19 Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle

Stand 31. Dezember 2011 2010
  Mio € Mio €
Schaden-Unfall 59 493 57 509
Leben/Kranken 9 357 8 984
Konsolidierung –18 –19
Summe 68 832 66 474

Rückstellung für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle für den Geschäftsbereich Schaden-Unfall

Überleitung der Anfangs- und Endsalden der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle

Die folgende Tabelle ist eine Überleitung der Anfangs- und Endsalden der Rückstellungen, einschließlich des Effekts zedierter Rückversicherungen, im Geschäftsbereich Schaden-Unfall des Allianz Konzerns für jedes Jahr im dreijährigen Zeitraum bis 31. Dezember 2011.

Veränderung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Geschäftsbereich Schaden-Unfall

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  2011 2010 2009
  Brutto


Mio €
Anteil der
Rückver-
sicherer
Mio €
Netto


Mio €
Brutto


Mio €
Anteil der
Rückver-
sicherer
Mio €
Netto


Mio €
Brutto


Mio €
Anteil der
Rückver-
sicherer
Mio €
Netto


Mio €
1 Enthält Effekte aus Währungsumrechnung für Bruttoschäden der Vorjahre in Höhe von 295 (2010: 1 999; 2009: 607) Mio € und für Nettoschäden der Vorjahre in Höhe von 247 (2010: 1 707; 2009: 536) Mio € sowie für Bruttoschäden des Geschäftsjahres in Höhe von 444 (2010: 101; 2009: 73) Mio € und für Nettoschäden des Geschäftsjahres in Höhe von 345 (2010: 63; 2009: 77) Mio €.
2 Im 1. Quartal 2011 wurde Allianz Kazakhstan ZAO und im 3. Quartal 2011 Allianz Takaful als zur Veräußerung gehalten klassifiziert. Siehe Angabe 14 für weitere Informationen.
Stand 1.1. 57 509 –6 659 50 850 55 715 –7 175 48 540 55 616 –7 820 47 796
Schadenaufwendungen                  
Geschäftsjahresschäden 32 024 –2 444 29 580 31 158 –2 473 28 685 30 072 –2 685 27 387
Vorjahresschäden –2 080 420 –1 660 –2 551 1 007 –1 544 –1 962 895 –1 067
Zwischensumme 29 944 –2 024 27 920 28 607 –1 466 27 141 28 110 –1 790 26 320
Zahlungen für Schäden                  
Geschäftsjahresschäden –15 011 695 –14 316 –14 899 805 –14 094 –14 159 791 –13 368
Vorjahresschäden –13 646 1 417 –12 229 –13 860 1 495 –12 365 –14 531 1 732 –12 799
Zwischensumme –28 657 2 112 –26 545 –28 759 2 300 –26 459 –28 690 2 523 –26 167
Währungsumrechnung und übrige Veränderungen1 684 –84 600 2 188 –344 1 844 679 –88 591
Veränderungen Konsolidierungskreis 20 –8 12 –242 26 –216
Umgliederungen2 –7 5 –2
Stand 31.12. 59 493 –6 658 52 835 57 509 –6 659 50 850 55 715 –7 175 48 540

Die Netto-Schadenaufwendungen des Vorjahres spiegeln die geänderten Schätzungen gegenüber der zum Jahresanfang gebildeten Schadenrückstellung wider. Diese können das Ergebnis des aktuellen Geschäftsjahres erhöhen oder verringern. Der Allianz Konzern weist für das Geschäftsjahr 2011 zusätzliche Erträge von 1 660 (2010: 1 544; 2009: 1 067) Mio € aus Vorjahresschäden aus. Bezogen auf die Netto-Schadenrückstellungen zum Jahresanfang waren dies 3,3 % für 2011 (2010: 3,2 %; 2009: 2,2 %).

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Veränderungen der historischen Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle

Die Analyse der Rückstellungen durch die Aktuare und das Management erfolgt nach Geschäftszweig und für spezifische Versicherungsfälle wie Asbestschäden separat. Das Entstehungsjahr der Schäden wird berücksichtigt, indem jeder Geschäftszweig auch nach Anfalljahr analysiert wird. Während die Schätzungen der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle nach Anfalljahr gemäß Ansatz in der Konzernbilanz festgelegt werden, kombiniert der Effekt in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung des jeweiligen Kalenderjahres die Schadenquote des Anfalljahres für das laufende Jahr mit der positiven oder negativen Entwicklung früherer Jahre (Abwicklungsergebnis). Die folgenden Tabellen zeigen zunächst die Schadenabwicklung nach Anfalljahr, gefolgt von der daraus resultierenden Veränderung in den letzten Kalenderjahren.

Das Abwicklungsdreieck, auch Schadendreieck genannt, ist eine tabellarische Darstellung der schadenbezogenen Daten (wie Zahlungen, Schadenrückstellungen, endgültige Schäden) auf zwei zeitbezogenen Ebenen. Die eine Ebene ist das Kalenderjahr, die andere das Anfalljahr (Jahr der Schadenentstehung). Als Bemessungsgrundlage für die Schadenrückstellungen verdeutlichen Abwicklungsdreiecke, wie sich die Schadenrückstellungen aufgrund geleisteter Zahlungen und neuer Schätzungen des erwarteten endgültigen Schadens zum jeweiligen Bilanzstichtag im Lauf der Zeit verändern.

Schadenzahlungen für die einzelnen Anfalljahre (nach Kalenderjahr, netto)

Anfalljahr
Kalenderjahr 2003 und
früher
2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Summe
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €
2003 25 015                 25 015
2004 11 808 11 445               23 253
2005 4 827 5 889 11 881             22 597
2006 4 049 1 561 6 632 11 760           24 002
2007 2 831 962 2 058 6 403 12 631         24 885
2008 2 163 644 1 158 1 643 6 397 13 130       25 135
2009 1 907 312 531 955 1 744 7 350 13 368     26 167
2010 1 363 211 432 586 934 2 151 6 688 14 094   26 459
2011 927 220 294 397 687 1 034 1 725 6 945 14 316 26 545

Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle für die einzelnen Anfalljahre zum jeweiligen Bilanzstichtag (netto)

Anfalljahr
Stand
31. Dezember
2003 und
früher
2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Summe
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €
2003 44 683                 44 683
2004 31 454 14 025               45 479
2005 27 221 7 658 14 777             49 656
2006 22 324 4 920 8 238 13 848           49 330
2007 18 820 3 354 4 878 7 612 14 012         48 676
2008 16 007 2 382 3 248 4 488 7 449 14 222       47 796
2009 14 055 1 987 2 334 3 432 5 038 7 620 14 074     48 540
2010 12 838 1 624 1 811 2 815 3 911 5 666 7 456 14 729   50 850
2011 12 258 1 424 1 442 2 440 2 973 4 337 5 147 7 218 15 596 52 835

Endgültiger Schadenaufwand für die einzelnen Anfalljahre zum jeweiligen Bilanzstichtag (netto)

Anfalljahr
Stand 31. Dezember 2003 und früher
Mio €
2004
Mio €
2005
Mio €
2006
Mio €
2007
Mio €
2008
Mio €
2009
Mio €
2010
Mio €
2011
Mio €
Summe
Mio €
1 Enthält Effekte aus Währungsumrechnung und sonstigen Veränderungen.
2 Darstellung nicht aussagekräftig
2003 69 698                  
2004 68 278 25 470                
2005 68 871 24 993 26 658              
2006 68 022 23 816 26 751 25 610            
2007 67 349 23 212 25 450 25 776 26 643          
2008 66 699 22 884 24 977 24 295 26 477 27 353        
2009 66 654 22 801 24 594 24 194 25 810 28 100 27 442      
2010 66 800 22 650 24 502 24 164 25 617 28 297 27 512 28 823    
2011 67 149 22 669 24 427 24 185 25 367 28 002 26 928 28 257 29 912  
Überschuss1 2 549 2 801 2 231 1 425 1 276 –649 514 566 _2 10 713
Verringerung/ (Erhöhung) 2011 zu 20101 –349 –19 75 –21 250 295 584 566 _2 1 381

Im Kalenderjahr verdiente Beiträge und endgültige Schadenquote für die einzelnen Anfalljahre zum jeweiligen Bilanzstichtag (netto)

  Verdiente
Beiträge
Anfalljahr
Stand 31. Dezember (netto) 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
  Mio € % % % % % % % %
2004 37 385 68,1              
2005 37 686 66,9 70,7            
2006 37 950 63,7 71,0 67,5          
2007 38 553 62,1 67,5 67,9 69,1        
2008 38 213 61,2 66,3 64,0 68,7 71,6      
2009 37 828 61,0 65,3 63,8 66,9 73,5 72,5    
2010 39 303 60,6 65,0 63,7 66,4 74,1 72,7 73,3  
2011 39 898 60,6 64,8 63,7 65,8 73,3 71,2 71,9 75,0

Der endgültige Schadenaufwand eines Anfalljahres enthält alle Zahlungen, die bis zum Bilanzstichtag für dieses Anfalljahr geleistet wurden, zuzüglich der Schadenrückstellungen zum Bilanzstichtag. Bei vollständigen Informationen über alle bis zum Bilanzstichtag entstandenen Schäden bliebe der endgültige Schadenstand für jedes Anfalljahr unverändert. In der Praxis ist der endgültige Schadenstatus (der auf Schätzungen basiert) jedoch gewissen Schwankungen ausgesetzt, die den zunehmenden Kenntnisstand hinsichtlich der Schadenfälle widerspiegeln. Die tatsächliche Schadenquote weicht leicht von der ausgewiesenen Schadenquote ab, weil der endgültige Schadenaufwand in der obigen Tabelle auf der Gesamtsumme der Regulierungszahlungen zuzüglich der Schadenrückstellungen beruht, nicht aber auf dem entstandenen Schaden in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung.

Die Schadendreiecke sind nicht wechselkursbereinigt. Das heißt, dass alle Zahlen aus der jeweiligen Landeswährung in die Konzernwährung der Allianz (Euro) umgerechnet werden, und zwar einheitlich gemäß den zum Bilanzstichtag geltenden Wechselkursen. Damit ist gewährleistet, dass die Rückstellungen mit den Rückstellungen in der Konzernbilanz übereinstimmen.

Entwicklung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle

Die folgende Tabelle fasst die Entwicklung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle des Allianz Konzerns in den letzten sieben Jahren zusammen. Grundlage ist dabei das Kalenderjahr, nicht das Anfalljahr.

Jede Spalte dieser Tabelle zeigt die Rückstellungen zu einem einzelnen Bilanzstichtag und die anschließende Entwicklung dieser Rückstellungen. Im obersten Abschnitt jeder Spalte sind die Nettoreserven angegeben, die ursprünglich am Ende jedes dargestellten Jahres gebildet wurden. Der nächste Abschnitt gibt von oben nach unten die kumulierten ausgezahlten Nettobeträge zum Ende der Folgejahre in Bezug auf die ursprünglich gebildeten Rückstellungen an. Der darauffolgende Abschnitt zeigt die rückwirkende Neuschätzung der ursprünglich gebildeten Nettoreserven für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle zum Ende eines jeden Folgejahres. Diese Neuschätzung ergibt sich in erster Linie aus den neu bekannt gewordenen Sachverhalten und Umständen offener Versicherungsfälle.

Der untere Abschnitt vergleicht die zuletzt neu geschätzten Brutto- bzw. Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle mit den ursprünglich gebildeten Brutto- bzw. Nettorückstellungen und gibt die kumulierte Entwicklung der ursprünglich gebildeten Rückstellungen bis 31. Dezember 2011 an. Der Überschuss, der in der Tabelle für jedes Jahr angegeben ist, stellt den Gesamtbetrag dar, um den sich die zum Ende des jeweiligen Jahres ursprünglich geschätzten Rückstellungen in den folgenden Jahren verändert haben. Daher bezieht sich der kumulierte Überschuss zum Ende eines Jahres nur auf die Rückstellungen zum jeweiligen Jahresende, und diese Beträge sind nicht addierbar. Die Informationen in dieser Tabelle sind mit der Einschränkung zu sehen, dass in jedem Betrag alle Veränderungen der Wertansätze früherer Zeiträume berücksichtigt sind. Beispielsweise wird die Entwicklung der Rückstellungen 2005 im Laufe des Jahres 2011 im kumulierten Überschuss der Spalten für 2005 bis 2010 berücksichtigt.

Da die folgende Tabelle die Daten des Kalenderjahres und nicht wie oben des Anfalljahres darstellt, werden sich die Bedingungen und Trends, welche die bisherige Entwicklung der Verbindlichkeiten beeinflusst haben, in der Zukunft nicht unbedingt wiederholen. Daher lassen sich aus den Angaben in dieser Tabelle keine Schlussfolgerungen über künftige Ergebnisse ableiten.

Gesellschaften, die während des in der Tabelle dargestellten Zeitraums erworben oder veräußert wurden, können den kumulierten Überschuss verzerren. Die Tabelle beginnt mit der Darstellung der Netto- und Bruttoverbindlichkeiten für ausgewiesene nicht regulierte Versicherungsschäden sowie Schadenregulierungskosten zum jeweiligen Bilanzstichtag. Im Laufe der Zeit werden diese Verbindlichkeiten neu geschätzt. Darüber hinaus ändern sich die Verbindlichkeiten, wenn durch Akquisition oder Verkauf einer Gesellschaft oder durch Umklassifizierung gänzlich neue Portfolios von Schadenregulierungen und -rückstellungen hinzukommen oder abgezogen werden. Auch Wechselkursschwankungen können den kumulierten Überschuss verzerren.

Kalenderjahr
  2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €
1 Der kumulierte Brutto- bzw. Nettoüberschuss vor Anpassungen resultiert aus der Neubewertung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle für in früheren Geschäftsjahren eingetretene Schäden und enthält Effekte aus der Währungsumrechnung von brutto 295 (2010: 1 999) Mio € und netto 247 (2010: 1 707) Mio €, Veränderungen der konsolidierten Tochtergesellschaften der A llianz Gruppe, Umklassifizierungen und übrige Veränderungen. Dies führt zu einem effektiven Abwicklungsergebnis von brutto 2 080 (2010: 2 551) Mio € und netto 1 660 (2010: 1 544) Mio €, was sich in der Tabelle „Veränderung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Geschäftsbereich Schaden-Unfall” in dieser Angabe wiederfindet.
Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle (brutto) 55 528 60 259 58 664 56 943 55 616 55 715 57 509 59 493
Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle (Anteil der Rückversicherer) 10 048 10 603 9 333 8 266 7 820 7 176 6 659 6 658
Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle (netto) 45 480 49 656 49 331 48 677 47 796 48 539 50 850 52 835
Netto reguliert (kumuliert) per  
1 Jahr später 10 716 12 242 12 255 12 005 12 799 12 364 12 229  
2 Jahre später 16 326 18 093 17 863 17 455 18 476 17 648    
3 Jahre später 20 119 22 058 21 568 20 980 22 035      
4 Jahre später 22 926 24 807 24 159 23 505        
5 Jahre später 25 145 26 812 25 997          
6 Jahre später 26 719 28 254            
7 Jahre später 27 867              
Neu geschätzte Nettoverbindlichkeiten per  
1 Jahr später 45 595 47 725 46 919 45 579 47 265 48 486 49 469  
2 Jahre später 43 570 45 145 43 988 44 300 47 142 47 671    
3 Jahre später 42 293 43 695 43 375 43 980 46 911      
4 Jahre später 41 315 43 183 43 248 44 044        
5 Jahre später 41 187 43 086 43 562          
6 Jahre später 41 181 43 379            
7 Jahre später 41 550              
Kumulierter Überschuss  
Nettoüberschuss vor Anpassungen1 3 930 6 277 5 769 4 633 885 868 1 381  
Nettoüberschuss 457 1 199 969 1 360 1 067 1 544 1 660  
Nettoüberschuss vor Anpassungen in % der ursprünglichen Rückstellungen 8,6 % 12,6 % 11,7 % 9,5 % 1,9 % 1,8 % 2,7 %  
Bruttoüberschuss vor Anpassungen1 4 553 7 386 6 950 5 449 2 201 1 846 1 812  
Bruttoüberschuss 1 293 1 632 1 186 1 708 1 962 2 551 2 080  

2011 stiegen die Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle um 1 985 Mio € bzw. 3,9 % auf 52 835 Mio €, was teilweise den im Laufe des Jahres verzeichneten Wechselkursschwankungen zuzuschreiben war. Die Entwicklung der Rückstellungen im Jahr 2011 wird im nachfolgenden Abschnitt „Veränderungen der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011“ näher erläutert.

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Zusammensetzung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle nach Geschäftszweigen

Wie lange es dauert, bis die Versicherung von einem Schadenfall erfährt und diesen abwickelt, ist ein bei der Bildung von Rückstellungen wichtiger Gesichtspunkt. Schadenfälle mit kurzer Abwicklungsdauer (Short-Tail), etwa bei Sachschäden in der Kraftfahrtversicherung, werden in der Regel innerhalb weniger Tage oder Wochen gemeldet und innerhalb von zwei bis drei Jahren abgewickelt. Schadenfälle mit mittlerer Abwicklungsdauer (Medium-Tail) wie in der privaten und gewerblichen Kraftfahrzeughaftpflicht werden normalerweise nach vier bis sechs Jahren abgewickelt, während die längerfristigen Fälle (Long-Tail) wie jene in der allgemeinen Haftpflicht, in der Berufsunfallversicherung sowie in der Bau- und Berufshaftpflicht mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Der Allianz Konzern schätzt, dass die Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle zu etwa 10 % aus Short-Tail-Geschäften, 50 % aus Medium-Tail-Geschäften und 40 % aus Long-Tail-Geschäften bestehen.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Rückstellungen des Allianz Konzerns für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle, und zwar sowohl insgesamt als auch separat nach Rückstellungen für bis zum Bilanzstichtag eingetretene, aber noch nicht gemeldete Versicherungsfälle und Einzelschadenrückstellungen, vor Rückversicherung und nach Geschäftszweigen für die am 31. Dezember 2011, 2010 und 2009 endenden Geschäftsjahre.

Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle nach Geschäftszweigen und vor Rückversicherung

  2011
Mio €
2010
Mio €
2009
Mio €
1 Sonstige umfasst in erster Linie Pauschal-/Einheitsversicherungen, Rechtsschutz-, Luftfahrt- und Reiseversicherungen.
2 Alba und Phenix wurden 2010 an Dritte verkauft. Infolgedessen wurden die historischen Daten für diese Einheit im Ausweis für 2009 nicht mehr berücksichtigt. Die nicht mehr berücksichtigten Brutto-Gesamtrückstellungen beliefen sich für 2009 auf 214 Mio €. Des Weiteren wurde ein Portfolio von der spanischen Tochtergesellschaft auf die AGCS übertragen, sodass die bisherige Entwicklung für 2009 angepasst wurde. Die an die AGCS übertragenen Brutto-Gesamtrückstellungen belaufen sich auf 154 Mio €.
Kfz 18 783 19 088 19 018
Einzelschadenrückstellung 15 297 15 540 15 851
Spätschadenrückstellungen 3 486 3 548 3 167
Allgemeine Haftpflicht 11 390 11 619 11 062
Einzelschadenrückstellung 7 128 7 211 6 909
Spätschadenrückstellungen 4 262 4 408 4 153
Berufsunfall / Berufshaftpflicht 4 559 4 560 4 273
Einzelschadenrückstellung 2 309 2 227 2 038
Spätschadenrückstellungen 2 250 2 333 2 235
Sachversicherung 4 571 4 127 3 952
Einzelschadenrückstellung 4 088 3 862 3 595
Spätschadenrückstellungen 483 265 357
Eingehende Rückversicherung 2 521 2 186 1 854
Einzelschadenrückstellung 1 522 1 219 1 095
Spätschadenrückstellungen 999 967 759
Private Unfallversicherung 1 462 1 377 1 278
Einzelschadenrückstellung 1 507 1 366 1 243
Spätschadenrückstellungen –45 11 35
Bauschaden und Bauhaftung 2 096 2 020 1 945
Einzelschadenrückstellung 525 505 517
Spätschadenrückstellungen 1 571 1 515 1 428
Kreditversicherung 1 406 1 302 1 419
Einzelschadenrückstellung 1 109 1 179 1 388
Spätschadenrückstellungen 297 123 31
AGCS 8 307 7 632 7 062
Einzelschadenrückstellung 4 906 4 553 4 189
Spätschadenrückstellungen 3 401 3 079 2 873
Sonstige1 4 398 3 598 3 638
Einzelschadenrückstellung 2 210 2 221 2 129
Spätschadenrückstellungen 2 188 1 377 1 509
Allianz Konzern gesamt2 59 493 57 509 55 501
Einzelschadenrückstellung 40 601 39 883 38 954
Spätschadenrückstellungen 18 892 17 626 16 547

Bei der Durchsicht der obigen Tabellen sollte Vorsicht geboten sein, wenn die Unterteilung in Einzelschaden- und Spätschadenrückstellungen (Rückstellungen für bis zum Bilanzstichtag eingetretene, aber noch nicht gemeldete Versicherungsfälle) für verschiedene Geschäftszweige verglichen wird. Der Anteil der Spätschadenrückstellungen an den Schadenrückstellungen insgesamt variiert nach Versicherungszweig, und zwar aufgrund unterschiedlicher Berichtsund Abwicklungsstrukturen. Beim Short-Tail-Geschäft, wie z. B. in den Sachversicherungen, werden die Schäden in der Regel unmittelbar nach Entstehen gemeldet und binnen weniger Jahre abgewickelt. Beim Long-Tail-Geschäft, wie etwa der Produkthaftung, ist es dagegen nicht ungewöhnlich, dass ein Schadenfall erst Jahre nach seiner Entstehung gemeldet wird, und auch die Abwicklung kann erhebliche Zeit in Anspruch nehmen, insbesondere bei Personenschäden.

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Veränderungen der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011

Die Vorjahresrückstellungen des Allianz Konzerns für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle haben sich 2011, wie oben erwähnt, um 2 080 Mio € einschließlich Rückversicherung und um 1 660 Mio € nach Abzug der Rückversicherung günstig entwickelt. Dies entspricht 3,6 % der Bruttorückstellungen und 3,3 % der Nettorückstellungen zum 31. Dezember 2010. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über diese Beträge nach Geschäftszweigen.

Veränderung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011, brutto und netto

  Bruttoreserven Stand 31. Dezember 2010
Mio €
Bruttoentwicklung für frühere Jahre
Mio €
%1 Nettoreserven Stand 31. Dezember 2010
Mio €
Netto- entwicklung für frühere Jahre
Mio €
%2
1 in % der Bruttoreserven zum 31. Dezember 2010
2 in % der Nettoreserven zum 31. Dezember 2010
Kfz 19 089 –728 –3,8 17 238 –795 –4,6
Allgemeine Haftpflicht 11 619 –119 –1,0 9 454 197 2,1
Berufsunfall / Berufshaftpflicht 4 560 102 2,2 4 469 123 2,8
Sachversicherungen 4 127 –132 –3,2 3 087 –91 –2,9
Eingehende Rückversicherung 2 186 –407 –18,6 4 284 –327 –7,6
Private Unfallversicherung 1 377 –8 –0,6 1 101 –11 –1,0
Bauschaden und Bauhaftpflicht 2 019 –36 –1,8 1 849 –5 –0,3
Kreditversicherung 1 302 –288 –22,1 1 029 –210 –20,4
AGCS 7 632 –652 –8,5 5 421 –546 –10,1
Sonstige 3 598 188 5,2 2 918 5 0,2
Allianz Konzern 57 509 –2 080 –3,6 50 850 –1 660 –3,3

Im Folgenden werden die wichtigsten Eckdaten der Entwicklung der Rückstellungen 2011 nach Geschäftszweigen erläutert. Die Erläuterungen beruhen auf den Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle in der Landeswährung der jeweiligen operativen Einheit vor Konsolidierung. Zur einheitlichen Darstellung wurden die Beträge in Euro umgerechnet. Die folgenden Erläuterungen der einzelnen Beträge, die nur nennenswerte Entwicklungen in unseren maßgeblichen operativen Einheiten berücksichtigen, stimmen mit den Gesamtsummen in der obigen Tabelle nicht genau überein.

Kfz-Versicherung

Im Kfz-Versicherungsgeschäft haben sich die Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011 um 795 Mio € bzw. 4,6 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010 verbessert. Diese Entwicklung ging auf verschiedene Effekte in unterschiedlichen Gesellschaften zurück. Folgende Tochtergesellschaften leisteten den größten Beitrag:

166 Mio € bei der spanischen Tochtergesellschaft des Allianz Konzerns. Diese Reduzierung wurde durch eine günstige Entwicklung des Schadendurchschnitts verursacht, der auf drei Ursachen beruht: Es wurde mit einem Anstieg durch eine Gesetzesänderung gerechnet, die nicht in Kraft getreten ist; eine außerordentlich niedrige Inflation; und es wurden günstigere Vereinbarungen mit externen Anbietern getroffen, insbesondere mit Reparaturwerkstätten, Anwälten und Ärzten.

122 Mio € bei der Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung der australischen Tochtergesellschaft des Allianz Konzerns, primär aufgrund der sich günstiger entwickelnden Schadenerfahrung, aber auch durch niedrigere Schadenhäufigkeiten im Geschäftsjahr 2011 als erwartet.

105 Mio € bei der Allianz Suisse. Die Auflösungen dieser Rückstellungen ist bedingt durch die Berücksichtigung von Änderungen in der Schadenbearbeitung, durch Portfoliobereinigungen wie auch durch günstige Gerichtsentscheide bezüglich Personenschäden.

100 Mio € bei den italienischen Tochtergesellschaften des Allianz Konzerns. Diese Reduzierung wurde verursacht durch eine erheblich vorteilhaftere Entwicklung des Schadendurchschnittes als erwartet, was eine positivere Einschätzung der projizierten Schadenkosten zur Folge hatte.

51 Mio € bei der britischen Tochtergesellschaft des Allianz Konzerns, überwiegend aus der gewerblichen Kraftfahrzeugversicherung, in der weniger Großschäden eingetreten sind als erwartet.

Allgemeine Haftpflicht

In der Allgemeinen Haftpflichtversicherung haben sich die Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011 um rund 197 Mio € bzw. 2,1 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010 erhöht. Diese Entwicklung ging auf verschiedene Effekte in unterschiedlichen Gesellschaften zurück. Folgende Tochtergesellschaften leisteten den größten Beitrag:

103 Mio € aus den italienischen Tochtergesellschaften des Allianz Konzerns. Die Erhöhung der Reserven entstand hauptsächlich durch einen Anstieg der beobachteten Höhe des Durchschnittsschadens, was zu einer pessimistischeren Einschätzung der projizierten zukünftigen Zahlungen führte.

46 Mio € bei der deutschen Tochtergesellschaft des Allianz Konzerns, entstanden durch ungünstige Schadentrends, insbesondere überdurchschnittliche Schadenhöhen für einige Anfalljahre im gewerblichen Geschäft.

45 Mio € aus der Fireman’s Fund Insurance Company, hauptsächlich verursacht durch eine höhere Schadenhäufigkeit und höhere Durchschnittsschäden als erwartet für einige Umweltschäden, teilweise aufgehoben durch unwesentliche Entwicklungen normaler Schäden.

Berufsunfall/Berufshaftpflicht

In der Berufsunfall- und Berufshaftpflichtversicherung haben sich die Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011 um rund 123 Mio € bzw. 2,8 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010 erhöht. Diese Entwicklung ging auf verschiedene Effekte in unterschiedlichen Gesellschaften zurück. Die folgende Tochtergesellschaft leistete den größten Beitrag:

126 Mio € aus der Fireman’s Fund Insurance Company, basierend auf einer Anpassung der Annahmen und Methoden in der Reservierung, um die anhaltenden Trends im Berufsunfallgeschäft widerzuspiegeln.

Sachversicherungen

Im Sachversicherungsgeschäft haben sich die Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011 um rund 91 Mio € bzw. 2,9 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010 verbessert. Diese Entwicklung ging auf verschiedene Effekte in unterschiedlichen Gesellschaften zurück. Die folgende Tochtergesellschaft leistete den größten Beitrag:

58 Mio € bei der französischen Tochtergesellschaft des Allianz Konzerns, hauptsächlich verursacht durch eine günstige Entwicklung von Großschäden und eine vorteilhaftere Entwicklung von älteren Anfalljahren.

Eingehende Rückversicherung

In der eingehenden Rückversicherung haben sich die Nettorückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Jahr 2011 um rund 327 Mio € bzw. 7,6 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010 verbessert. Diese Entwicklung ging auf verschiedene Effekte in unterschiedlichen Gesellschaften zurück. Die folgende Tochtergesellschaft leistete den größten Beitrag:

100 Mio € bei Allianz Re, maßgeblich getrieben von der positiven Entwicklung des rückversicherten Bestands von Euler Hermes.

Kreditversicherung

Kreditversicherungen werden innerhalb des Allianz Konzerns von Euler Hermes übernommen. Im Jahr 2011 verzeichnete Euler Hermes eine günstige Entwicklung von 210 Mio € nach Abzug der Rückversicherung bzw. 20,4 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010, hauptsächlich verursacht durch weniger Insolvenzen in den Vorjahren als erwartet und einen günstigen Schadenverlauf bei Großschäden.

Allianz Global Corporate and Specialty

Allianz Global Corporate and Specialty (AGCS) ist innerhalb des Allianz Konzerns der globale Versicherer von Unternehmens- und Spezialrisiken und umfasst zudem das Konzernkundengeschäft der deutschen Sparte. Insgesamt verbuchte AGCS im Jahr 2011 eine positive Entwicklung von 546 Mio € nach Abzug der Rückversicherung bzw. 10,1 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010. Die Hauptursachen des Abwicklungsergebnisses sind:

208 Mio € aus günstiger Schadenabwicklung der Sachversicherung der US-Geschäftsstelle.

82 Mio € aus der schweizer Geschäftsstelle, bedingt durch die Ablösung eines Vertragsverhältnisses.

78 Mio € aus dem Sachversicherungsportfolio der deutschen Geschäftsstelle, bedingt durch die Auflösung von Spätschadenrückstellungen für Vorjahre aufgrund einer anhaltend günstiger als erwartet verlaufenden Erfahrung.

76 Mio € aus der technischen Versicherung der deutschen Geschäftsstelle, bedingt durch günstigere Ergebnisse als erwartet, hauptsächlich für das Anfalljahr 2009.

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Diskontierung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle

Zum 31. Dezember 2011, 2010 und 2009 enthielten die konsolidierten Rückstellungen des Allianz Konzerns in der Schadenund Unfallversicherung diskontierte Rückstellungen von 2 182 Mio €, 2 031 Mio € und 1 860 Mio €.

Grundsätzlich werden Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle nicht diskontiert, außer wenn die Rückstellungen festgelegte Zahlungsbeträge und einen einigermaßen determinierbaren Zeithorizont aufweisen. Die Rückstellungen in den USA, Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, Portugal und Frankreich werden in unterschiedlicher Höhe diskontiert. Diese Diskontierungen beziehen sich auf Rückstellungen für strukturierte Abwicklungen in verschiedenen Versicherungsklassen. Diese umfassen die private Unfallversicherung, die allgemeine Haftpflicht und Kraftfahrzeughaftpflicht in Deutschland und Frankreich, Berufsunfall, allgemeine Haftpflicht und Kraftfahrzeughaftpflicht in Großbritannien und in den USA sowie die Berufsunfallversicherung in der Schweiz und in Portugal.

Die folgende Tabelle zeigt die Buchwerte der diskontierten Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle nach Geschäftszweigen sowie die zur Diskontierung verwendeten Zinssätze für die Jahre mit Geschäftsjahresende zum 31. Dezember.

Diskontierung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle

  Diskontierte Rückstellungen Diskontierungsbetrag Zinssatz der Diskontierung1
Stand 31. Dezember 2011 2010 2009 2011 2010 2009 2011 2010 2009
  Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € Mio € % % %
1 Die breite Streuung der Zinssätze ergibt sich dadurch, dass die obigen Angaben nach Versicherungszweigen dargestellt sind, sodass jeder Versicherungszweig die in den einzelnen Ländern verwendeten Zinssätze widerspiegelt.
2 Zusätzliche Reserven wurden 2011 erstmals erfasst und die historischen Zahlen entsprechend angepasst.
Kfz-Haftpflicht 669 626 583 557 452 426 2,25 - 5,98 2,25 - 5,98 2,25 - 5,55
Allgemeine Haftpflicht 192 187 184 163 161 156 2,25 - 5,98 2,25 - 5,98 2,25 - 5,55
Private Unfallversicherung 419 387 360 245 229 218 2,25 - 3,92 2,25 - 4,00 2,25 - 4,00
Berufsunfall/Berufshaftpflicht2 884 815 718 418 432 397 1,00 - 5,98 2,00 - 5,98 3,00 - 5,55
Sonstige 18 16 15 13 12 12 2,25 - 5,98 2,25 - 5,98 2,25 - 5,55
Summe 2 182 2 031 1 860 1 396 1 286 1 209      
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Rückstellungen für Asbest- und Umweltschäden (A&U)

Bei der Schätzung der Rückstellungen für Schäden und noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle im Asbest- und Umweltbereich ergeben sich bedeutende Unsicherheiten. Die Rückstellungen für Schäden aufgrund asbestbedingter Erkrankungen und Umweltsanierungen können nicht nach traditionellen versicherungsmathematischen Methoden geschätzt werden. Das liegt an den langen Latenzzeiten und den Veränderungen der rechtlichen, sozialwirtschaftlichen und regulatorischen Gegebenheiten. Die Einzelschadenrückstellungen werden gebildet, sobald genügend Informationen verfügbar sind, dass ein bestimmter Versicherungsvertrag betroffen ist. Darüber hinaus werden Spätschadenrückstellungen zu dem Zweck gebildet, zusätzliche Risiken aus bekannten sowie noch nicht gemeldeten Schäden abzudecken. Soweit es möglich ist, basieren die geschätzten Rückstellungen für Asbest- und Umweltschäden nicht nur auf den bis dato gemeldeten Schadenfällen, sondern auch auf der Analyse von Versicherungsverträgen, bei denen eventuell mit künftig gemeldeten Ansprüchen gerechnet werden muss (z. B. Risikoanalyse).

Bei der Festlegung der Verbindlichkeiten für Asbest- und Umweltschäden berücksichtigt das Management die aktuell bekannten Tatsachen und die aktuelle Gesetzeslage einschließlich etwaiger Rechtsstreitigkeiten. Da der Versicherungsschutz und die Haftungsansprüche von Gerichten und Gesetzgebern zuletzt jedoch ausgeweitet wurden und in Zukunft ähnliche Auslegungen möglich sind, bestehen erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der Sanierungs- und Versicherungshaftung. Daher weisen die realistischen Szenarien für die künftige Haftung in diesem Bereich in den Analysen eine auffallend große Bandbreite auf. Aufgrund der naturgemäßen Ungenauigkeit bei der Prognose der Asbest- und Umweltverbindlichkeiten ist eine deutliche Abweichung vom aktuellen Buchwert der Rückstellungen für Asbest- und Umweltschäden möglich.

Während die Asbest- und Umweltschäden in den USA nach wie vor den überwiegenden Teil aller Asbest- und Umweltschäden ausmachen, die dem Allianz Konzern bislang gemeldet worden sind, muss sich die Versicherungsbranche künftig weltweit auf derartige Haftungsansprüche einrichten. Der Allianz Konzern arbeitet weiter an der Analyse dieser Risiken. 2011 hat die Allianz eine Studie dazu durchgeführt. Aus dieser resultiert die günstige Entwicklung der Reserven um 130 Mio € für Asbestreserven außerhalb der USA, teilweise ausgeglichen von einer gegenläufigen Entwicklung der Umweltschäden in den USA. Die gesamte günstige Entwicklung von 24 Mio € oder 0,7 % der Rückstellungen zum 31. Dezember 2010 bestärkt das bisherige Niveau der Rückstellungen für A&U-Schäden.

Die folgende Tabelle fasst die Brutto- und Nettorückstellungen für Asbest- und Umweltschäden zusammen.

Brutto- und Nettorückstellungen für Asbest- und Umweltschäden

Stand 31. Dezember 2011 2010 2009
  Mio € Mio € Mio €
A&U-Rückstellungen netto 2 586 2 713 2 652
A&U-Rückstellungen brutto 3 124 3 272 3 099
in % der Bruttorückstellungen im Segment Schaden-Unfall des Allianz Konzerns 5,3 % 5,7 % 5,6 %

Die folgende Tabelle zeigt die Gesamtentwicklung der Asbest- und Umweltschäden in den letzten drei Jahren auf.

Brutto-Asbest- und Umweltschäden sowie Schadenregulierungskosten vor Rückversicherung

  2011 2010 2009
  Mio € Mio € Mio €
Asbest- und Umweltschäden insgesamt:      
Schadenrückstellungen zum 1.1. 3 272 3 099 3 140
abzgl. Schadenregulierung –124 –195 –166
zzgl. Veränderung der Schadenrückstellungen –24 368 125
Schadenrückstellungen zum 31.12. 3 124 3 272 3 099
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