3 Verwendung von Schätzungen und Annahmen

Die vorherige Angabe 2 beschreibt die Bilanzierungsgrundsätze, die der Allianz Konzern bei der Aufstellung des Konzernabschlusses berücksichtigt. Dieser Abschnitt beschreibt, wie bestimmte ausgewiesene Zahlen durch die Verwendung von Schätzungen und Annahmen wesentlich beeinflusst werden können sowie die Prozesse, die der Allianz Konzern zur Überwachung der vorgenommenen Beurteilungen etabliert hat.

Beide Seiten der Bilanz des Allianz Konzerns sind in einem hohen Maß von Schätzungen und zahlreichen Annahmen beeinflusst, die der Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten zugrunde liegen. Die benutzten Schätzverfahren und die Auswahl angemessener Annahmen erfordern ein gutes Urteilsvermögen sowie die Entscheidungskompetenz des Managements, um geeignete Werte für diese Vermögenspositionen und Verbindlichkeiten zu ermitteln. Jede Änderung der Schätzungen und Annahmen kann unter bestimmten Umständen die veröffentlichten Werte und Ergebnisse erheblich beeinflussen, da die Ermessensspanne in einigen Fällen sehr groß sein kann. Dem Allianz Konzern ist bewusst, in welchem Ausmaß sich solche Ermessensfestlegungen auswirken können. Daher wurden ein solides Steuerungssystem sowie Kontrollen, Verfahren und Richtlinien implementiert, um Konsistenz und Zuverlässigkeit der Ermessensentscheidungen sicherzustellen.

Tochtergesellschaften des Allianz Konzerns haben Vorkehrungen zu treffen, dass Schätzungen im Zusammenhang mit der Rechnungslegung nach solidem Urteilsvermögen erfolgen. Hierzu gehören Schulungen, die Einstellung von Mitarbeitern mit passendem Anforderungsprofil (etwa Wirtschaftsprüfern, erfahrenen Buchhaltern, Aktuaren und Finanzfachleuten) sowie Handbücher zu Rechnungslegungsrichtlinien, -verfahren und -kontrollen.

Auf Konzernebene sind entsprechend Prozesse und Ausschüsse eingerichtet worden, um sicherzustellen, dass die Standards des Allianz Konzerns angemessen und konsistent angewendet werden. Zudem hat der Allianz Konzern ein Umfeld geschaffen, das sich zu Verlässlichkeit bekennt, sowie eine Kultur, die zu offenen Diskussionen ermutigt, die Gelegenheit zu Fragen bietet sowie Erkenntnisgewinne aus Fehlern erlaubt, Meinungsäußerungen von Fachleuten zulässt und auf das Vier-Augen-Prinzip achtet. Die Aufgabe von Ausschüssen ist es, Ermessensentscheidungen und die Auswahl der Annahmen offen unter Fachleuten zu diskutieren sowie Abweichungen festzustellen und zu korrigieren. In keinem der Ausschüsse führt der Chief Financial Officer des Allianz Konzerns den Vorsitz.

Besonders die im Folgenden aufgeführten komplexen Gebiete der Rechnungslegung werden wesentlich von Schätzungen und Annahmen beeinflusst.

Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle, Versicherungs- und Investmentverträge und aktivierte Abschlusskosten

Zum 31. Dezember 2011 veröffentlichte der Allianz Konzern:1

  • Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle von 68 832 Mio €, vor allem für das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft einschließlich des in Abwicklung befindlichen Versicherungsgeschäfts und des Rückversicherungsgeschäfts;
  • Rückstellungen für Versicherungs- und Investmentverträge von 361 954 Mio €, im Wesentlichen für das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft;
  • aktivierte Abschlusskosten von 20 772 Mio € für beide Versicherungssegmente.

Die Rückstellungen aus dem Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft sind abhängig von Annahmen, z. B. über die Lebenserwartung einer versicherten Person (Sterblichkeits- und Langlebigkeitsrisiko) oder die Entwicklung der Zinssätze und der Investmenterträge (Risiko aus einem „Asset-Liability Mismatch“). Diese Annahmen haben auch eine Auswirkung auf die Darstellung der Kosten für den Abschluss von Versicherungsgeschäften (Abschlusskosten und Verkaufsförderung für Versicherungsverträge) und den Wert der übernommenen Versicherungsgeschäfte (Bestandswert von Lebens- und Krankenversicherungsbeständen). Damit innerhalb des gesamten Allianz Konzerns die versicherungsmathematischen Methoden und Annahmen bei der Bildung von Lebens- und Krankenversicherungsrückstellungen einheitlich angewandt werden, hat der Allianz Konzern ein zweistufiges Verfahren für die Bildung von Rückstellungen entwickelt. Zuerst werden die Rückstellungen für das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft von erfahrenen und qualifizierten Mitarbeitern der Tochtergesellschaften vor Ort berechnet. Auch die Prüfung der Angemessenheit der Prämien bzw. der Rückstellungen für die Erfüllung von zukünftigen Ansprüchen und Ausgaben (Liability-Adequacy-Test) erfolgt auf lokaler Ebene. Maßgeblich dafür sind die konzernweiten Standards für die Anwendung einheitlicher und plausibler Annahmen. Der zuständige örtliche Aktuar bestätigt die Angemessenheit der Rückstellungen und die Einhaltung der konzernweiten Standards. In einem zweiten Schritt prüft die Abteilung Group Actuarial des Allianz Konzerns regelmäßig die Rückstellungsverfahren bei den Tochtergesellschaften, einschließlich der Angemessenheit und Einheitlichkeit der Annahmen, und analysiert Veränderungen in den Reserven. Sämtliche Anpassungen der Rückstellungen und anderer versicherungstechnischer Positionen werden an den Rückstellungsausschuss (Group Reserve Committee) des Allianz Konzerns berichtet und gemeinsam mit diesem analysiert.

Die Bildung von Rückstellungen im Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft zeichnet sich insbesondere durch die Verwendung von Schätzungen und den Einsatz von Ermessensentscheidungen über die Entwicklung der Schadenreserven aus. Ähnlich dem Prozess im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft ist auch ein zweistufiger Prozess implementiert worden.

Im ersten Schritt werden die Rückstellungen in jedem Rechtsraum unter Berücksichtigung zahlreicher örtlicher Faktoren für einzelne Geschäftszweige berechnet. Dieser Prozess beginnt mit der Datenerfassung der zuständigen Aktuare vor Ort. Die Tochtergesellschaften gruppieren die Rückstellungsdaten in der Regel in möglichst kleine homogene Segmente, die noch genügend Aussagekraft besitzen, um als Grundlage für stabile Prognosen zu dienen. Sobald die Daten erfasst sind, werden daraus Muster für die Schadenregulierung und das Auftreten von Versicherungsfällen abgeleitet. Die Grundlage bilden historische Daten, die in Abwicklungsdreiecken zusammengefasst und nach Anfalljahren gegenüber Entwicklungsjahren angeordnet werden. Die Schadenregulierungs- und -meldungsmuster werden anhand der beobachteten historischen Entwicklungsfaktoren ausgewählt und zudem vom zuständigen Aktuar beurteilt, der mit dem jeweiligen Versicherungsgeschäft, der Schadenbearbeitung, den Daten und Systemen sowie mit den Marktbedingungen, der Wirtschaftslage und dem gesellschaftlichen und rechtlichen Umfeld vertraut ist. Anschließend werden die voraussichtlichen Schadenquoten ermittelt, die sich aus der Analyse historisch beobachteter Schadenquoten, korrigiert um Faktoren wie Schadenentwicklung, Schadeninflation, Beitragsänderungen, Veränderungen der Portfoliozusammensetzung und Veränderungen der allgemeinen Geschäftsbedingungen, ergeben.

Anhand der oben genannten Abwicklungsmuster und der voraussichtlichen Schadenquoten schätzen die Aktuare vor Ort die letztendlichen Schäden und die zugeordneten Schadenregulierungskosten mithilfe verschiedener Methoden wie z. B. der Schadenabwicklungsmethode (Chain-Ladder-Verfahren), der Bornhuetter-Ferguson-Methode oder dem Frequency-Severity-Ansatz.

Nach Maßgabe der obigen Prognose der endgültigen Schäden nach Anfalljahr – also in Bezug auf das Entstehungsjahr der Schäden – nehmen die Tochtergesellschaften des Allianz Konzerns eine unmittelbare Schätzung der Gesamtrückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle vor, indem die kumulierten Schadenzahlungen bis zum jeweiligen Bilanzstichtag subtrahiert werden. Anschließend berechnen die Aktuare die Rückstellungen für eingetretene, aber noch nicht gemeldete Versicherungsfälle der jeweiligen Einheiten als Differenz zwischen

  • den Gesamtrückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle und
  • den Rückstellungen, die von den Schadenregulierern im Einzelfall gebildet werden.

Die Schätzungen für das laufende Anfalljahr bestimmen die Schadenquoten und die Rentabilität der Geschäftstätigkeit im jeweils zurückliegenden Jahr. Für alle früheren Anfalljahre wird die Veränderung der Schätzungen als (positives oder negatives) Abwicklungsergebnis in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen.

Da die Schadenrückstellungen eine Schätzung ungewisser künftiger Ereignisse darstellen, ermitteln die Aktuare vor Ort verschiedene realistische Szenarien. Um die Streuung der geschätzten Schadenrückstellungen zu analysieren, verwenden die Aktuare verschiedene Methoden und Ansätze, darunter sowohl einfache Sensitivitätstests mittels alternativer Annahmen als auch komplexere stochastische Verfahren. Die Rückstellungsstandards des Allianz Konzerns schreiben vor, dass der Rückstellungsausschuss jeder Tochtergesellschaft in vierteljährlichen Abständen zusammenkommt, um die Entscheidungen im Hinblick auf Rückstellungen zu erörtern und zu dokumentieren, die bestmögliche Schätzung der endgültigen Rückstellungshöhe aus einer Reihe möglicher Szenarien auszuwählen und die Begründung der Auswahl für die jeweilige Einheit zu dokumentieren.

Im zweiten Schritt erfolgt eine zentrale Überprüfung der Rückstellungen durch die Abteilung Group Actuarial des Allianz Konzerns. Dies schließt die Überprüfung der Konsistenz und Angemessenheit der gewählten Annahmen ein. Wesentliche Aspekte, die sich durch die Überprüfung ergeben, werden an den Rückstellungsausschuss des Allianz Konzerns (Group Reserve Committee) gemeldet.

Für das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft sowie für das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft besteht der Überprüfungsprozess aus den folgenden Kernelementen:

Konzernweite Standards und Richtlinien: Sie definieren bestimmte Aspekte des Prozesses für die Rückstellungsbildung, die von allen Tochtergesellschaften durchgeführt werden müssen, einschließlich bestimmter Bereiche der Schätzungen und Annahmen. Die Vorgaben beziehen sich auf die Organisationsstruktur, Daten, Methoden und Berichterstattung. Die Abteilung Group Actuarial des Allianz Konzerns überwacht die Einhaltung gemäß dieser Standards und Richtlinien.

Regelmässige Besuche der Tochtergesellschaften: Die Abteilung Group Actuarial des Allianz Konzerns besucht regelmäßig die Tochtergesellschaften, um sicherzustellen, dass die konzernweiten Standards und Richtlinien angewandt werden. Bei diesen Besuchen liegt der Schwerpunkt auf wesentlichen Veränderungen in den Annahmen und den Methoden sowie auf den Prozessen und der etablierten Praxis bei der Reservenbildung. Zudem dienen diese Treffen dazu, sich über die Geschäftsentwicklungen vor Ort auszutauschen.

Regelmässige quantitative und qualitative Rückstellungskontrollen: Die Abteilung Group Actuarial des Allianz Konzerns überprüft in vierteljährlichen Abständen den Stand, die Entwicklung und die Trends in der Rückstellungsbildung des gesamten Allianz Konzerns. Diese Kontrolle erfolgt anhand der quartalsmäßigen Datenlieferung der Tochtergesellschaften sowie durch regelmäßigen Dialog mit den zuständigen lokalen Aktuaren.

Am Ende der Aufsicht und Überwachung der konzernweiten Rückstellungen stehen die Quartalssitzungen des Rückstellungsausschusses des Allianz Konzerns, der die wichtigsten Entwicklungen der Reserven innerhalb des Konzerns überwacht. Er überwacht insbesondere die zentralen Entwicklungen im gesamten Allianz Konzern, die die Angemessenheit der Schadenrückstellung beeinflussen.

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Zeitwert und Wertminderungen von Finanzinstrumenten

Zum 31. Dezember 2011 veröffentlichte der Allianz Konzern zum Zeitwert bewertete Finanzinstrumente wie folgt:2

  • zum Zeitwert bewertete Finanzaktiva in Höhe von 229 555 Mio € und Finanzpassiva in Höhe von 64 660 Mio € in Level 1 der Fair-Value-Hierarchie (notierte Marktpreise auf aktiven Märkten);
  • zum Zeitwert bewertete Finanzaktiva in Höhe von 168 932 Mio € und Finanzpassiva in Höhe von 4 659 Mio € in Level 2 der Fair-Value-Hierarchie (Bewertungsmethoden, deren wesentliche Parameter ausschließlich auf beobachtbaren Marktdaten basieren);
  • zum Zeitwert bewertete Finanzaktiva in Höhe von 8 055 Mio € und Finanzpassiva in Höhe von 5 351 Mio € in Level 3 der Fair-Value-Hierarchie (Bewertungsmethoden, für die zumindest ein wesentlicher Parameter nicht auf beobachtbaren Marktdaten basiert). Finanzaktiva in Level 3 stellen 2 % der gesamten zum Zeitwert bewerteten Finanzaktiva des Allianz Konzerns dar.

Schätzungen und Annahmen haben insbesondere dann einen wesentlichen Einfluss, wenn der Zeitwert für Finanzinstrumente bestimmt werden soll, für die zumindest ein wesentlicher Parameter nicht auf beobachtbaren Marktdaten basiert (Level 3 der Fair-Value-Hierarchie). Die Verfügbarkeit von Marktinformationen wird durch das relative Handelsniveau identischer oder ähnlicher Instrumente am Markt bestimmt, wobei der Schwerpunkt auf Informationen über die tatsächliche Marktaktivität und über verbindliche Kurse von Brokern oder Händlern liegt. Sofern angemessen, werden die Werte gegebenenfalls gemäß Marktinformationen über Preisbildung, Kreditfaktoren, Schwankungshöhen und Liquiditätsüberlegungen angepasst. Falls ausreichende Marktinformationen nicht verfügbar sind, wird die beste Schätzung des Managements für einen bestimmten Parameter verwendet, um den Wert zu bestimmen.

Die Beurteilung, ob ein Schuldtitel im Wert gemindert ist, erfordert eine Analyse der Kreditwürdigkeit des Emittenten des zugrunde liegenden Vertrages und ist mit erheblichem Ermessensspielraum durch das Management verbunden.

Aktuelle und öffentlich verfügbare Informationen mit Bezug auf den relevanten Emittenten und das spezielle Wertpapier werden berücksichtigt. Diese Informationen betreffen im Wesentlichen Hinweise auf signifikante finanzielle Schwierigkeiten des Emittenten und Verletzung von Vertragspflichten, die mit dem Wertpapier einhergehen, wie beispielsweise Ausfall oder Verzug bei Zins- oder Tilgungszahlungen, sind aber nicht beschränkt darauf. Zusätzlich werden andere Faktoren, wie z. B. die Ausfallwahrscheinlichkeit und das Fehlen eines aktiven Marktes aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten, die objektive Hinweise auf ein Verlustereignis liefern, vom Allianz Konzern herangezogen. Der Rückgang des Zeitwertes eines Wertpapiers unter die fortgeführten historischen Kosten oder eine Herunterstufung der Kreditwürdigkeit des Emittenten stellen jeweils für sich noch keinen objektiven Hinweis für ein Verlustereignis dar; sie können aber einen objektiven Hinweis für ein Verlustereignis liefern, wenn sie in Verbindung mit anderen verfügbaren Informationen beobachtet werden.

Grundsätzlich sind die Tochtergesellschaften für die Bestimmung der Zeitwerte und die Ermittlung von Wertminderungen von Finanzinstrumenten zuständig. Dieses Verfahren entspricht der dezentralisierten Organisationsstruktur und wird der Tatsache gerecht, dass die Handelnden vor Ort häufig am besten den örtlichen Wertpapierhandel analysieren können. Dennoch müssen die Tochtergesellschaften die internen Kontrollrichtlinien des Allianz Konzerns für Wertminderungen, Bewertung und Offenlegung beachten. Sämtliche Wertminderungsentscheidungen bei Schuldverschreibungen müssen von den Tochtergesellschaften an die Abteilung Group Financial Reporting des Allianz Konzerns berichtet werden, die diese dann auf Einheitlichkeit überprüft und bei Abweichungen Korrekturen vornimmt.

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Geschäfts- oder Firmenwert

Zum 31. Dezember 2011 belief sich der gesamte Geschäfts- oder Firmenwert des Allianz Konzerns auf 11 722 Mio €. Dieser verteilt sich wie folgt:3

  • 2 072 Mio € bezogen auf das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft;
  • 2 174 Mio € bezogen auf das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft;
  • 6 985 Mio € bezogen auf das Asset-Management-Geschäft;
  • 491 Mio € bezogen auf den Geschäftsbereich Corporate und Sonstiges.

Der Geschäfts- oder Firmenwert entspricht der Differenz zwischen den Anschaffungskosten eines Unternehmens und dem Zeitwert des erworbenen Nettovermögens. Im Erwerbszeitpunkt wird der Geschäfts- oder Firmenwert eines gekauften Unternehmens den Cash Generating Units (CGU) zugeordnet, die einen Nutzen aus der Akquisition ziehen. Da der Geschäfts- oder Firmenwert nicht planmäßig abgeschrieben wird, muss mindestens einmal im Jahr überprüft werden, ob der Buchwert der CGU als werthaltig betrachtet wird. Dies wird angenommen, wenn der Buchwert den geschätzten Nutzungswert (Barwert der erwarteten Zahlungsströme) nicht übersteigt. Wird der Buchwert als nicht werthaltig eingestuft, muss der Geschäfts- oder Firmenwert entsprechend abgeschrieben werden. Die Ermittlung des erzielbaren Betrags einer CGU erfordert signifikante Ermessensentscheidungen hinsichtlich geeigneter Bewertungsverfahren und Annahmen. Zu den Annahmen zählen die Auswahl der Abzinsungssätze, Planungshorizonte und Anforderungen an die Kapitalausstattung sowie erwartete künftige Geschäftsergebnisse. Die Annahmen sind gegebenenfalls an Veränderungen ökonomischer, Markt- und Geschäftsbedingungen anzupassen. Entsprechend werden die externen Einflussgrößen sowie die operative Entwicklung der CGU laufend überprüft.

Die Prüfprozesse des Allianz Konzerns zur Einschätzung der erzielbaren Beträge erfolgen grundsätzlich auf Konzernebene und sind darauf angelegt, Subjektivitätsaspekte zu minimieren. So müssen beispielsweise die zugrunde gelegten Annahmen mit jenen übereinstimmen, die im allgemeinen Planungs- und Kontrollprozess verwendet werden. Der erzielbare Betrag aller CGU wird generell auf Basis des Nutzungswertes (Value in Use) ermittelt. Diese Berechnungen basieren auf Geschäftsplänen, Schätzungen über nachhaltig erzielbare Ergebnisse und langfristige Wachstumsraten. Dies wird ausführlicher in Angabe 15 erläutert. In Bezug auf die wichtigsten Parameter werden Sensitivitätsanalysen durchgeführt, z. B. in Bezug auf langfristig prognostizierte Combined Ratios oder Diskontierungssätze. Außerdem werden, sofern verfügbar, marktbasierte transaktionsbezogene Multiples überprüft. Der Allianz Konzern nutzt diese Daten, um die Angemessenheit von Annahmen zu beurteilen, da vergleichbare Marktwertinformationen im Allgemeinen nicht vorliegen. Zwar ist der Allianz Konzern davon überzeugt, dass kurzfristige Schwankungen des Marktwertes den langfristigen Wert aller CGU nicht zutreffend widerspiegeln, dennoch werden im Verlauf des übergeordneten Prüfprozesses die beiden Werte miteinander abgeglichen. Der Allianz Konzern ist überzeugt, dass die Kontrollen bei der Beurteilung der Werthaltigkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts sowohl konsistente als auch zuverlässige Ergebnisse gewährleisten.

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Aktive Steuerabgrenzung

Zum 31. Dezember 2011 wies der Allianz Konzern ein latentes Steuerguthaben von 2 321 Mio € aus, wovon 2 081 Mio € auf steuerliche Verlustvorträge entfielen.4

Die Ermittlung von Steuerabgrenzungen resultiert aus ungenutzten Steuergutschriften, steuerlichen Verlustvorträgen und aus temporären Differenzen zwischen den Buchwerten der Vermögenswerte und Schulden in der Konzernbilanz und deren Steuerwerten. Aktive Steuerabgrenzungen werden bilanziert, soweit es wahrscheinlich ist, dass ausreichendes zu versteuerndes Ergebnis für ihre Realisierung zur Verfügung stehen wird. Die Beurteilung der Realisierbarkeit latenter Steuerguthaben bedingt die Einschätzung über die Höhe zukünftiger steuerpflichtiger Gewinne. Dabei werden Höhe und Art dieser zu versteuernden Einkünfte, die Perioden, in denen sie anfallen werden, sowie zur Verfügung stehende Steuerplanungsmaßnahmen berücksichtigt.

Die entsprechenden Analysen und Prognosen, und im Ergebnis die Ermittlung der aktiven Steuerabgrenzungen, werden in den jeweiligen Ländern von den lokalen Steuer- und Finanzfachleuten vorgenommen. Weil die Auswirkungen der zugrunde liegenden Schätzungen wesentlich sein können, gibt es konzerneinheitliche Richtlinien und Verfahren, die Konsistenz und Zuverlässigkeit des Beurteilungsprozesses gewährleisten. Die Ergebnisprognosen beruhen auf Geschäftsplänen, die in einem ordentlichen Verfahren geprüft und genehmigt wurden. Ein besonders aussagekräftiger Nachweis für die Bilanzierung aktiver Steuerabgrenzungen wird entsprechend konzerneinheitlichen Grundsätzen verlangt, wenn die betreffende Einheit aktuell oder in einer Vorperiode einen Verlust erlitten hat.

Der Ansatz und die Werthaltigkeit wesentlicher aktiver Steuerabgrenzungen werden von Steuerexperten sowie dem Allianz Group Tax Committee geprüft. Das Allianz Group Tax Committee besteht aus leitenden Mitarbeitern des Finanzressorts des Konzerns, Vorsitzender ist der Leiter der Allianz Konzernsteuerabteilung.

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Pensionsrückstellungen und ähnliche Verpflichtungen

Zum 31. Dezember 2011 wies der Allianz Konzern Pensionsverpflichtungen aus leistungsorientierten Pensionsplänen in Höhe von 15 619 Mio € aus. Diesen stand ein Planvermögen von 10 136 Mio € gegenüber.5

Rückstellungen für Pensionszusagen und ähnliche Verpflichtungen sowie damit zusammenhängende Pensionsaufwendungen werden nach versicherungsmathematischen Modellen ermittelt. Diese Bewertungen basieren auf umfangreichen Annahmen. Die wichtigsten Annahmen wie Abzinsungssätze, Inflationsraten, erwartete Renditen des Planvermögens, Gehalts- und Rentendynamik sowie Trends der medizinischen Versorgung werden unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten in den jeweiligen Ländern auf Konzernebene festgelegt. Um ihre fundierte und konsistente Bestimmung sicherzustellen, werden alle Eingangsparameter diskutiert und unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Entwicklungen, Expertengutachten, verfügbaren Markt- und Branchendaten sowie tatsächlich eingetretenen Ereignissen bei den Pensionsplänen und dem Planvermögen festgelegt. Abzinsungssätze werden auf der Grundlage von Renditen bestimmt, die am Bilanzstichtag von erstrangigen, festverzinslichen Industrieanleihen mit entsprechender Laufzeit und Währung erzielt werden. In Ländern ohne liquiden Markt für solche Industrieanleihen werden stattdessen Marktrenditen für Regierungsanleihen als Abzinsungssätze verwendet. Erwartete Renditen des Planvermögens werden unter Berücksichtigung der Zusammensetzung des Planvermögens sowie bisher beobachteter Renditen ermittelt.

Aufgrund veränderlicher Markt- und Konjunkturverhältnisse können die zugrundeliegenden Annahmen von aktuellen Entwicklungen abweichen. Mittels Sensitivitätsanalysen wurden mögliche finanzielle Auswirkungen von Abweichungen bei bestimmten maßgeblichen Annahmen ermittelt und sind in der Angabe 48 dargestellt.

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Rückstellungen für Restrukturierungsmassnahmen

Zum 31. Dezember 2011 wies der Allianz Konzern Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von 280 Mio € aus.6

Restrukturierungsrückstellungen werden angesetzt, wenn der Allianz Konzern einen detaillierten formellen Plan für die Restrukturierungsmaßnahmen besitzt und bei den Betroffenen eine berechtigte Erwartung geweckt hat, dass die Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt werden, indem entweder mit der Umsetzung des Plans begonnen oder seine wesentlichen Bestandteile angekündigt wurden. Der detaillierte, offizielle Restrukturierungsplan basiert insbesondere auf Schätzungen und Annahmen, z. B. der Anzahl der von Entlassungen betroffenen Mitarbeiter, der Höhe der Abfindungszahlungen, Auswirkungen belastender Verträge, Möglichkeiten der Untervermietung, dem Zeitplan für die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen des Programms und demzufolge der zeitlichen Verteilung zu erwartender Auszahlungen.

Grundsätzlich stellen die Tochtergesellschaften, die eine Restrukturierung durchführen wollen, den formellen Restrukturierungsplan auf und legen die zugrunde liegenden Annahmen und Schätzungen fest. Entsprechend gibt die Richtlinie für Restrukturierungen des Allianz Konzerns vor, dass die Verantwortung für einen angemessenen Planungsprozess, die Überwachung der Durchführung des Programms und die Einhaltung der IFRS bei den Tochtergesellschaften liegt. Die dafür zu erstellende Dokumentation ist der Abteilung Group Accounting des Allianz Konzerns vorzulegen, wo qualifizierte Mitarbeiter alle Restrukturierungsprogramme überprüfen. Dies beinhaltet die Überprüfung aller zugrunde liegenden Schätzungen und Annahmen und eine Einschätzung, ob alle Voraussetzungen für den Ansatz einer Restrukturierungsrückstellung erfüllt sind und welche Kostenbestandteile als Restrukturierungsaufwendungen behandelt werden können.

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1Weitere Informationen finden sich unter Angabe 2 Zusammenfassung wesentlicher Bilanzierungsgrundsätze, Angabe 12 Aktivierte Abschlusskosten, Angabe 19 Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle und Angabe 20 Rückstellungen für Versicherungs- und Investmentverträge. 2Weitere Einzelheiten zum Zeitwert der Finanzinstrumente finden sich unter Angabe 2 Zusammenfassung wesentlicher Bilanzierungsgrundsätze, Angabe 37 Wertminderungen auf Finanzanlagen (netto) und unter Angabe 45 Finanzinstrumente. 3Weitere Informationen hierzu finden sich unter Angabe 2 Zusammenfassung wesentlicher Bilanzierungsgrundsätze und Angabe 15 Immaterielle Vermögenswerte. 4Weitere Informationen hierzu finden sich in Angabe 2 Zusammenfassung wesentlicher Bilanzierungsgrundsätze und Angabe 43 Ertragsteuern. 5Detaillierte Informationen zu den Pensionsrückstellungen finden sich unter Angabe 2 Zusammenfassung wesentlicher Bilanzierungsgrundsätze und Angabe 48 Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen. 6Detaillierte Informationen zu den Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen finden sich unter Angabe 2 Zusammenfassung wesentlicher Bilanzierungsgrundsätze und Angabe 50 Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen.

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