Gruppe auf, das bereinigt wird, um die vollständige wirtschaftliche Kapitalbasis zu ermitteln, die für den Ausgleich unerwarteter wirtschaftlicher Verluste zur Verfügung steht.2 So werden beispielsweise nachrangige Verbindlichkeiten sowie der Barwert künftiger Gewinne aus kontraktierten Geschäften in der Lebens- und Krankenversicherung dem Eigenkapital hinzugefügt, der Firmenwert und andere immaterielle Vermögenswerte indes vom Eigenkapital abgezogen.

Unser Ziel ist es, dass auf Gruppenebene ausreichend Kapital zur Verfügung steht, und zwar über die Mindestanforderungen hinaus, die unser internes Risikokapitalmodell mit einem Konfidenzniveau von 99,97 % bei einer Haltedauer von einem Jahr vorgibt. Dabei kommen auch die Vorteile zum Tragen, die unseren operativen Einheiten aus der Zugehörigkeit zu einer großen diversifizierten Unternehmensgruppe erwachsen. Ihnen ist es daher möglich, bei ebenfalls einjähriger Haltedauer auf einem leicht geringeren Konfidenzniveau von 99,93 % kapitalisiert zu sein. Diese verwendeten Konfidenzniveaus sind dabei konservativer als das im Rahmen von Solvency II angekündigte Konfidenzniveau von 99,5 %.

Verfügbares Kapital und Internes Risikokapital in Mrd €

Verfügbares Kapital und Internes Risikokapital

Unsere Kapitalquote verringerte sich im Berichtszeitraum um 23 Prozentpunkte auf 143 %. Dieser Rückgang war im Wesentlichen zwei Faktoren zuzuschreiben: Zum einen verringerte sich das verfügbare Kapital wegen eines geringeren Barwerts künftiger Gewinne aus kontraktierten Geschäften im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft – zum anderen stiegen die internen Risikokapitalanforderungen an. Maßgeblich für die Änderungen waren vor allem niedrigere Zinsen, rückläufige Aktienmärkte und höhere Credit Spreads.

Der Risikobericht enthält sowohl Angaben zum gruppendiversifizierten internen Risikokapital als auch zum internen Risikokapital vor Diversifikationseffekten zwischen den einzelnen Risikokategorien. Letzteres berücksichtigt lediglich Diversifikationseffekte innerhalb dieser Kategorien (das heißt Markt-, Kredit-, versicherungstechnische und Geschäftsrisiken). Das gruppendiversifizierte interne Risikokapital hingegen berücksichtigt die gesamten Diversifikationseffekte über alle Risikokategorien und Regionen hinweg. Das interne Risikokapital vor Diversifikation zwischen Risikokategorien dient als Messgröße für Konzentrationsrisiken. Da Risiken hauptsächlich auf Ebene der operativen Einheiten gesteuert werden, wird das interne Risikokapital vor Diversifikation zwischen Risikokategorien auf Grundlage eines Konfidenzniveaus von 99,93 % berechnet – wie durch unsere Risikokapitalstandards für operative Einheiten vorgesehen. Das gruppendiversifizierte interne Risikokapital bestimmt die internen Kapitalanforderungen der Gruppe und wird demzufolge auf Grundlage eines Konfidenzniveaus von 99,97 % berechnet.

Zum Jahresultimo 2011 beinhaltete das gruppendiversifizierte interne Risikokapital in Höhe von 34,5 Mrd € (vor Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) einen Diversifikationseffekt über Risikoquellen und Länderregionen von etwa 30,8 %. Das interne Risikokapital vor und nach Berücksichtigung der Diversifizierungseffekte zwischen den einzelnen Risikokategorien auf Gruppenebene setzt sich wie folgt zusammen:

Zugeordnetes internes Risikokapital (Gesamtbestand vor Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010]in Mio €

Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien und vor Steuern

Gesamtes internes Risikokapital der Gruppe: 49 870 [45 149]
nach Risikokategorie

Zugeordnetes internes Risikokapital (Gesamtbestand vor Abzug der Anteile anderer
Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010]<h4>
Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien und vor Steuern</h4><h5>Gesamtes internes Risikokapital der Gruppe: 49 870 [45 149] <br />nach Risikokategorie

nach Geschäftssegment
<h5>nach Geschäftssegment

Gruppendiversifiziert

nach Risikokategorie
<h5>nach Risikokategorie

nach Geschäftssegment
<h5>nach Geschäftssegment

Genaue Erläuterungen zu diesen Entwicklungen sind den Abschnitten zu entnehmen, die sich speziell mit diesen Risikokategorien auseinandersetzen.

Das interne Risikokapital konzentriert sich als Messgröße der ökonomischen Solvabilität auf extreme Ereignisse unter Voraussetzung eines Konfidenzniveaus von 99,97 % über eine Haltefrist von einem Jahr. Gleichzeitig berücksichtigen wir auch Risikoindikatoren für mögliche wirtschaftliche Werteinflüsse mit höherer „Greifbarkeit“ beziehungsweise höherer Eintrittswahrscheinlichkeit. Insbesondere überwachen wir einen möglichen 1-in-10-Jahresverlust, der von uns als Capital-at-Risk (CaR) bezeichnet wird. Dieser erfasst den maximal möglichen wirtschaftlichen Verlust über einen Zeitraum von einem Jahr mit einem deutlich niedrigeren Konfidenzniveau von 90,0 % (Stand 31. Dezember 2011: 14,2 Mrd €).

1Weitere Informationen zum Liquiditätsmanagement finden Sie im Abschnitt „Sonstige Risiken – Liquiditätsrisiko“. 2Die Berechnung des verfügbaren Kapitals erfolgt lediglich bei der Lebens- und Krankenversicherung unter Berücksichtigung der Liquiditätsprämie und Zinsstrukturkurve gemäß den von der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) in der fünften quantitativen Auswirkungsstudie (QIS 5) empfohlenen Standards.

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