Risikoorganisation und -prinzipien (Risk Governance)

Risikomanagementsystem

Als Finanzdienstleister verfügen wir über besondere Erfahrung im Risikomanagement, da dies ein wesentlicher Bestandteil unserer Geschäftssteuerung ist. Die Hauptelemente unseres Risikomanagementsystems sind:

  • eine starke Risikomanagementkultur, die von einer soliden Risikoorganisation und effektiven Risikoprinzipien („Risk Governance“) getragen wird;
  • eine umfassende Risikokapitalberechnung, die auf die gesamte Gruppe angewandt wird, um unsere Kapitalbasis zu schützen und ein effektives Kapitalmanagement zu unterstützen;
  • Einbeziehung von Risikoerwägungen und Kapitalbedarf in den Entscheidungsfindungs- und Managementprozess, indem Risiko und Kapital den verschiedenen Geschäftssegmenten zugeordnet werden.

Dieser umfassende Ansatz stellt sicher, dass Risiken angemessen identifiziert, analysiert und bewertet werden, wobei konzernweit der gleiche, geordnete Prozess angewandt wird („Top Risk Assessment“). Unsere Risikoneigung wird durch eine klare Risikostrategie und ein Limitsystem definiert. Eine strenge Risikoüberwachung und die entsprechende Berichterstattung ermöglichen es uns, sowohl auf Gruppenebene als auch auf Ebene der operativen Einheiten frühzeitig mögliche Abweichungen von unserer Risikotoleranz zu erkennen.

Unser Risikomanagementsystem trägt zur Wertschöpfung der Allianz SE und ihrer operativen Einheiten mit dem Ziel bei, die Interessen unserer Aktionäre und unserer Versicherungskunden zu schützen. Es beruht auf vier wesentlichen Elementen:

Risikozeichnung und -identifikation: Grundlage für angemessene Entscheidungen bei der Übernahme und dem Management von Risiken ist ein solides System bei der Risikozeichnung und -identifikation, wie es bei der Genehmigung einzelner Transaktionen und neuer Produkte sowie bei der strategischen oder taktischen Gewichtung von Anlageklassen zum Einsatz kommt. Es umfasst Risikoeinschätzung, Risikostandards, Bewertungsmethoden und klare Mindeststandards für versicherungstechnische Risiken.

Risikoberichterstattung und -controlling: Unsere qualitativ und quantitativ umfassende Risikoberichterstattung und -controlling bieten der Geschäftsführung einen systematischen Überblick über das gesamte Risikoprofil und entsprechende Frühwarnindikatoren. Diese Berichterstattung beantwortet auch die Frage, ob unser Profil den festgelegten Limiten und Befugnissen entspricht. So werden regelmäßig sogenannte „Risk Dashboards“ und Berichte zur internen Allokation von Risikokapital und zur Auslastung von Limiten erstellt, weitergeleitet und überwacht.

Risikostrategie und -neigung: Unsere Risikostrategie legt unsere Risikoneigung fest. Die Risikostrategie stellt sicher, dass das Risiko-Ertrags-Verhältnis stimmt und die Entscheidungsbefugnisse mit unserer gesamten Risikotragfähigkeit in Einklang stehen. Das Risiko-Ertrags-Profil wird dadurch verbessert, dass Risikoerwägungen und Kapitalbedarf in den Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden. Dadurch wird auch gewährleistet, dass die Risikostrategie und unsere Geschäftsziele einander nicht widersprechen und wir im Rahmen unserer Risikotoleranz Vorteile aus sich ergebenden Chancen ziehen können.1

Kommunikation und Transparenz : Eine transparente und fundierte Risikoberichterstattung bildet die Grundlage, um unseren internen und externen Stakeholdern unsere Risikostrategie zu vermitteln. Zugleich stellen wir so auch nachhaltig positive Auswirkungen auf Bewertung und Finanzierung sicher.

Beispiele

Risikozeichnungssystem in der Schaden- und Unfallversicherung

Die Grundlage für angemessene Entscheidungen bei der Übernahme und dem Management von Risiken bildet unser solides, gruppenweites Risikozeichnungssystem. Dieses hilft uns, potenziell hohe Einzelrisiken, etwa Reputationsrisiken, zu beschränken. Zudem legt es Mindeststandards zur Risikoübernahme im internationalen Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft für Firmen- und Industriekunden fest, die sowohl für Erst- als auch für Rückversicherungen gelten.

Spezielle Mindeststandards schützen uns vor unerwünschten oder übermäßigen Risiken: Sie legen fest, welche Risiken nicht versichert werden können. Zudem definieren sie klare Anforderungen an Genehmigungen auf den verschiedenen Konzernebenen. Vor allem aber bestimmen sie, welche Aktivitäten durch das Group Underwriting Committee – einen vom Vorstand der Allianz SE gegründeten Ausschuss – zu genehmigen oder diesem zu berichten sind. Diese Standards dokumentieren auch die einzelnen Zuständigkeiten bei der Risikozeichnung und legen verbindliche Vorschriften für einzelne Policen oder Versicherungsgeschäfte fest. Für Ausnahmen bedarf es der Zustimmung des lokalen Chief Underwriting Officer und, falls materiell, des Group Chief Risk Officer. Zudem muss das Group Underwriting Committee darüber unterrichtet werden.

Produktmanagement für Lebensversicherungsprodukte

Unserem Produktmanagement für Lebensversicherungsprodukte entsprechend obliegen Produktentwicklung und -genehmigung den operativen Einheiten. Zugleich gibt auch der Konzern Richtlinien für neue Produkte mit hohem Risiko oder riskanten Produktmerkmalen vor, um den operativen Einheiten die damit verbundenen Risiken bewusst zu machen. Alternative risikosenkende Merkmale werden in der Entwicklungsphase berücksichtigt; dabei werden maßgebliche praxisnahe Annahmen als wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells ausdrücklich anerkannt. Im Genehmigungsverfahren werden auch Rentabilitätsstandards festgelegt sowie – angesichts der lokalen Marktsituation – auch einzelne, aus Wettbewerbsgründen erforderliche Ausnahmen berücksichtigt. Die Rentabilität neuer und bestehender Geschäfte wird ständig überprüft und regelmäßig an den Vorstand der Allianz SE berichtet.

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Struktur der Risikoorganisation

Unser Risk-Governance-Ansatz ist ein wesentliches Element unseres Risikomanagementsystems. Seine Struktur lässt uns lokale und globale Risiken ganzheitlich steuern. Gleichzeitig wird gewährleistet, dass unser Gesamtrisikoprofil weiterhin mit unserer Risikostrategie und unserer Risikotragfähigkeit in Einklang steht.

Aufsichtsrat und Vorstand

In unserem Risk-Governance-System nehmen Aufsichtsrat und Vorstand der Allianz SE bestimmte Aufgaben wahr – sowohl auf der direkten Ebene der Allianz SE als auch auf Konzernebene. Dabei stehen ihnen verschiedene Fachausschüsse mit Rat und Tat zur Seite. Einige Beispiele:

Aufsichtsrat

  • Der Prüfungsausschuss überwacht die Wirksamkeit unseres Risikomanagement- und Risikoüberwachungssystems.
  • Der Risikoausschuss (Risk Committee) konzentriert sich auf das allgemeine Risikoprofil der Allianz Gruppe insgesamt; unter diesem Aspekt überwacht er risikobezogene Entwicklungen ebenso wie allgemeine und besondere Risiken.

Vorstand

  • Der Vorstand legt die geschäftspolitischen Ziele und die entsprechende einheitliche Risikostrategie fest. Die wesentlichen Elemente des Risikomanagementsystems sind in der Group Risk Policy verankert, die vom Vorstand genehmigt wurde.
  • Das Group Capital >Committee unterstützt den Vorstand mit Empfehlungen hinsichtlich der Risikostrategie sowie hinsichtlich der Zuweisung von Kapital und Höchstgrenzen.
  • Das Group Risk Committee definiert die Risikostandards und ist die maßgebliche Autorität für die Festlegung von Limiten in dem vom Vorstand eingerichteten System.
  • Das Group Finance Committee wurde vom Vorstand mit der Überwachung der Investment- und Finanzierungstätigkeit beauftragt. Diese Aufgabe umfasst unter anderem die Genehmigung von Transaktionen, die für die Allianz SE und Gesellschaften der Allianz Gruppe von wesentlicher Bedeutung sind.

Allgemeine Risikoorganisation und Aufgabenverteilung im Risikomanagement

Ein umfassendes Risk-Governance-System zeichnet sich durch einheitliche Standards für die Organisationsstruktur, Risikostrategie, gezeichneten Policen, Limitsysteme, Dokumentation und Berichterstattung aus. Diese Standards sorgen für eine präzise und zeitnahe Erfassung risikobezogener Informationen. Sie sind die Grundlage für eine disziplinierte Entscheidungsfindung und -ausführung – sowohl auf globaler als auch lokaler Ebene.

Im Allgemeinen sind es die Geschäftsleiter der lokalen operativen Einheiten und unserer Investment-Management- Einheiten, die in vorderster Reihe stehen und die Verantwortung für Risiken und Ergebnisse ihrer Entscheidungen tragen. Erst danach folgen unsere unabhängigen globalen Risikoüberwachungsfunktionen, vertreten durch unsere Ressorts Risk, Compliance und Legal. Die dritte Reihe schließlich bildet Group Audit; diese Unternehmensfunktion überprüft unabhängig und regelmäßig die Implementierung der Risikoorganisation und die Beachtung der Risikoprinzipien und die Qualität der Risikoprozesse sowie die Einhaltung der Unternehmensrichtlinien.

Group Risk

Group Risk wird durch den Group Chief Risk Officer (Group CRO) geleitet und berichtet dem für das Ressort Controlling, Reporting und Risk verantwortliche Vorstandsmitglied. Group Risk unterstützt die genannten Ausschüsse der Allianz Gruppe, die für die Risikoüberwachung zuständig sind: zum einen durch die Analyse und Weiterleitung von Informationen, die für das Risikomanagement relevant sind, zum anderen durch vereinfachte Kommunikationsflüsse und die Umsetzung von Ausschussentscheidungen.

Beispielsweise ist Group Risk operativ für die Überwachung der Limite und der spezifischen Konzentrationsrisiken über alle Geschäftsbereiche hinweg verantwortlich, wobei der Fokus auf Naturkatastrophen-, Finanzmarkt- und Kontrahentenrisiken liegt.

Zudem sorgt Group Risk als unabhängige Instanz dafür, dass jede operative Einheit ein ihr angemessenes Risikomanagementsystem einsetzt. Zu diesem Zweck entwickelt Group Risk ein konzernweit gültiges Risikomanagementsystem und überwacht die Einhaltung der gruppenweiten Mindeststandards für Verfahren und Prozesse.

Group Risk stärkt und fördert überdies das Risikonetzwerk der Gruppe durch eine regelmäßige und enge Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung unserer operativen Einheiten und den dortigen Schlüsselbereichen (wie etwa den jeweiligen lokalen Finanz- und Kapitalanlagebereichen, der Risikofunktion und dem Aktuariat). Ein starkes gruppenweites Risikonetzwerk ermöglicht es uns, Risiken frühzeitig zu erkennen und das Management darauf aufmerksam zu machen.

Operative Einheiten

Die operativen Einheiten (OE) sind für ihr Risikomanagement selbst verantwortlich. Dazu gehört die Einhaltung externer Vorschriften (zum Beispiel lokaler Aufsichtsbehörden) sowie unserer internen gruppenweiten Mindeststandards.

Der Vorstand einer operativen Einheit ist dafür verantwortlich, dass die jeweilige OE-Risikostrategie im jährlichen Strategie- und Planungsdialog mit der Gruppe festgelegt und genehmigt wird und die operative Einheit dieser Risikostrategie Folge leistet.

Alle Leitungsorgane der Geschäftsbereiche mit direkter Erfolgswirksamkeit (das heißt in vorderster Reihe verantwortliche beziehungsweise „risikotragende” Organe) sind für das aktive Risiko- und Ertragsmanagement – unter Berücksichtigung festgelegter Limite und des OE-Risikomanagementsystems – verantwortlich. Zudem unterstützen sie die Funktionen in zweiter und dritter Reihe gegebenenfalls bei ihren Aufgaben der Risikobeurteilung und -steuerung.

Darüber hinaus ist jede operative Einheit verpflichtet, eine eigene, von ihrer Geschäftsleitung unabhängige Risikofunktion einzurichten. Diese untersteht der Aufsicht des CRO der jeweiligen operativen Einheit, der für die allgemeine Überwachung der OE-Risikofunktionen zuständig ist. Zudem werden sowohl der Vorstand der operativen Einheit als auch der CRO dieser operativen Einheit von einem OE-Risikoausschuss unterstützt, der im Wesentlichen die Risiko-Controlling-Funktionen innerhalb der operativen Einheit wahrnimmt. Im Sinne eines intensiven Risikodialogs zwischen Gruppe und operativen Einheiten ist Group Risk in den jeweiligen Risikoausschüssen vertreten.

Sonstige Funktionen und Organe

Group Risk und die OE-Risikofunktion werden überdies durch die Ressorts Aktuariat, Compliance und Legal ergänzt, die sowohl auf der Ebene der Gruppe als auch der operativen Einheiten eingerichtet wurden. Sie sind wesentliche Elemente der zweiten „Reihe”.

Group Compliance ist für das Integritätsmanagement verantwortlich, mit dem die Allianz Gruppe, ihre operativen Einheiten und Mitarbeiter vor aufsichtsrechtlichen Risiken geschützt werden sollen.

Group Legal Services mindert die Rechtsrisiken und wird dabei von anderen Abteilungen unterstützt. Rechtsrisiken erwachsen aus Gesetzesänderungen, Rechtsstreitigkeiten, aufsichtsrechtlichen Verfahren und Vertragsklauseln, die für Gerichte unterschiedlich interpretierbar sind. Group Legal Services verfolgt das Ziel sicherzustellen, dass Änderungen gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Anforderungen beobachtet werden und angemessen auf anstehende Gesetzesänderungen sowie neue Entwicklungen in der Rechtsprechung reagiert wird, die Auswirkungen auf die Allianz Gruppe haben könnten.

Das Global Issues Forum (GIF) sorgt dafür, dass wir uns jederzeit an die neuesten Entwicklungen anpassen können. Es hilft uns, langfristige Trends zu bewerten und frühzeitig Veränderungen in unserem Geschäftsumfeld zu erkennen, die unser Risikoprofil beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise auch Sekundärforschung (Desk Research), Interviews mit internen und externen Experten sowie Workshops zu den potenziellen Auswirkungen auf die Allianz, möglichen Reaktionen und geeigneten Maßnahmen. Dieser Prozess erfolgt in Abstimmung mit Group Risk, dem Group Risk Committee und anderen Einheiten zur Beurteilung von Risiken wie beispielsweise unsere Emerging Risk Initiative, die sich mit neuen versicherungstechnischen Risiken auseinandersetzt.

In der Emerging Risk Initiative des Chief Risk Officer Forum ist die Allianz ein engagiertes Mitglied. Hier beobachten wir gemeinsam mit den Chief Risk Officers anderer führender europäischer Versicherungsgesellschaften und Finanzkonglomerate branchenweite Risiken und schärfen so das Bewusstsein für wesentliche Risiken in der Versicherungsbranche.

1 Weitere Informationen zu Chancen finden Sie im Abschnitt „Ausblick 2012 und 2013“.

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