Interne Risikobewertung

Internes Risikokapitalsystem

Internes Risikokapital sind für uns jene Finanzmittel, die wir benötigen, um uns vor unerwarteten extremen wirtschaftlichen Verlusten zu schützen. Das interne Risikokapital wird quartalsweise berechnet und über alle Segmente hinweg konsistent aggregiert. Dadurch werden die Risiken unterschiedlicher Aktivitäten eines integrierten Finanzdienstleisters – wie die Allianz einer ist – innerhalb eines gemeinsamen Systems gemessen und miteinander verglichen.

Allgemeiner Ansatz

Für das Management unserer Risiken und unserer Solvabilität verwenden wir ein internes Risikokapitalmodell und arbeiten gleichzeitig daran, die künftigen Anforderungen von Solvency II an interne Modelle zu erfüllen. Unser Modell basiert auf einer technischen Best-Practice-Plattform, die neueste Methoden anwendet und alle modellierten, quantifizierbaren Risikoquellen abdeckt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres internen Risikokapitalsystems.

In die Entwicklung dieses Risikokapitalsystems sind sowohl unser internes Herangehen an das Risikomanagement als auch unsere aktuelle Interpretation der kommenden Solvency-II-Standards eingeflossen. Das System wird derzeit im Rahmen des Vorantragsverfahrens durch die europäischen Aufsichtsbehörden bewertet und an die endgültigen Solvency-II-Bestimmungen der Aufsichtsbehörden angepasst.

Internes Risikokapitalmodell

Unser internes Risikokapitalmodell beruht auf einem Value-at-Risk-Ansatz unter Verwendung einer Monte-Carlo-Simulation. Dieser Ansatz bestimmt den höchstmöglichen Wertverlust im Portfolio von Geschäftsbereichen, die vom Modell abgedeckt sind, und zwar innerhalb eines bestimmten Zeithorizonts („Haltedauer“) und mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit („Konfidenzniveau“). Auf Ebene der Allianz Gruppe verwenden wir ein Konfidenzniveau von 99,97 %, was einem „AA“-Rating nach Standard & Poor’s entsprechen soll. Wir haben uns für eine Haltedauer von einem Jahr entschieden, weil allgemein davon ausgegangen wird, dass es maximal ein Jahr dauern dürfte, bis ein Kontrahent gefunden ist, der die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in unserem Portfolio übernehmen kann.

In der Monte-Carlo-Simulation betrachten wir – basierend auf 30 000 verschiedenen Szenarien – Kapitalmarktbedingungen, Kreditausfälle, Versicherungsverluste und andere Geschäftsereignisse („Risikoquellen”) und berechnen den Wert des Portfolios auf Grundlage des Nettozeitwerts der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten unter potenziellen ungünstigen Bedingungen. Auf diese Weise können wir die Verteilung des Portfoliowertes über die gewählte Haltedauer ermitteln.

Als erforderliches internes Risikokapital bezeichnen wir die Differenz zwischen dem aktuellen Wert des Portfolios und dessen Wert unter ungünstigen Bedingungen, ermittelt auf Basis des jeweiligen Konfidenzniveaus. Da wir den Einfluss ungünstiger Ereignisse auf alle Risikoquellen und auf sämtliche Bereiche unseres Geschäfts gleichzeitig betrachten, werden auch die Diversifizierungseffekte über verschiedene Risikoquellen und Regionen hinweg berücksichtigt.

Mit den Ergebnissen unserer Monte-Carlo-Simulation sind wir in der Lage, unser mit jeder Risikoquelle verbundenes Risiko sowohl separat als auch im Zusammenhang mit anderen Risikoquellen zu analysieren. Das Modell eignet sich daher auch dazu, weniger extreme Risiken zu steuern, die möglicherweise in naher Zukunft eintreten.

Unser internes Risikokapitalmodell setzt verschiedene Techniken ein, die zahlreiche Schätzungen und Annahmen im Hinblick auf Risiko- und Finanzdaten erforderlich machen. Solche Schätzungen und Annahmen werden sowohl intern als auch extern abgeleitet. Wir gehen dabei von verschiedenen Annahmen aus, die wir nachstehend näher erläutern möchten.

Geltende Annahmen für Zinskurve und Liquiditätsprämie

Bei der Berechnung des Zeitwerts von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten sind die Annahmen bezüglich der zugrunde liegenden risikofreien Zinskurve für die Bestimmung und die Diskontierung künftiger Zahlungsströme von zentraler Bedeutung. Wir wenden derzeit die Methode an, die von der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) in der fünften quantitativen Auswirkungsstudie (QIS 5) vorgegeben wurde.

Außerdem passen wir die risikofreien Zinskurven für die Lebens- und Krankenversicherung an, um der Liquiditätsprämie gemäß QIS 5 Rechnung zu tragen.

Bewertungsannahme: Replikationsportfolios

Da effiziente Bewertungen und anspruchsvolle, zügige Analysen gefordert sind, wenden wir Replikationsportfolios an, um die Verbindlichkeiten unseres Lebens- und Krankenversicherungsgeschäfts unter den 30 000, potenziell ungünstigen, Monte-Carlo-Szenarien zu ermitteln und zu bewerten, einschließlich der in diesen Produkten enthaltenen Garantien.

Diversifikations- und Korrelationsannahmen

Aggregiert unser internes Risikokapitalmodell Ergebnisse gruppenweit, so berücksichtigt es dabei Korrelations- und Konzentrationseffekte und bildet die Tatsache ab, dass potenzielle Verluste auch im schlimmsten Fall wahrscheinlich nicht alle gleichzeitig entstehen. Dies wird allgemein Diversifikationseffekt genannt und ist ein zentraler Bestandteil unseres Risikomanagements.

Wir arbeiten also darauf hin, unsere Risiken zu streuen, um die Auswirkungen von Risiken gleichen Ursprungs einzuschränken und gleichzeitig zu gewährleisten, dass der günstige Geschäftsverlauf an der einen Stelle die möglicherweise ungünstige Entwicklung an anderer Stelle ausgleicht. Inwieweit der Diversifikationseffekt genutzt werden kann, hängt teilweise davon ab, wie hoch die jeweilige relative Risikokonzentration ist. Die höchste Diversifikation erreicht im Allgemeinen ein Portfolio, das keine unverhältnismäßig großen Risiken enthält und ausgewogen ist. Ferner hängt die Größe des Diversifikationseffekts vom Zusammenhang der Risiken untereinander ab. Eine Größe, die diesen Zusammenhang zweier Risiken misst, ist die lineare Korrelation. Sie nimmt Werte zwischen „– 1“ und „+ 1“ an.

Wo immer möglich, entwickeln wir Korrelationsparameter für jedes Marktrisikopaar, indem wir historische Marktdaten statistisch analysieren. Hierbei berücksichtigen wir über einen Zeitraum von mehreren Jahren wöchentlich beobachtete Werte. Falls unzureichende oder keine historische Marktdaten oder keine anderen portfoliospezifischen Beobachtungen verfügbar sind, verwenden wir konservativ angelegte Expertenschätzungen unter Berücksichtigung von Standardannahmen (zum Beispiel der von EIOPA empfohlenen). Die Korrelationsparameter werden generell so festgelegt, dass sie die Wechselwirkung der Risiken unter ungünstigen Bedingungen darstellen. Auf Grundlage dieser Korrelationen wenden wir einen branchenüblichen Ansatz, den Gauß-Copula-Ansatz, an, um die Abhängigkeitsstruktur aller quantifizierbaren Risikoquellen innerhalb der verwendeten Monte-Carlo-Simulation zu bestimmen.

Nicht vom Markt bestimmte Annahmen

Unser internes Risikokapitalmodell beruht auch auf nicht vom Markt bestimmten Annahmen, wie Schadentrends, Inflation, Sterblichkeits- und Krankheitsraten, Verhalten von Versicherungsnehmern etc. Soweit verfügbar, leiten wir nicht vom Kapitalmarkt bestimmte Modellanahmen aus unseren eigenen internen historischen Daten ab und ziehen dabei auch die Vorschläge von Aufsichtsbehörden und Aktuarsvereinigungen in Betracht.

Bewertung der Annahmen

Interne Kontrollen des Risikokapitalsystems und des Finanzberichterstattungssystems schließen auch die Verwendung von Schätzungen und Annahmen ein.1 Unter Berücksichtigung der potenziellen Auswirkung auf unsere ökonomische Kapitalbasis halten wir unsere internen Annahmen für die Berechnung von Risikokapital und die Bildung von Rücklagen für angemessen und ausreichend.

Anwendungsbereich

Unser internes Risikokapitalmodell berücksichtigt die nachfolgend genannten Risikoquellen, eingestuft nach Risikokategorien je Segment:

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Risikokategorie Versicherung Asset Management Corporate und sonstiges Beschreibung Beispiel Management-
maßnahmen
1Die Anforderungen bezüglich des internen Risikokapitals und das Segment Asset Management spiegeln lediglich das Geschäftsrisiko wider (zusätzliche Informationen finden sich weiter unten). Die Bewertung von Markt- und Kreditrisiken für Kapitalanlagen Dritter ist wesentlicher Bestandteil des Risikomanagementprozesses unserer lokalen operativen Einheiten. 2Das Kreditrisiko erfasst auch das Prämienrisiko, dem unser Kreditversicherer Euler Hermes aufgrund seines Geschäftsmodells ausgesetzt ist, weil diese Art von Risiko eine spezielle Form des Kreditrisikos darstellt.
Marktrisiko   X  1   Mögliche Verluste durch Änderung von Zinssätzen, Aktienkursen und Immobilienwerten oder deren Volatilitäten sowie durch Veränderungen von Credit Spreads und Wechselkursen verursacht. Vorgaben für strategische Gewichtung von Anlageklassen, Limite für Aktien/Duration
◾ Zinsen einschließlich Volatilität X   X
◾ Credit Spread X   X
◾ Aktien einschließlich Volatilität X   X
◾ Immobilien einschließlich Volatilität X   X
◾ Währungen X   X
Kreditrisiko X2 X1 X Mögliche Verluste im Marktwert des Portfolios aufgrund einer Verschlechterung der Bonität der Geschäftspartner einschließlich ihrer Nichteinhaltung von Zahlungsverpflichtungen oder wegen Nichterfüllung von Verträgen (zum Beispiel überfällige Zahlung). Länderlimite, Konzentrationslimite für einzelne Kontrahenten
Versicherungstechnisches Risiko       Unerwartete finanzielle Verluste aufgrund unzureichender Prämien für Naturkatastrophen-, Terror- und Nichtkatastrophen- Risiken, unzureichender Reserven oder der Unvorhersehbarkeit von Sterblichkeit beziehungsweise Lebenserwartung. Minimum Standards für Risikozeichnung, Naturkatastrophenlimite, Rückversicherungsprogramme
◾ Prämie Naturkatastrophenrisiko X    
◾ Prämie Terror X    
◾ Prämie Nichtkatastrophenrisiko X    
◾ Reserve X   X
◾ Biometrie X    
Geschäftsrisiko       Mögliche Verluste aufgrund unzureichender oder versagender interner Prozesse, Mitarbeiter oder Systeme beziehungsweise externer Ereignisse sowie unerwarteter Änderungen von Geschäftsannahmen und unerwarteter Ertragsschwankungen durch geringere Einnahmen ohne Kostensenkung sowie aufgrund von Veränderungen im Versicherungsnehmerverhalten in Verbindung mit der vorzeitigen Kündigung von Verträgen und der unerwarteten Inanspruchnahme von Optionen wie Verlängerungen und Verrentung. Interne Kontrollen, Business Continuity Management, adäquates Produktdesign
◾ Operationell X X X
◾ Kosten X X X
◾ Storno X    

Unser internes Risikokapitalmodell umfasst:

  • alle unsere wesentlichen Versicherungsgeschäfte.
  • alle wesentlichen Vermögenswerte (einschließlich Anleihen, Hypotheken, Investmentfonds, Kredite, Aktien, Immobilien) und Verbindlichkeiten (einschließlich der Zahlungsströme unserer gesamten technischen Rückstellungen sowie aller Einlagen und emittierten Wertpapiere); in der Lebens- und Krankenversicherung reflektiert das Modell gegebenenfalls auch das Zusammenwirken von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten durch lokale Managemententscheidungen (etwa über Anlagestrategien und Beteiligungsregeln für Versicherungskunden).
  • alle wesentlichen Derivate (Optionen, Swaps, Futures), besonders wenn sie ein Teil des üblichen Geschäftsmodells einer operativen Einheit sind (etwa bei Allianz Life Insurance Company of North America) oder wenn sie eine erhebliche Auswirkung auf das Risikokapital haben (zum Beispiel in der Lebens- und Krankenversicherung, wenn wesentliche Verpflichtungen gegenüber Versicherungsnehmern durch Finanzderivate abgesichert werden). In der Regel zählen Derivate, die in strukturierte Finanztransaktionen eingebettet sind, ebenfalls dazu.2

Für unser Asset Management und kleinere operative Versicherungseinheiten mit unwesentlichen Auswirkungen auf das Risikoprofil der Gruppe stützt sich unsere Zuordnung der internen Risikokapitalanforderungen auf einen Ansatz, der lokalen aufsichtsrechtlichen Vorgaben Rechnung trägt, sowie auf Ergebnisse eines risikofaktorbasierten Ansatzes.

Dieser Ansatz ist in die Risikokategorien unseres internen Risikokapitalmodells eingebettet. Dies ermöglicht es uns, innerhalb unseres internen Risikokapitalrahmens das Risikokapital für alle Segmente gruppenweit konsistent zusammenzufassen.

Etwa 99,8 % des im Segment Asset Management verwalteten Vermögens werden für Dritte oder für Allianz Versicherungseinheiten gehalten. Sie bergen entsprechend keine wesentlichen Markt- und Kreditrisiken. Daraus folgt, dass die internen Risikokapitalanforderungen für das Asset Management nur Geschäftsrisiken abbilden. Die Bewertung von Markt- und Kreditrisiken Dritter ist indes unerlässlicher Bestandteil des Risikomanagementprozesses unserer örtlichen operativen Einheiten. Internes Risikokapital im Zusammenhang mit unserem Bankgeschäft in Deutschland, Italien, Frankreich und Osteuropa wird auf Grundlage des Ansatzes, der von Banken gemäß Basel II angewandt wird, dem Segment Corporate und Sonstiges zugerechnet. Da es sich lediglich auf rund 1,5 % des gesamten internen Risikokapitals vor Diversifikation zwischen Risikokategorien beläuft, gehen wir auf das Risikomanagement für das Bankgeschäft im Folgenden nicht näher ein.

Einschränkungen

Unser internes Risikokapitalmodell ermittelt den potenziellen finanziellen Betrag, den wir „im schlimmsten Fall“, also unter besonders ungünstigen Bedingungen, auf einem bestimmten Konfidenzniveau verlieren könnten. Dabei besteht jedoch die statistisch geringe Wahrscheinlichkeit von 0,03 %, dass die tatsächlichen Verluste diese Schwelle auf Gruppenebene noch überschreiten.

Nach unserer Auffassung eignen sich aus historischen Daten abgeleitete Modell- und Szenarioparameter (soweit verfügbar) für eine annähernde Darstellung möglicher künftiger Risikoereignisse. Sollten Marktbedingungen jedoch stark von bisherigen Entwicklungen abweichen – wie etwa während einer beispiellosen Finanzkrise – kann es sein, dass unser VaR-Ansatz zu hoch oder zu niedrig ist. Die Genauigkeit unserer Modelle können wir nur eingeschränkt mit der tatsächlichen Entwicklung in der Vergangenheit vergleichen, weil wir uns für ein hohes Konfidenzniveau von 99,97 % und eine einjährige Haltedauer entschieden haben und für bestimmte Versicherungsrisiken, wie Naturkatastrophen, nur in begrenztem Umfang Daten zur Verfügung stehen. Weil das Modell, sofern möglich, historische Daten verwendet, kann es nicht gleichzeitig mit denselben validiert werden. Stattdessen nehmen wir Sensitivitätsanalysen vor und lassen Modell und Parameter durch unabhängige externe Beratungsfirmen prüfen – einschließlich der Methoden für die Parameterauswahl und der zugehörigen Kontrollprozesse. Insgesamt sind wir der Meinung, dass unsere Maßnahmen zur Validierung in dem Maße, in dem eine Validierung möglich ist, wirksam sind und unser Modell unsere Risiken angemessen bewertet.

Wie oben beschrieben, werden die Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft durch Portfolios mit Standardfinanzmarktinstrumenten repliziert, damit ein effektives Risikomanagement erfolgen kann. Insbesondere für Lebensversicherungsportfolios mit eingebetteten Garantien sind die dafür verfügbaren Instrumente unter Umständen jedoch zu einfach beziehungsweise zu restriktiv, um sämtliche Faktoren zu berücksichtigen, die sich auf die Veränderung des Werts von Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft auswirken. Das optimale Portfolio, das zur Berechnung des Risikokapitals verwendet wird, ist daher abhängig von den jeweils verfügbaren Replikationsinstrumenten. Wert und Verhalten dieses Portfolios bei Marktbewegungen können daher vom Verhalten der echten Verbindlichkeiten abweichen. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Verbindlichkeiten aufgrund unserer strengen Anforderungen an die Daten- und Prozessqualität insgesamt angemessen durch diese Replikationsportfolios dargestellt werden.

Da unser erforderliches internes Risikokapital darauf abstellt, wie sich der ökonomische Wert unserer Vermögenswerte und Verbindlichkeiten ändert, muss dieser Wert für jede einzelne Position bestimmt werden. Bei einigen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten wird es in turbulenten Finanzmärkten jedoch schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, einen aktuellen Marktpreis zu ermitteln oder aber den „Mark-to-Market“-Ansatz sinnvoll anzuwenden. Für bestimmte Vermögenswerte und Verbindlichkeiten verwenden wir, sofern kein aktueller Marktpreis für dieses Instrument oder vergleichbare Instrumente zur Verfügung steht, einen „Mark-to-Model“-Ansatz. Die Genauigkeit des Wertansatzes hängt bei einigen unserer Verbindlichkeiten außerdem davon ab, wie genau die versicherungstechnischen Zahlungsströme geschätzt werden. Trotz dieser Einschränkungen halten wir die geschätzten Werte für angemessen.

Für Derivate verwenden wir im internen Risikokapitalmodell Bewertungsmodelle, die diese grundsätzlich angemessen abbilden können. Das im Versicherungsgeschäft verwendete interne Risikokapitalmodell kann allerdings nur herkömmliche Derivate wie Aktienkauf- und -verkaufsoptionen, Terminkontrakte und Zins-Swaps direkt modellieren. Damit sich aber auch komplexere Instrumente in das interne Risikokapitalsystem einbeziehen lassen – etwa Derivate, die in strukturierte Finanztransaktionen eingebettet sind – werden sie im Modell durch diejenigen Standardderivate abgebildet, die ihnen am ähnlichsten sind. Dennoch kann sich eine noch präzisere Modellierung der Instrumente auf den Zeitwert der Derivate und das interne Risikokapital auswirken. Wir sind jedoch der Ansicht, dass eine solche Veränderung unerheblich wäre.

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Konzentration von Risiken

Als integrierter Finanzdienstleistungsanbieter mit einer breiten Produktpalette, die sich über verschiedene Geschäftssegmente und geografische Regionen erstreckt, ist Diversifikation für unser Geschäftsmodell von großer Bedeutung. Diversifikation unterstützt uns bei der effizienten Handhabung unserer Risiken, da sie den wirtschaftlichen Einfluss eines einzelnen Ereignisses beschränkt. Zudem trägt sie zu einem insgesamt relativ stabilen Ertrags- und Risikoprofil bei. Wie bereits im Abschnitt „Diversifikations- und Korrelationsannahmen” geschildert, hängt der Grad des realisierbaren Diversifikationseffekts nicht nur von der Korrelation zwischen den Risiken ab, sondern auch von ihrer relativen Konzentration. Daher sind wir stets bestrebt, große Einzelrisiken zu vermeiden und ein ausgewogenes Risikoprofil aufrechtzuerhalten.

Auf Gruppenebene identifizieren und messen wir die Konzentrationsrisiken generell über alle Segmente hinweg einheitlich auf Grundlage des internen Risikokapitals vor Diversifikation zwischen Risikokategorien. Dazu nutzen wir die Risikokategorien unseres internen Risikokapitalmodells und wenden innerhalb der einzelnen Kategorien die nachfolgend beschriebenen ergänzenden Ansätze zur Steuerung von Konzentrationsrisiken an. In den folgenden Abschnitten werden alle Risiken vor Diversifikation zwischen Risikokategorien und gruppendiversifiziert dargestellt und die Konzentration einzelner Risikoquellen entsprechend benannt.

In Bezug auf Anlagen werden Top-down-Indikatoren wie beispielsweise Vorgaben für die strategische Anlagestruktur definiert und sorgfältig überwacht – immer mit dem Ziel, die Ausgewogenheit der Anlagenportfolios zu wahren. Auf Grundlage des internen Risikokapitalmodells wurden auf Gruppenebene für die Segmente Lebens- und Krankenversicherung und Schaden- und Unfallversicherung Financial VaR-Limite eingerichtet, um so die wirtschaftliche Kapitalbasis zu schützen und Höchstrisiken zu kontrollieren.

Zur Vermeidung unverhältnismäßig großer Einzelrisiken, die sich häufen und so zu substanziellen Verlusten führen können (zum Beispiel Katastrophen- oder Kreditereignisse), werden diese jeweils für sich (also vor Eintritt des Diversifikationseffekts) streng beobachtet. Sie unterliegen außerdem einem weltweiten Limitsystem.

Deshalb hat der Vorstand der Allianz SE beispielsweise für die operativen Einheiten und für die Gruppe Limite für Naturkatastrophen bestimmt. Sie dienen dazu, die potenzielle Ertragsvolatilität zu reduzieren und mögliche Verluste durch einzelne Ereignisse sowie auf aggregierter Jahresbasis zu mindern. Das Risiko wird dabei auf Ereignisse mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von einmal in 250 Jahren begrenzt. Diese Limite werden jährlich überprüft. Zwei Instrumente, mit denen wir Höchstrisiken mindern und die finanziellen Folgen nachteiliger Ereignisse für Unternehmen und Eigentümer begrenzen (etwa bei schweren Schäden durch Naturkatastrophen), sind beispielsweise die klassische Rückversicherungsdeckung und zweckbestimmte Finanztransaktionen auf Gruppenebene. Im Jahr 2011 haben wir zum Beispiel unsere Swaps verlängert, mit denen wir Risiken aus Orkanen in Europa sowie Wirbelstürmen und Erdbeben in den USA – die zu unseren größten Risiken aus Naturkatastrophen zählen – gegen Risiken bei Taifunen und Erdbeben in Japan eintauschen, da unsere Aktivitäten in der Schaden- und Unfallversicherung dort geringer sind. Darüber hinaus haben wir eine neue Katastrophenanleihe (Blue Fin 4) emittiert, die uns vor Hurrikan- und Erdbebenrisiken in den USA schützt.

Als Maßnahme gegen Kreditkonzentrationen betreiben wir ein konzernweites System zur Steuerung von Länder- und Schuldnergruppenlimiten (CRisP). Es beruht auf einheitlichen Daten, die von den Anlage- und Risikofunktionen sowohl auf Gruppenebene als auch auf der Ebene der operativen Einheiten verwendet werden. Zugleich ist dieses System die Diskussionsgrundlage für angemessene Kreditmaßnahmen und stellt eine schnelle und umfassende konzernweite Kommunikation sicher.

Klar definierte Prozesse gewährleisten, dass Risikokonzentrationen und die Auslastung von Limiten angemessen überwacht und gesteuert werden. Das Limitsystem überwacht das Konzentrationsrisiko gegenüber Kontrahenten und berücksichtigt dabei das Risiko sowohl aus Schuldinstrumenten als auch aus Aktienpositionen.

In letzter Instanz ist der Vorstand dafür verantwortlich, die Höchstwerte für Länder- und Schuldnerrisiken (also das maximale Konzentrationslimit) aus Konzernsicht zu bestimmen. Dieses Limit berücksichtigt die Größe und die Zusammensetzung des Portfolios der Allianz Gruppe ebenso wie die allgemeine Risikostrategie. Der Vorstand delegiert durch die klare Definition von Höchstgrenzen Befugnisse für die Festlegung und die Änderung von Limiten an das Group Risk Committee und den Group Chief Risk Officer (CRO). Alle Limite unterliegen einer jährlichen Prüfung und Genehmigung entsprechend den delegierten Befugnissen.

Die Geschäftsführung der Allianz Gruppe erhält vierteljährlich standardisierte CRisP-Berichte zur Bewertung und Überwachung des Konzentrationsrisikos. Gleichzeitig erstatten die operativen Einheiten Bericht über die 100 Schuldnergruppen mit dem höchsten Konzentrationsrisiko und deren Anteil am Kreditrisiko der jeweiligen Portfolios.

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Quantifizierbare Risiken

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über das gruppendiversifizierte Risikokapital nach Risikokategorie.

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  Marktrisiko Kreditrisiko Versicherungs-
technisches Risiko
Geschäftsrisiko Summe
Stand 31. Dezember 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €
Gruppendiversifiziert                    
Schaden-Unfall 3 652 3 564 1 515 1 789 10 229 8 525 1 727 1 871 17 122 15 748
Leben/Kranken 11 262 8 998 4 039 2 961 492 551 1 572 1 979 17 364 14 489
Asset Management 2 648 2 425 2 648 2 425
Corporate und Sonstiges 1 876 2 275 944 1 349 35 126 429 245 3 284 3 994

Marktrisiko

Zur Steuerung ihrer Geschäfte hält und verwendet die Allianz Gruppe die unterschiedlichsten Finanzinstrumente. Im Rahmen unseres Versicherungsgeschäfts nehmen wir Prämien von unseren Kunden ein und investieren diese in eine Vielzahl von Anlagen. Mit diesen Anlagenportfolios decken wir letztlich die künftigen Verbindlichkeiten gegenüber unseren Kunden. Darüber hinaus müssen wir auch das für die Übernahme der versicherten Risiken erforderliche Eigenkapital anlegen. Da der Wertansatz unserer Anlagenportfolios von sich möglicherweise verändernden Finanzmärkten abhängt, sind wir Marktrisiken ausgesetzt. Eine unerwartete allgemeine Erhöhung der Zinsen oder ein unerwarteter Einbruch der Aktienmärkte können beispielsweise zu einer allgemeinen Abwertung der Portfolios führen.

Bewegungen der Finanzmärkte wirken sich außerdem auf den Wert unserer Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft aus. Unser Marktrisiko wird daher letztendlich durch die Nettoposition unserer Anlagen und Verbindlichkeiten bestimmt.

Wir haben ein Limitsystem eingeführt, um die Auswirkungen dieser Finanzmarktbewegungen einzuschränken. Dadurch gewährleisten wir zudem, dass die Anlagen eine angemessene Abdeckung der Verbindlichkeiten gegenüber Versicherungsnehmern bieten und so gehalten werden, dass sie Erträge erwirtschaften, die den Erwartungen der Versicherungsnehmer entsprechen. Für die Lebens- und Krankenversicherung sowie die Schaden- und Unfallversicherung wird das Limitsystem individuell auf Gruppenebene definiert. Es beruht auf verschiedenen Risikokennzahlen, unter anderem Financial VaR, Aktiensensitivitäten und Zinsrisiken, die aus unterschiedlicher Höhe und Fristigkeit von Aktiva und Passiva (Duration mismatch) resultieren, sowie Anlagebandbreiten im Verhältnis zu dem vom Vorstand genehmigten Benchmarkportfolio.

Darüber hinaus haben wir Standards für Absicherungsmaßnahmen definiert, die sich auf das Risiko der Gruppe aufgrund von in Lebensversicherungsprodukten eingebetteten Fair-Value-Optionen beziehen. Die operativen Einheiten der Lebens- und Krankenversicherung, die solche Risiken tragen, sind verpflichtet, diesen Standards zu folgen, und eine bewusste Entscheidung über die Höhe der Absicherung zu treffen.

Darüber hinaus trägt eine regionale Diversifikation dazu bei, Marktrisiken einzelner Märkte zu mindern.3

Ein beträchtlicher Anteil des internen Risikokapitals zur Deckung von Marktrisiken entfällt auf die Lebens- und Krankenversicherung. Die Marktrisiken in unserem Bankgeschäft halten wir dagegen auf Gruppenebene für unerheblich.

Das interne Marktrisikokapitalmodell der Allianz Gruppe ist ein wesentlicher Bestandteil des allgemeinen internen Risikokapitalsystems. Es wird zentral entwickelt, parametrisiert und kontrolliert.

Beteiligung der Versicherungsnehmer an Gewinnen und Verlusten

Die in Westeuropa verkauften traditionellen Lebens- und Krankenversicherungsprodukte zeichnen sich dadurch aus, dass die Versicherungsnehmer innerhalb bestimmter Grenzen sowie im Ermessen der Geschäftsleitung an den Gewinnen (aber auch an den Verlusten) teilhaben, vorbehaltlich einer garantierten Mindestverzinsung beziehungsweise Ablaufleistung. Ein Großteil unserer Lebens- und Krankenversicherungsverträge in Westeuropa beteiligt die Versicherungskunden in hohem Maße und reduziert dadurch wesentliche Risiken, unter anderen Markt- und Kreditrisiken, versicherungstechnische Risiken und Kostenrisiken.4

Die folgende Tabelle zeigt das gruppenweite interne Risikokapital für Marktrisiken:

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Zugeordnetes internes Marktrisikokapital nach Geschäftssegment und Risikoquelle (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter)

  Zinssatz Credit Spread Aktien Immobilien Währung Summe
Stand 31. Dezember 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €
Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien                        
Schaden-Unfall 545 717 834 482 1 931 2 084 1 078 1 305 531 542 4 919 5 130
Leben/Kranken 4 031 2 944 3 711 2 445 3 785 3 584 854 1 069 634 788 13 015 10 830
Asset Management
Corporate und Sonstiges 292 421 1 121 732 748 1 660 84 166 34 56 2 279 3 036
Gruppe gesamt 4 868 4 082 5 666 3 660 6 464 7 328 2 016 2 541 1 199 1 386 20 213 18 997
Anteil am gesamtinternen Risikokapital für die Gruppe in %                     40,5 42,0
Gruppendiversifiziert                        
Schaden-Unfall 393 530 489 298 1 601 1 599 1 013 958 156 178 3 652 3 564
Leben/Kranken 3 375 2 643 2 809 1 756 3 644 3 104 963 965 470 530 11 262 8 998
Asset Management
Corporate und Sonstiges 232 321 826 466 701 1 305 93 142 24 41 1 876 2 275
Gruppe gesamt 4 001 3 494 4 124 2 519 5 946 6 009 2 069 2 065 650 749 16 790 14 836

Insgesamt ist das gruppendiversifizierte interne Marktrisikokapital deutlich gestiegen, da sich die Marktbedingungen für die Lebens- und Krankenversicherung geändert haben. Der Anstieg rührt vor allem daher, dass unsere Garantieverpflichtungen aufgrund niedriger Zinsen mit höherem Wert und höherer Sensitivität – zusätzlich zu höheren impliziten Volatilitäten – zu bemessen sind, da die Versicherungsnehmer an hohen Verlusten nicht in unverändertem Maß beteiligt werden können. Bestehende garantierte Mindestverzinsungen und Ablaufleistungen schränken unsere Möglichkeiten ein, Versicherungskunden angesichts des vorherrschenden Niedrigzinsniveaus an großen Verlusten zu beteiligen.

Das folgende Diagramm zeigt die interne Solvenzquote in bestimmten Standardszenarien. Diese werden anhand realistisch möglicher Einzelbewegungen wesentlicher Marktparameter definiert – wobei alle anderen Parameter konstant gehalten werden – und haben Auswirkungen sowohl auf das verfügbare Kapital als auch das interne Risikokapital.

Auswirkungen finanzieller Standardszenarien auf das verfügbare Kapital dargestellt an Hand der internen Solvenzquote (Gesamtbestand vor Abzug der Anteile anderer Gesellschafter und nach Steuern und Gruppendiversifikation) in %
nach Geschäftssegment


Auswirkungen finanzieller Standardszenarien auf das verfügbare Kapital
dargestellt an Hand der internen Solvenzquote (Gesamtbestand vor Abzug der Anteile
anderer Gesellschafter und nach Steuern und Gruppendiversifikation) <br />nach Geschäftssegment

Zinsrisiko

Aufgrund unseres Geschäftsmodells hat das Zinsrisiko für unser Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft große Relevanz. In diesem Segment werden in der Regel Produkte der langfristigen Vermögensbildung und Sparprodukte angeboten – so zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, Italien, den USA und Südkorea – die jeweils eine garantierte Mindestverzinsung beziehungsweise Ablaufleistung enthalten. Viele der lokalen Kapitalanlagemärkte verfügen jedoch nicht über hinreichende Tiefe und Liquidität, damit wir die Prämieneinnahmen entsprechend der Fristigkeiten unserer langfristigen Verbindlichkeiten investieren können. Dieser Umstand setzt uns deshalb einem Wiederanlagerisiko aus, wenn wir vor dem Ablauf unserer Versicherungsverbindlichkeiten fällige Anlagepapiere neu investieren müssen.

Das Zinsrisiko beruht hier also grundsätzlich darauf, dass die Zinssätze in diesen Märkten unter die zugesagte Mindestverzinsung sinken können. Ein wesentlicher Bestandteil unseres internen Risikokapitalmodells ist es, diese Zusammenhänge von Anlagestrategie und unseren Kundenverpflichtungen angemessen abzubilden. Darüber hinaus ist unsere Aktiv-Passiv-Steuerung (Asset-Liability-Management) eng mit dem internen Risikokapitalrahmen verknüpft: Ziel sind langfristige Anlageergebnisse, die über die Verpflichtungen aus Versicherungs- und Investmentverträgen hinausgehen.

Diese Effekte schlagen sich in den internen Risikokapitalergebnissen nieder und werden über Limite auf Inkongruenzen zwischen den Laufzeiten und Sensitivitäten der investierten Anlagen und der Versicherungsverpflichtungen (Zinsdurationen) kontrolliert. Ein beträchtlicher Anteil des entspechenden internen Risikokapitals vor Diversifikation zwischen Risikokategorien für Zinsrisiken entfällt in der Lebens- und Krankenversicherung auf Westeuropa, und zwar überwiegend (zur Absicherung) auf traditionelle Lebensversicherungsprodukte (Stand 31. Dezember 2011: 86,7 %).

Wir sind außerdem bestrebt, auch hier einen Diversifikationseffekt zu nutzen. So ist in der Schaden- und Unfallversicherung die Fälligkeit der Verbindlichkeiten üblicherweise kurzfristiger als die der Kapitalanlagen, die sie decken. In der Lebens- und Krankenversicherung ist aufgrund der langfristigen Lebensversicherungsverträge im Allgemeinen das Gegenteil der Fall. Dadurch entsteht auf Gruppenebene ein natürlicher, ökonomischer Ausgleich.

Da unser Nettozinsrisiko (einschließlich der emittierten Wertpapiere zur Finanzierung des Kapitalbedarfs der Allianz Gruppe) auf Gruppenebene gemanagt wird, sind die Zinsdurationen der Vermögenswerte und der Verbindlichkeiten im Segment Corporate und Sonstiges nicht unbedingt ausgeglichen.

Aktienrisiko

Für gewöhnlich dienen die Aktienanlagen unserer operativen Versicherungsgesellschaften der Portfoliodiversifizierung und der Erzielung attraktiver, langfristiger Renditen. Die entsprechenden Risiken werden durch Vorgaben für die strategische Portfoliostruktur sowie Anlagelimite kontrolliert und überwacht. Darüber hinaus unterliegen sie, zur Vermeidung unverhältnismäßig großer Konzentrationsrisiken, dem konzernweiten System zur Steuerung von Länder- und Schuldnergruppenlimite (CRisP). 80,9 % des internen Risikokapitals vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien für Aktienrisiken in den Segmenten Lebens- und Krankenversicherung und Schaden- und Unfallversicherung entfallen auf unsere operativen Einheiten in Deutschland, Italien, Frankreich und den USA.

Das Segment Corporate und Sonstiges steuert die Aktienanlagen der Allianz SE einschließlich strategischer Beteiligungen und ihrer Finanzholdinggesellschaften.

Immobilienrisiko

Aufgrund unseres diversifizierten Immobilienportfolios ist das Immobilienrisiko für die Allianz Gruppe derzeit von nachrangiger Bedeutung. Etwa 4,0 % des gesamten internen Risikokapitals vor Diversifikation zwischen Risikokategorien beziehen sich auf das Immobilienrisiko.

Währungsrisiko

Zusätzlich zu geltenden lokalen, aufsichtsrechtlichen Vorschriften fordern wir von unseren operativen Einheiten, dass sie ihre wesentlichen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten währungsmäßig aneinander anpassen oder allgemein offene Währungsrisiken absichern. Aus bilanzieller Sicht verbleibt in der operativen Einheit daher nur noch ein unwesentliches Währungsrisiko in lokaler Währung.

Da die Gruppe auf Euro-Basis berichtet, resultiert das Währungsrisiko vor allem aus dem ökonomischen Wert der operativen Einheiten, die nicht in Euro berichten. Werden diese Währungen im Vergleich zum Euro abgewertet, so vermindern sich auf Gruppenebene auch die Nettovermögenswerte in Euro. Das entsprechende Risiko wird den jeweiligen Geschäftssegmenten zugeordnet.

Das Segment Corporate und Sonstiges hält außerdem einige nicht in Euro geführte Vermögenswerte und Verbindlichkeiten. Auf Grundlage eines Systems zur Steuerung von Währungslimiten wird das Währungsrisiko auf Gruppenebene durch das Group Finance Committee überwacht und gesteuert und dabei von Group Treasury and Corporate Finance unterstützt.

Credit-Spread-Risiko

Das Risiko, dass der Marktwert unserer festverzinslichen Wertpapiere – etwa Anleihen – wegen zunehmender Credit Spreads sinkt, wird in unserem internen System ebenfalls vollständig berücksichtigt. Bei unserem internen Risikomanagement und der Bestimmung unserer Risikoneigung tragen wir jedoch auch den wirtschaftlichen Bedingungen unseres Geschäftsmodells Rechnung. Das heißt, die Tatsache, dass die Zahlungsströme unserer Verbindlichkeiten aus dem Versicherungsgeschäft sehr gut prognostizierbar sind, reduziert zum großen Teil das Risiko, diese Anleihen vor ihrer Fälligkeit mit Verlust zu veräußern, ganz erheblich und erlaubt uns, die Anleihen als langfristige Anlage bis zur Endfälligkeit zu halten. Aus diesem Grund halten wir das Kreditausfallrisiko im Vergleich zum Credit-Spread-Risiko für das maßgeblichere Risiko.

Kreditrisiko

Kreditrisiken unterscheiden wir nach Kontrahentenrisiken und Länderrisiken. Beide Risiken werden von unserem internen Kreditrisikokapitalmodell abgedeckt.

Kontrahentenrisiken ergeben sich aus unseren Festzinsanlagen, Barpositionen, Derivaten, strukturierten Transaktionen, Forderungen gegenüber Allianz Vertretern und sonstigen Schuldnern sowie aus Rückversicherungsforderungen. Auch im Rahmen unserer Kreditversicherungstätigkeit sind wir einem Kontrahentenrisiko ausgesetzt: Verschlechtert sich die Bonität eines Kontrahenten (Migrationsrisiko), so sinkt der Zeitwert des Instruments und führt zu einem Wertverlust des Portfolios. Das Migrationsrisiko umfasst außerdem das Unvermögen oder die Unwilligkeit des Kontrahenten, vertraglichen Verpflichtungen sowie überfälligen Zahlungen nachzukommen (Ausfallrisiko).

Engagements in Staatsanleihen der Mitgliedsländer der OECD und der Vertragsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EEA) werden in der Kategorie „Kreditrisiko“ unseres internen Systems als „risikofrei“ abgebildet, sofern die Anleihen in der jeweiligen Landeswährung begeben werden. Damit folgen wir der EIOPA-Empfehlung zu Level 2 der Solvency II betreffenden Durchführungsverordnung.

Das Länderrisiko bezieht sich speziell auf Kontrahenten mit grenzübergreifenden Zahlungsverpflichtungen. Beispielsweise können Kapitalbewegungen durch staatlichen Erlass, Währungsmoratorien, das Einfrieren von Geldbeträgen oder Kapitalrückführungsbeschränkungen verboten oder eingeschränkt werden (Übertragungsrisiko). Auch der Währungsumtausch kann verboten oder eingeschränkt werden (Konvertierbarkeitsrisiko).

Die Allianz Gruppe überwacht und steuert Kreditrisiken und Kreditkonzentrationen mit dem Ziel, ihren Verpflichtungen gegenüber Versicherungsnehmern bei Fälligkeit stets nachkommen zu können. Zugleich streben wir angemessene Kapital- und Solvabilitätspositionen sowohl für die operativen Einheiten als auch für den Konzern an. Zur Umsetzung dieser Ziele nutzen wir das konzernweite System zur Steuerung von Länder- und Schuldnergruppenlimiten (CRisP, siehe dazu Kapitel „Konzentration von Risiken“). Darüber hinaus erstellen wir regelmäßig Standardanalysen zum Kreditportfolio für die Anlage- und Risikofunktionen auf Gruppenebene sowie auf Ebene der operativen Einheiten. Diese Analyseberichte ermöglichen eine genaue Überwachung des Kreditrisikoprofils der einzelnen Portfolios.

Das interne Kreditrisikokapitalmodell der Allianz Gruppe ist ein wesentlicher Bestandteil unseres allgemeinen internen Risikokapitalsystems. Es wird im Konzern zentral entwickelt, parametrisiert und kontrolliert. Hier erfassen wir konzernweite Kreditdaten anhand eines zentralisierten Prozesses und unter Verwendung standardisierter Schuldner- und Schuldnergruppenzuordnungen.

Unser internes Kreditrisikokapitalmodell beruht auf Schuldnerbonitäten und Schätzungen bezüglich des Ausfallrisikos, des Verlustes bei Ausfall sowie der Ausfallkorrelationen. Ausfallkorrelationen erfassen Abhängigkeiten zwischen einzelnen Schuldnern innerhalb des Portfolios hinsichtlich ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Schätzungen für diese Parameter beruhen auf statistischen Analysen und Fachgutachten. Unsere Aggregationsmethode ist mit dem in der Branche üblichen Ansatz des „Structural Model“ vergleichbar: Dieses Modell unterstellt den Ausfall eines Unternehmens, wenn der Wert seines Gesamtvermögens niedriger ist als seine Gesamtverbindlichkeiten. Da Vermögenswertänderungen eines Unternehmens festlegen, ob dieses als Schuldner ausfällt, bestimmt die Abhängigkeit der Vermögenswerte verschiedener Unternehmen voneinander die Korrelation zwischen den Ausfällen. Das Kreditrisiko individueller Schuldner wird gruppenweit zusammengefasst und unter Verwendung von Monte-Carlo-Simulationen bewertet. So erhalten wir das Verlustprofil eines bestimmten Portfolios, das heißt die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Verluste. Diese Verlustprofile werden auf unterschiedlichen Ebenen unserer Portfoliohierarchie berechnet (zum Beispiel auf der Ebene der jeweiligen operativen Einheit oder auf Segmentebene). Danach werden sie zusammen mit anderen Risikoquellen in das allgemeine interne Risikokapitalmodell mit einbezogen, um daraus das diversifizierte interne Kreditrisikokapital der Gruppe abzuleiten.

Zugeordnetes internes Kreditrisikokapital nach Geschäftssegment (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010]in Mio €

Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien

Zugeordnetes internes Kreditrisikokapital nach Geschäftssegment (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010]
Gesamtes internes Kreditrisikokapital der Gruppe: 8 694 (6 871)
Anteil am internen Gesamtrisikokapital der Gruppe: 17,4 % (15,2 %)

Gruppendiversifiziert

Unser gesamter gruppendiversifizierter interner Kapitalbedarf für das Kreditrisiko der Lebens- und Krankenversicherung ist gestiegen. Die Gründe hierfür waren Herabstufungen von Finanzinstituten, Wechselkursänderungen sowie geringere Risikobeteiligungen der Versicherungsnehmer wegen niedriger Zinsen.

Die folgende Tabelle zeigt die Sensitivität des Kreditrisikokapitals für bestimmte Kreditszenarien: Verschlechterung der Kreditwürdigkeit – gemessen an der Herabstufung des Emittenten-Ratings5 und Rückgang von Verwertungsquoten im Falle eines Zahlungsausfalls (Verlustquote bei Ausfall). Die Sensitivitäten werden ermittelt, indem jedes Szenario jeweils für jedes Risiko durchgespielt wird, wobei jeweils alle anderen Parameter konstant gehalten werden.6 Die Ergebnisse der Sensitivitätsanalyse ersetzen die Nennung des durchschnittlichen internen Risikokapitals (mit Höchst- und Niedrigstbeträgen) in den Vorjahren.

Auswirkungen bestimmter Kreditszenarien auf das interne Risikokapital (Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien)

  Summe
Stand 31. Dezember 2011 2010
  Mio € Mio €
1Ein Notch ist eine Ratingstufe auf der Bewertungsskala der verschiedenen Ratingklassen, wie AA+, AA, AA- auf der Skala von S&P oder Aa1, Aa2. Aa3 auf der Skala von Moody’s.
Ausgangsszenario 8 694 6 871
Herabstufung um 1 Notch1 9 839 7 867
Herabstufung um 2 Notches 11 107 9 084
Anstieg der Verlustquote bei Ausfall um 10 % 9 335 7 416

Der größte Teil des Kreditrisikokapitalbedarfs und der Auswirkungen der dargestellten Szenarien ist Emittenten zuzuordnen, die vorrangige unbesicherte Anleihen begeben oder über ein niedrigeres Investment Grade Rating verfügen.

Das Kreditrisiko der Schaden- und Unfall- sowie der Lebens- und Krankenversicherung besteht einerseits aus dem Kreditrisiko, das sich im Zusammenhang mit Rückversicherungskontrakten ergibt, und andererseits jenem, das sich auf das Emittenten- und Kontrahentenrisiko in unserem Kapitalanlagegeschäft bezieht. Für das Segment Corporate und Sonstiges berücksichtigt unser internes Risikokapitalmodell nur das Kreditrisiko aus Kapitalanlagen, weil Rückversicherungsaktivitäten in der Regel der Schaden- und Unfallversicherung zugeordnet werden. Kreditrisiken im Zusammenhang mit unserem Bankgeschäft auf Gruppenebene betrachten wir als unerheblich.

Die folgende Tabelle zeigt unterschiedliche Quellen des Kreditrisikos der Allianz:

Kreditrisikokomponenten der Allianz Beschreibung
Kapitalanlageportfolio Die Prämien, die wir von unseren Kunden einnehmen, sowie das für die Übernahme der versicherten Risiken erforderliche Eigenkapital legen wir überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren an. Diese Anlagenportfolios decken letztlich die künftigen Schäden unserer Kunden. Für bestimmte Lebensversicherungsprodukte sind wir jedoch in der Lage, Verluste aus Kreditereignissen mit Versicherungskunden zu teilen, wie im Abschnitt über Marktrisiken dargelegt ist.
Rückversicherungsportfolio Das Kreditrisiko gegenüber Rückversicherern tritt auf, wenn wir Versicherungsrisiken an externe Rückversicherer übertragen. Potenzielle Verluste können auftreten, wenn aktuell in der Bilanz geführte Forderungen an Rückversicherer entweder nicht wiederzuerlangen sind oder bei geltenden Versicherungsverträgen Zahlungen ausfallen.
Kreditversicherungsportfolio Ein Kreditrisiko ergibt sich aus potenziellen Schadenzahlungen innerhalb der Limite, die Euler Hermes seinen Versicherungsnehmern gewährt. Euler Hermes schützt seine Versicherungsnehmer (teilweise) vor Kreditrisiken aus kurzfristigen Warenkrediten, die diese ihren Kunden gewähren. Wenn sich die Bonität eines Kunden (bis zum Ausfall) so verschlechtert, dass dieser nicht in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, ersetzt Euler Hermes seinem Versicherungsnehmer den Schaden.

Kreditrisiko – Kapitalanlage

Zum 31. Dezember 2011 wurden 87,5 % unseres gesamten internen Kreditrisikokapitals (vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien für Kreditrisiken aus Kapitalanlagen) der Schaden- und Unfall-, der Lebens- und Krankenversicherung sowie dem Segment Corporate und Sonstiges zugeordnet. Hiervon beziehen sich 63,3 % auf Emittenten und Kontrahenten in den USA und Deutschland. Wir begrenzen das Kreditrisiko unserer Festzinsanlagen durch unsere hohen Anforderungen an die Kreditwürdigkeit unserer Emittenten, die Diversifikation unserer Kapitalanlagen und festgelegte Limite für Schuldnerkonzentrationen.

Zum 31. Dezember 2011 verfügten rund 93,8 (94,4) % der Festzinsanlagen unserer Versicherungsgesellschaften (400,3 Mrd €) über ein Investment Grade Rating; rund 80,6 (84,6) % der Festzinsanlagen verteilten sich auf Schuldner mit mindestens einem „A“-Rating von Standard & Poor’s. Lediglich 2,8 % dieses Portfolios verfügen über kein Rating; die Hälfte hiervon entfällt auf gewerbliche Hypothekenkredite in Deutschland (weniger als 3 Mrd €) und den USA (weniger als 5 Mrd €).

Die US-amerikanischen gewerblichen Hypothekenanlagen werden bei der Kreditvergabe im Einzelnen dahingehend überprüft, ob sie unseren konservativen Risikoübernahmerichtlinien entsprechen und Kreditwürdigkeit gegeben ist. Im Jahr 2011 kam es dort weder zu Kreditausfällen, Zwangsvollstreckungen oder Übereignungen (Deeds in lieu of foreclosure)7. Ohnehin gab es seit 1994 insgesamt nur fünf Fälle von überfälligen oder zwangsvollstreckten gewerblichen Hypothekendarlehen. Aus diesem Grund halten wir ein Investment Grade Rating für das Portfolio immer noch für gerechtfertigt. Zusätzliche Stresstests und von uns durchgeführte Analysen stützen diese Einschätzung.

Über diese Festzinsanlagen hinaus verfügt die Allianz Gruppe hauptsächlich in Deutschland (10,7 Mrd €) über Portfolios von nicht handelbaren, selbstausgegebenen Hypothekendarlehen für Wohnimmobilien. 84,5 % des deutschen Hypothekenportfolios wiesen zum Berichtsjahresende eine Bonität auf, die wir nach unserem internen Bewertungsmodell einem Investment Grade Rating von Standard & Poor’s gleichsetzen.

Festverzinsliche Kapitalanlagen nach Ratingklassen zum 31. Dezember 2011Zeitwerte | in Mrd €

Festverzinsliche Kapitalanlagen nach Ratingklassen zum 31. Dezember 2011

Kreditrisiko – Rückversicherung

Zum 31. Dezember 2011 wurden 3,8 % unseres gesamten internen Kreditrisikokapitals vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien den Kreditrückversicherungsrisiken zugeordnet. Davon entfallen 52,4 % auf Rückversicherungskontrahenten in Deutschland und den USA.

Ein spezielles Team wählt unsere Rückversicherungspartner aus, wobei wir ausschließlich Unternehmen mit hoher Kreditwürdigkeit in Betracht ziehen. Zusätzlich können wir Akkreditive, Bareinlagen oder andere finanzielle Maßnahmen fordern, um unser Kreditrisiko weiter zu senken. Zum 31. Dezember 2011 entfielen 77,6 (78,3) % der Rückversicherungsforderungen der Allianz Gruppe auf Rückversicherer, die von Standard & Poor’s mindestens ein „A“-Rating erhalten haben. Die Forderungen an Rückversicherer, die nicht geratet sind, beliefen sich zum 31. Dezember 2011 auf 21,6 (21,3) % der gesamten Rückversicherungsforderungen. Zu dieser Kategorie zählten Engagements bei nichtgerateten Brokern, in Unternehmen in der Abwicklung, Pools sowie Unternehmen, die durch A.M. Best geratet sind.

Forderungen gegenüber Rückversicherern nach Ratingklassen1 zum 31. Dezember 2011in Mrd €

Forderungen gegenüber Rückversicherern nach Ratingklassen zum 31. Dezember 2011
1Bezieht sich auf das Bruttorisiko, aufgegliedert nach Rückversicherern.

Kreditrisiko – Kreditversicherung

Die für die Modellierung von Kreditversicherungsportfolios verwendeten Parameter werden von Euler Hermes auf Basis selbst entwickelter und von der Gruppe überprüfter Modelle geschätzt und dann als Input-Parameter an das interne Kreditrisikokapitalmodell der Gruppe weitergeleitet. Da Kreditrisiken aktiv von Euler Hermes verwaltet werden, wird hauptsächlich das firmeneigene Bonitätssystem dieses Kreditversicherers angewandt – anstelle der langfristigen öffentlichen Ratings, die primär für Investmentportfolios verwendet werden. Euler-Hermes-Ratings beurteilen die kurzfristige Bonität eines Unternehmens. Dabei werden diverse Risikokennzahlen berücksichtigt, die über den Markt sowie Versicherungsnehmer erhältlich sind.

Zum 31. Dezember 2011 wurden 8,7 % unseres gesamten internen Kreditrisikokapitals vor Diversifikation zwischen Risikokategorien den Kreditversicherungsrisiken von Euler Hermes zugeordnet.

Versicherungstechnisches Risiko

Versicherungstechnische Risiken setzen sich in erster Linie aus Prämien- und Reserverisiken (Schaden- und Unfallversicherung) sowie biometrischen Risiken (Lebens- und Krankenversicherung) zusammen. Im Asset Management und im Bankgeschäft sind versicherungstechnische Risiken unerheblich. Das Segment Corporate und Sonstiges bietet einige Garantien, weswegen ein kleiner Teil des versicherungstechnischen Risikos der jeweiligen Gesellschaften auf dieses Segment übertragen wird. Das durch interne Rückversicherung weitergereichte Risiko wird der Schaden- und Unfallversicherung zugewiesen.

Unser Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft ist zweierlei Risiken ausgesetzt: zum einen Prämienrisiken, die sich aus Unsicherheiten bezüglich zu regulierender Schäden aus dem laufenden Geschäftsjahr ergeben, zum anderen Reserverisiken, die aus der noch ausstehenden Abwicklung von Schäden aus vergangenen Geschäftsjahren resultieren. Ein wesentlicher Anteil des dem versicherungstechnischen Risiko zugerechneten internen Risikokapitals vor Diversifikation zwischen Risikokategorien in der Schaden- und Unfallversicherung (34,8 % zum 31. Dezember 2011) entfiel auf unsere Gesellschaften in Deutschland, Italien, Frankreich und den USA.

Zugeordnetes internes versicherungstechnisches Risikokapital (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010] in Mio €

Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien

nach Risikoquelle1
Zugeordnetes internes versicherungstechnisches Risikokapital (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010] <h5>nach Risikoquelle</h5>
Gesamtes internes versicherungstechnisches Risikokapital der Gruppe: 13 897 [12 028]
Anteil am internen Gesamtrisikokapital der Gruppe: 27,9 % [26,6 %]

nach Geschäftssegement2
<h5>nach Geschäftssegement</h5>

Gruppendiversifiziert

nach Risikoquelle1
<h5>nach Risikoquelle</h5>

nach Geschäftssegement2
<h5>nach Geschäftssegement</h5>
1Da die Risiken anhand eines ganzheitlichen Konzepts auf ökonomischer Basis gemessen werden, werden für das interne Risikokapital Rückversicherungseffekte berücksichtigt. 2Da die Risiken anhand eines ganzheitlichen Konzepts auf ökonomischer Basis gemessen werden, werden für das interne Risikokapital Rückversicherungseffekte berücksichtigt. Unter Berücksichtigung eines Selbstbehalts bestehen Eventualverbindlichkeiten in Höhe von maximal 263 Mio US-Dollar gegenüber Fireman’s Fund Insurance Co., Novato, im Zusammenhang mit bestimmten Versicherungsrückstellungen, die dem Segment Corporate und Sonstiges zugeordnet werden.

Unser gesamter gruppendiversifizierter interner Kapitalbedarf für das versicherungstechnische Risiko stieg in erster Linie aufgrund höherer Reserverisiken. Im Jahr 2011 haben wir für die Schaden- und Unfallversicherung ein zentral entwickeltes und lokal parametrisiertes Versicherungsrisikomodell zur Berechnung des Risikokapitals eingeführt (Property-Casualty Insurance Risk Model, PRISM). Dieses stochastische Modell verbindet auf Basis modernster Methoden eine Vielzahl von Aspekten der versicherungsmathematischen Portfoliobewertung. Dadurch ist es bei der Analyse verschiedener Szenarien und hinsichtlich der Risikoprognosen in der Schaden- und Unfallversicherung außerordentlich flexibel. In diesem Modell werden vollständige Verteilungen für das Gesamtrisiko über die gesamte Abwicklungsdauer sowie für die Risikoentwicklung über die Haltedauer eines Jahres bestimmt. Mit seiner Einführung haben wir den Kreis der operativen Einheiten, die interne Risikokapitalzahlen berichten, erweitert. Gleichzeitig haben wir insbesondere die Granularität der Modellierung – und damit unsere Aggregationsmethode – weiter verbessert. Diese Faktoren zusammengenommen bewirkten rund 72,2 % des Zuwachses im Risikokapital. Die restlichen 27,8 % resultieren aus dem Zuwachs des zugrunde liegenden Portfolios.

Die folgende Tabelle zeigt das durchschnittliche interne Risikokapital für versicherungstechnische Risiken jeweils für die vier Quartale der Jahre 2011 und 2010 sowie die jeweiligen Höchst- und Niedrigstbeträge.

Durchschnittliche Höchst- und Niedrigstbeträge des zugeordneten internen, versicherungstechnischen Risikokapitals nach Risikoquelle (Gesamtbestand vor Abzug der Anteile anderer Gesellschafter und nach Diversifikationseffekten)

  Prämie Naturkatastrophe Prämie Terror Prämie Nichtkatastrophe Reserve Biometrie Gruppe insgesamt
  2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010 2011 2010
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €
Über Quartalswerte                        
Durchschnitt 2 911 3 040 418 3 324 3 139 3 478 2 839 237 389 10 367 9 407
Hoch 3 054 3 173 474 3 457 3 253 3 973 2 961 301 592 11 140 9 847
Niedrig 2 742 2 910 339 3 173 2 955 2 970 2 685 186 290 9 506 9 111

Prämienrisiko

Im Rahmen unserer Geschäftstätigkeit in der Schaden- und Unfallversicherung erhalten wir von unseren Kunden Prämien und bieten ihnen dafür Versicherungsschutz. Dabei lassen sich Veränderungen der Rentabilität im Zeitverlauf auf der Grundlage von Schadenquoten und deren Schwankungen messen.8

Wir müssen dem Risiko einer niedriger als vorgesehenen versicherungstechnischen Rentabilität Rechnung tragen. Gemessen wird unser Prämienrisiko an der Volatilität der versicherungstechnischen Rentabilität über die Zeitspanne von einem Jahr.

Schadenquote in der Schaden- und Unfallversicherung2 für die letzten acht Jahre in %


Schadenquote in der Schaden- und Unfallversicherung<sup>2</sup> für die letzten acht Jahre
2Verhältnis von Schadenaufwendungen (netto) zu verdienten Beiträgen (netto)

Man unterscheidet beim Prämienrisiko zwischen Katastrophenrisiko, Terrorrisiko und Nichtkatastrophenrisiko. Quantifiziert wird das Prämienrisiko mittels versicherungsmathematischer Modelle, die genutzt werden, um Verlustverteilungen abzuleiten.

Das Prämienrisiko wird von der Allianz Gruppe und den örtlichen operativen Einheiten aktiv gesteuert. Die Beurteilung der Risiken im Rahmen des Versicherungsprozesses ist ein wesentliches Element unseres Risikomanagementsystems. Es bestehen eindeutige zentral festgelegte versicherungstechnische Grenzen und Beschränkungen, die innerhalb des gesamten Konzerns angewandt werden. Spezielle, als Risikoträger fungierende Versicherungszweige – wie Allianz Global Corporate & Specialty – übernehmen bestimmte Risiken, die einschlägiges Fachwissen erfordern. Zusätzlich zu den zentral festgelegten versicherungstechnischen Grenzen werden von den operativen Einheiten lokale Limite angewandt, die dem jeweiligen Geschäftsumfeld angepasst sind. Beim Prämienrisiko profitiert die Allianz vom Diversifikationseffekt zwischen verschiedenen Geschäftsbereichen auf Ebene der lokalen operativen Einheiten und verschiedenen Märkten auf Gruppenebene. Zusätzlich werden unsere Risiken durch externe Rückversicherungsverträge reduziert.

Eine besondere Herausforderung für das Risikomanagement sind Naturkatastrophen wie Erdbeben, Stürme und Überschwemmungen, und zwar vor allem aufgrund von Kumulierungseffekten wie auch wegen ihrer äußerst begrenzten Vorhersehbarkeit. Um solche Risiken zu quantifizieren und ihre potenziellen Auswirkungen besser abzuschätzen, nutzen wir spezielle Modellierungsmethoden. Dabei werden Portfoliodaten, etwa über die geografische Verteilung sowie über Wert und Eigenschaft der versicherten Objekte, mit simulierten Naturkatastrophenszenarien kombiniert. Aus dieser Modellierung lassen sich dann mögliche Schadenauswirkungen und -häufungen abschätzen. Wo solche Wahrscheinlichkeitsmodelle noch fehlen – zum Beispiel für das Überschwemmungsrisiko in Italien –, verwenden wir deterministische, szenariogestützte Ansätze für die Einschätzung der möglichen Verluste.

Im Zusammenhang mit Naturkatastrophen entsprach das Nettorisiko der Gruppe 2011 unserer generellen Risikoneigung. Um die Ertragsvolatilität weiter zu senken, erwarben wir geringfügig höhere Rückversicherungskapazitäten für Szenarien in einigen unserer Regionen mit kleineren Geschäftsvolumina. Dabei kamen uns niedrigere Preise entgegen.

Zum 31. Dezember 2011 entfielen etwa 46,4 % unseres internen Prämienrisikokapitals vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien, das dem Naturkatastrophenrisiko zugeordnet wird, auf die folgenden fünf größten Risikoereignisse: Orkane in Europa, Erdbeben in Australien, Überschwemmungen in Deutschland, Hagel in Deutschland und Wirbelstürme in den USA. Unsere größten Naturkatastrophenrisiken, bezogen auf das Verlustpotential, sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

Die fünf größten einzelnen Kumulationsszenarien: Verlustpotenzial für einzelne Ereignisse, unter Annahme einer Eintrittswahrscheinlichkeit von einmal in 250 Jahren (entspricht einem Konfidenzniveau von 99,6 %) und bereinigt um die Rückversicherung

  Verlustpotenzial1
Stand 31. Dezember 2011 Mio €
1Basierend auf aktuellen Schätzungen werden Verlustpotenziale auf der Grundlage fremdentwickelter und von unseren eigenen Experten entwickelter Modelle berechnet. Alle Modelle unterliegen Unsicherheiten aufgrund wissenschaftlicher Annahmen und zugrunde liegender Daten.
Orkane in Europa 912
Hagel in Deutschland 742
Erdbeben in Australien 697
Wirbelstürme in den USA 671
Erdbeben in Kalifornien, USA 587

Reserverisiko

Für in der Vergangenheit eingetretene und noch nicht abgewickelte Schadenersatzansprüche schätzen und halten wir Reserven. Sollten diese durch Eintritt unerwarteter Veränderungen nicht ausreichen, um künftige Schadenersatzansprüche abzudecken, würden wir Verluste verzeichnen. Unser Reserverisiko wird an der Volatilität der vergangenen Schadenentwicklung über die Zeitspanne von einem Jahr gemessen. Ein Indikator für die Angemessenheit der Reserve ist die Höhe des Nettoüberschusses9 im Vergleich zu den ursprünglichen Rückstellungen10.

Die künftigen Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklung potenzieller Verluste werden durch die Risikozeichnung maßgeblich beeinflusst. Im Allgemeinen wird die Veränderung unserer Reserven für Versicherungsfälle von den operativen Einheiten auf der Ebene des Geschäftsbereichs laufend verfolgt.11 Die Ergebnisse werden von lokalen Rückstellungsausschüssen mindestens vierteljährlich erörtert. Bei Bedarf bewerten wir die Rückstellungen nach versicherungsmathematischen Standards neu. Zusätzlich werden die Rückstellungen von den operativen Einheiten grundsätzlich einmal im Jahr einer Unsicherheitsanalyse unterzogen. Die hier eingesetzten Verfahren ähneln denjenigen zur Berechnung des Reserverisikos. Die Allianz Gruppe führt regelmäßig unabhängige Überprüfungen dieser Analysen durch, wobei Vertreter der Allianz Gruppe an den Sitzungen des örtlichen Rückstellungsausschusses teilnehmen. Ähnlich wie beim Prämienrisiko wird auch das Reserverisiko auf Gruppenebene durch den Diversifikationseffekt zwischen verschiedenen Geschäftsbereichen auf lokaler Ebene und verschiedenen Märkten auf Gruppenebene reduziert.

Biometrisches Risiko

Im biometrischen Risiko berücksichtigen wir Sterblichkeits-, Krankheits- und Langlebigkeitsrisiken, die Unsicherheiten in Bezug auf die voraussichtliche Höhe der Leistungen für Versicherungskunden darstellen. Diese Unsicherheit ergibt sich daraus, dass es nicht vorhersehbar ist, wann eine versicherte Person krank wird oder stirbt. Bei der Modellierung dieser Risiken in unserem internen Risikokapitalmodell unterscheiden wir zwischen Sterblichkeitsniveau, Sterblichkeitstrend und Kalamitätsrisiko. Biometrische Annahmen, etwa über die Lebenserwartung, spielen hier eine bedeutende Rolle.12

Das biometrische Risiko der Lebens- und Krankenversicherung zum 31. Dezember 2011 ist vernachlässigbar, da das Portfolio sowohl aus Lebens- als auch aus Rentenversicherungen besteht. Sterblichkeits-, Krankheits- und Langlebigkeitsrisiken gleichen sich dabei portfoliointern aus.13

Geschäftsrisiko

Geschäftsrisiken setzen sich aus operationellen Risiken, Kostenrisiken und verhaltensbedingten Risiken durch Versicherungsnehmer zusammen. Operationelle Risiken können dabei aus diversen Gründen zu Verlusten führen: weil Betriebsabläufe, Mitarbeiter oder Systeme ungeeignet sind und Fehlentwicklungen nach sich ziehen, weil externe Ereignisse wie Stromausfall oder Überschwemmung eine Betriebsunterbrechung zur Folge haben, weil Betrugsschäden durch Mitarbeiter anfallen oder weil das Unternehmen bei einem Gerichtsverfahren unterliegt. Während in den operationellen Risiken auch rechtliche Risiken enthalten sind, werden die strategischen und die Reputationsrisiken im Einklang mit den Kapitalanforderungen von Solvency II und Basel II /III ausgeschlossen. Kostenrisiken ergeben sich aus ungünstigen Veränderungen von Geschäftsannahmen und unerwarteten Ergebnisschwankungen. Letztere entstehen dadurch, dass Erträge sinken, die entsprechenden Aufwendungen jedoch nicht im selben Ausmaß verringert werden können. Die Kostenrisiken beinhalten auch das Budgetdefizitrisiko, das aus geringeren Einnahmen oder höheren Kosten als im Budget vorgesehen resultiert.

Zu den verhaltensbedingten Risiken durch Versicherungsnehmer zählen Verluste im Zusammenhang mit vorzeitigen Vertragskündigungen sowie die unerwartete Ausübung von Wahlrechten, wie Vertragserneuerungen und Verrentung.

Zugeordnetes internes Risiko aus Geschäftsrisiken nach Geschäftssegment (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010]in Mio €

Vor Diversifikationseffekten zwischen Risikokategorien

Zugeordnetes internes Risiko aus Geschäftsrisiken nach Geschäftssegment (Gesamtbestand vor Steuern und Abzug der Anteile anderer Gesellschafter) zum 31. Dezember 2011 [31. Dezember 2010]
Gesamtes internes Geschäftsrisikokapital der Gruppe: 7 066 [7 254]
Anteil am internen Gesamtrisikokapital der Gruppe: 14,2 % [16,1 %]

Gruppendiversifiziert

Unser gesamter gruppendiversifizierter interner Kapitalbedarf für das Geschäftsrisiko im Asset Management ist leicht gestiegen. Dazu haben vor allem positive Kapitalmarktentwicklungen und Nettomittelzuflüsse beigetragen, die zu einem Anstieg der für Dritte verwalteten Kapitalanlagen führten.

Die internen Risikokapitalanforderungen für das Segment Asset Management bilden nur Geschäftsrisiken ab, da nahezu alle vom Asset Management verwalteten Anlagen für Dritte oder für Allianz Versicherungseinheiten gehalten werden, die ihrerseits hierfür Risikokapital vorhalten.14

Die Allianz hat ein gruppenweites Risikomanagementsystem entwickelt, durch das operationelle Risiken frühzeitig erkannt und gesteuert werden können. In diesem System, das in den großen Unternehmen der Gruppe angewandt wird, sind Aufgaben und Zuständigkeiten, Risikoprozesse und Methoden verbindlich definiert. Für seine Einhaltung sind jeweils die örtlichen Risikomanager zuständig. Die Gesellschaften identifizieren und bewerten ihre operationellen Risiken und überwachen Schwachstellen. Hierbei dient eine strukturierte Selbsteinschätzung als Maßstab. Ergänzend werden Verluste aus dem operationellen Risiko durch alle unsere operativen Geschäftseinheiten in einer zentralen Datenbank gespeichert. Fallen hohe Verluste an, analysieren wir die Ursachen mit dem Ziel, solche Verluste künftig zu vermeiden oder zumindest zu verringern. Dadurch können fehlgeschlagene oder unzureichende Kontrollen identifiziert, entsprechende Prozesse und Notfallpläne in der Folge überarbeitet und verbessert sowie umfassende Sicherheitssysteme eingerichtet werden. Dieses Berichtswesen ermöglicht es uns zudem, die Geschäftsführung der Allianz Gruppe und der betreffenden regionalen Geschäftseinheiten rechtzeitig und umfassend zu informieren.

Die Allianz Gruppe und ihre operativen Einheiten sind bei schwerwiegenden Störungen oder Katastrophen, die eine bedeutende Unterbrechung für das Arbeitsumfeld sowie für Einrichtungen und Personal mit sich bringen können, einem wesentlichen operationellen Risiko ausgesetzt. Unser Business-Continuity-Management (BCM)-System zielt darauf ab, kritische Geschäftsfunktionen vor derlei Auswirkungen zu schützen, damit diese ihre Kernaufgaben im vorgegebenen Zeitrahmen und den erforderlichen Qualitätsstandards entsprechend erfüllen können. BCM-Aktivitäten und -Know-how werden stetig verbessert, sie sind unerlässlicher Bestandteil unserer Unternehmenskultur.

Gruppenweite Mindestsicherheitsstandards für IT-Systeme stellen die ordnungsgemäße Nutzung und den Schutz des Informationsbestands der Gruppe sicher. Unser internes Kontrollsystem zielt darauf ab, operationelle Risiken bei der Finanzberichterstattung zu verringern.15 Ohnehin sind wir immer bestrebt, Prozessversagen dadurch zu verhindern, dass wir relevante Methoden, Vorgehensweisen, Strukturen und Prozesse konzernweit klar dokumentieren. Eine solche umfassende und zeitnahe Dokumentation über die gesamte Gruppe hinweg ist ein wesentliches Prinzip der Allianz Group Risk Policy.

Wie im Kapitel „Risikoorganisation und -prinzipien (Risk Governance)“ beschrieben, befasst sich die Abteilung Group Legal Services – mit der Unterstützung weiterer Abteilungen – auch mit der Minderung von Rechtsrisiken.

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Sonstige Risiken

Es gibt bestimmte Risiken, die mit unserem internen Risikokapitalmodell konzernweit nicht hinreichend quantifiziert werden können. Um diese Risiken zu identifizieren, zu analysieren, zu bewerten und zu überwachen, verfolgen wir einen systematischen Risikobewertungsansatz. Er stützt sich im Allgemeinen auf qualitative Kriterien oder Szenario-Analysen. Zu den wichtigsten sonstigen Risiken zählen das Liquiditäts-, das Reputations- und das strategische Risiko.

Strategisches Risiko

Das strategische Risiko ist das Risiko einer unerwarteten nachteiligen Veränderung des Unternehmenswerts. Dies tritt ein, wenn Entscheidungen des Managements hinsichtlich der Geschäftsstrategie und deren Umsetzung negative Folgen haben. Das Risiko spiegelt dabei wider, inwieweit die strategischen Ziele mit einzelnen Geschäftsstrategien und den zur Zielerreichung eingesetzten Ressourcen kompatibel sind. Zu dem strategischen Risiko zählt auch die Frage, inwieweit das Management fähig ist, externe Faktoren (beispielsweise Marktbedingungen), die die künftige Entwicklung einer operativen Einheit oder der gesamten Gruppe beeinflussen können, zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren.

Diese Risiken werden vierteljährlich auf dieselbe Weise wie das Reputationsrisiko bewertet und analysiert. Die Geschäftsziele werden vom Vorstand der Allianz SE ausgearbeitet. Strategische Ziele werden in einem Drei-Jahres-Unternehmensplan festgeschrieben und vom Aufsichtsrat der Allianz SE genehmigt. Strategische Kontrollen sollen die entsprechende Verwirklichung der strategischen Ziele gewährleisten, indem sie eine Überwachung der jeweiligen Geschäftsziele ermöglichen. Auch Markt- und Wettbewerbsbedingungen, Kapitalmarkterfordernisse, aufsichtsrechtliche Bedingungen und dergleichen werden im Hinblick auf Veränderungen überwacht, die eine strategische Anpassung notwendig machen. Darüber hinaus werden strategische Entscheidungen in verschiedenen Ausschüssen auf Vorstandsebene erörtert (zum Beispiel im Group Capital Committee, Group Risk Committee oder Group Finance Committee). Die Beurteilung der damit zusammenhängenden Risiken ist dabei ein wesentlicher Diskussionspunkt. So unterliegen beispielsweise große Fusionen und Übernahmen einer Prüfung durch das Group Finance Committee, sofern das Transaktionsvolumen spezifisch festgelegte Schwellenwerte überschreitet.

Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisiko hat zwei Ausprägungen: zum einen das Risiko, dass das Unternehmen seinen kurzfristigen oder künftigen Zahlungsverpflichtungen nicht oder nur unter geänderten Bedingungen nachkommen kann; zum anderen das Risiko, dass im Fall einer Liquiditätskrise des Unternehmens Refinanzierungsmittel nur zu erhöhten Zinssätzen beschafft beziehungsweise Vermögenswerte nur mit Abschlägen liquidiert werden können. Das Liquiditätsrisiko kann insbesondere aus Inkongruenzen zwischen der Fälligkeit von Zahlungseingängen und Finanzierungsverpflichtungen entstehen. Nicht zum Liquiditätsrisiko gehört das Marktpreisänderungsrisiko aufgrund einer verschlechterten Marktliquidität von Aktiva; dieses wird vielmehr als Marktrisiko durch unser internes Risikokapitalmodell abgebildet. So ziehen wir beispielsweise die historische Entwicklung heran, um die im Modell verwendeten Wertschwankungen von Immobilienanlagen zu schätzen. Das Refinanzierungsrisiko hingegen zählt zu den Liquiditätsrisiken: Es entsteht, wenn die erforderliche Liquidität zur Finanzierung illiquider Vermögenspositionen nicht rechtzeitig und nicht zu den erwarteten Bedingungen gegeben ist.

Genauere Informationen zum Liquiditätsrisiko der Allianz, zu ihrer Liquidität und ihrer Finanzierung – darunter auch Änderungen hinsichtlich der Barreserve und anderer liquider Mittel – finden Sie im Kapitel „Liquidität und Finanzierung” sowie in den Angaben 17, 23, 24 und 44 im Konzernanhang.

Auf Konzernebene entstehen Liquiditätsrisiken vornehmlich aus Kapitalanforderungen der Tochtergesellschaften und aus der Notwendigkeit, fällig werdende Finanzierungsverbindlichkeiten zu refinanzieren.

Das wichtigste Ziel in der Planung und Steuerung der Liquiditätsposition der Allianz SE ist es sicherzustellen, dass die Allianz SE Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllen kann. Zu diesem Zweck wird die Liquiditätsposition der Allianz SE täglich überwacht und eine entsprechende Vorschau erstellt. Die strategische Liquiditätsplanung über eine Zeitspanne von zwölf Monaten beziehungsweise drei Jahren wird dem Vorstand regelmäßig vorgelegt. Die wichtigsten Instrumente der Allianz zur Erfüllung eines unvorhergesehenen Liquiditätsbedarfs sind verbindlich zugesagte Kreditlinien von Banken, Commercial Papers, mittelfristige Kreditvergabeprogramme, ein zentral verwaltetes hochliquides Anleiheportfolio mit direktem Zugang zum Markt für Verkaufs- und Rückkaufvereinbarungen (dem sogenannten „ Repo-Markt“) sowie interne Ressourcen in Form konzerninterner Darlehen und eines internationalen Cashpools.

Die kumulierte, kurzfristige Liquiditätsprognose wird täglich aktualisiert; dabei berücksichtigen wir einen absoluten strategischen Mindestpufferbetrag sowie einen absoluten Mindestwert für die angestrebte Liquidität. Beide Werte werden für den Cashpool der Allianz SE festgelegt, um den Konzern vor kurzfristigen Liquiditätskrisen zu schützen. In diese strategische Planung fließen sowohl der eventuelle Liquiditätsbedarf als auch mögliche Liquiditätsquellen ein, damit die Allianz SE auch bei ungünstigen Veränderungen ihre künftigen Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann. Zu den maßgeblichen Liquiditätsanforderungen zählen die Nichtverfügbarkeit externer Kapitalmärkte, kombinierte Szenarien aus Markt- und Katastrophenrisiken für Tochtergesellschaften sowie eine Unterschreitung der von den Tochtergesellschaften erwarteten Gewinne und Dividenden.

Das Liquiditätsrisiko für unser Bankgeschäft auf Gruppenebene gilt als unerheblich. Dies liegt einerseits an seinem geringen Umfang, anderseits am defensiven Risikoprofil der risikogewichteten Aktiva und des Gesamtvermögens der Allianz Banken (Stand 31. Dezember 2011: 9,0 Mrd € beziehungsweise 19,4 Mrd €).

Unsere operativen Versicherungsgesellschaften steuern das Liquiditätsrisiko direkt vor Ort. Sie verwenden dabei lokale Systeme zum Management von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, die sicherstellen, dass diese Positionen auf geeignete Weise aufeinander abgestimmt werden. Dieser dezentrale Ansatz ermöglicht es uns, Liquidität mit der nötigen Flexibilität bereitzustellen.

In unserer Schaden- und Unfallversicherung und Lebens- und Krankenversicherung ist das Liquiditätsrisiko ein Sekundärrisiko, das nach Eintritt externer Ereignisse – etwa einer Naturkatastrophe – wirksam wird. Solche Ereignisse werden für gewöhnlich in unserem internen Risikokapitalmodell berücksichtigt. Daher tragen Begrenzung und Überwachung der damit verbundenen Primärrisiken (zum Beispiel durch Rückversicherungen) auch zur Begrenzung des daraus erwachsenden Liquiditätsrisikos bei. Äußerst ungünstige Veränderungen von Geschäftsannahmen (beispielsweise Storno- oder Vertragserneuerungsfaktoren oder -kosten) können ebenfalls zu Liquiditätsrisiken führen. Auch diese Auswirkungen werden von unserem internen Risikokapitalmodell abgedeckt.

Die lokalen Investmentstrategien konzentrieren sich insbesondere auf die Qualität der Kapitalanlagen und stellen sicher, dass die Portfolios einen erheblichen Anteil an liquiden Vermögenswerten enthalten (zum Beispiel Staatsanleihen oder Pfandbriefe). Daraus resultiert ein gewisses Maß an Sicherheit, dass wir auch nach eher unwahrscheinlichen Ereignissen den erhöhten Liquiditätsbedarf decken können.

Hinzu kommt, dass nach einem außergewöhnlichen Ereignis ein Teil der anfallenden Zahlungen erst einige Zeit später geleistet werden muss. Dadurch verringert sich das Risiko, dass kurzfristige Zahlungsverpflichtungen nicht eingehalten werden können.

Zur Schätzung unserer Verbindlichkeiten aus Versicherungsverträgen wenden wir versicherungsmathematische Methoden an. Im Zuge unserer standardisierten Liquiditätsplanung stimmen wir die Zahlungsströme aus unserem Anlageportfolio mit den geschätzten Zahlungsströmen ab, die aus unseren Verbindlichkeiten resultieren.

Diese Analysen erfolgen für jede einzelne Gesellschaft und werden auf Gruppenebene zusammengeführt. Überschüssige Liquidität wird von der Allianz Gruppe in einem zentralen Cashpool verwaltet und kann bei Bedarf einzelnen Gesellschaften zugewiesen werden.

Liquiditätsprognose und -management sind im Asset-Management-Geschäft ein fortlaufender Prozess, der dazu dient, sowohl die aufsichtsrechtlichen Anforderungen als auch die Standards der Gruppe zu erfüllen. Dabei wird er durch Liquiditätsrichtlinien für neue Produkte unterstützt, die in den Allianz Global Investors Gesellschaften eingeführt werden.

Reputationsrisiko

Das Reputationsrisiko ist das Risiko eines direkten Verlustes oder eines Verlustes künftigen Geschäftsvolumens, das aus einem Ansehensverlust der Allianz Gruppe insgesamt oder einer oder mehrerer ihrer Gesellschaften bei den Stakeholdern (also ihren Aktionären, Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern oder in der Öffentlichkeit) erwächst. So kann jede Maßnahme, jedes bestehende oder neue Geschäft oder Produkt direkt oder indirekt zu Ansehensverlusten führen und zugleich Verluste in anderen Risikokategorien nach sich ziehen. Des Weiteren birgt jeder Verlust der Allianz Gruppe in anderen Risikokategorien ein Reputationsrisiko, unabhängig davon, wie hoch dieser Verlust war. Das Reputationsrisiko kann also einerseits Verluste in weiteren Risikokategorien, darunter Markt-, Versicherungs- oder Kreditrisiken, verursachen oder andererseits durch Verluste in anderen Risikokategorien entstehen.

Unsere operativen Einheiten erkennen, bewerten und steuern Reputationsrisiken innerhalb ihrer Geschäftsprozesse. Dies geschieht beispielsweise im Zuge des Zeichnungs- oder Produktentwicklungsprozesses. Reputationsrisiken, die ausschließlich auf der Ebene einer einzelnen operativen Einheit relevant sind, werden durch die örtliche Risikoorganisation gesteuert. Geplante Aktivitäten, die dem Ansehen der Allianz Gruppe insgesamt schaden könnten, müssen zur Genehmigung an die Allianz SE weitergeleitet werden. Darüber hinaus erkennen und bewerten Group Risk und die lokalen Risikofunktionen dieses Risiko qualitativ im Rahmen einer systematischen vierteljährlichen Analyse („Top Risk Assessment“). Auf dieser Grundlage erstellt Group Risk einen Überblick über die lokalen und globalen Risiken, einschließlich der Reputationsrisiken, analysiert das Risikoprofil der Allianz Gruppe und informiert die Geschäftsleitung regelmäßig über den aktuellen Stand.

1Weitere Informationen zum internen Kontrollsystem für Finanzberichterstattung finden Sie im Abschnitt „Kontrollen und Verfahren“. 2Weitere Angaben zu Risiken derivativer Finanzinstrumente finden sich unter Angabe 44 im Konzernanhang. 3Weitere Informationen zur Konzentration des Lebensversicherungsgeschäfts finden Sie unter Angabe 20 im Konzernanhang. 4 Weitere Informationen zum Lebensversicherungsgeschäft mit Gewinnbeteiligung finden Sie unter Angabe 20 im Konzernanhang. 5Die Berechnungen des Kreditrisikokapitals basieren auf Emittentenratings und nicht auf Emissionsratings. Der hauptsächliche Unterschied zwischen Emissions- und Emittentenratings liegt in der Besicherung und Seniorität der Emissionen und spiegelt sich in der Verlustquote bei Ausfall (Loss-Given-Default) wider. 6Szenarien werden nur auf Kapitalanlagen und Rückversicherungspositionen in den Portfolios der operativen Geschäftseinheiten angewendet. 7Eine Übereignung anstelle der Zwangsvollstreckung (Deed in lieu of foreclosure) ist ein vertragliches Instrument, bei dem ein Hypothekenschuldner (das heißt der Darlehensnehmer) seine gesamten Besitzrechte an einer Immobilie, also Land und damit verbundenen Gebäuden, an den Grundpfandgläubiger (das heißt den Darlehensgeber) überträgt, um nicht erfüllte Darlehensforderungen zu befriedigen und ein Zwangsvollstreckungsverfahren zu vermeiden. 8Weitere Informationen zur geografischen Verteilung der Schadenquoten für die letzten drei Jahre finden Sie im Abschnitt „Schaden- und Unfallversicherung – Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft nach Regionen”. 9Der kumulierte Nettoüberschuss resultiert aus der Neubewertung der Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle für in früheren Geschäftsjahren eingetretene Schäden und enthält Effekte aus der Währungsumrechnung. Weitere Informationen finden Sie unter Angabe 19 im Konzernanhang. 10Dieser Wert wird auf der Grundlage eines Kalenderjahres für die letzten fünf Jahre unter Angabe 19 im Konzernanhang ausgewiesen. 11Weitere Informationen finden Sie unter Angabe 19 im Konzernanhang. 12Weitere Informationen zu biometrischen Annahmen finden Sie im Abschnitt „Internes Risikokapitalsystem – Nicht vom Markt bestimmte Annahmen”. 13Weitere Informationen zum Versicherungsrisiko im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft finden Sie unter Angabe 20 im Konzernanhang. 14Internes Risikokapital für Garantien im Segment Asset Management ist nicht von Bedeutung. 15Weitere Informationen zum internen Kontrollsystem für Finanzberichterstattung finden Sie im Abschnitt „Kontrollen und Verfahren”.

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